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8. Mai — Tag der Befreiung

Im letzten Jahr am Tag der Befreiung war die Betrachtung Griechenland und dem Kampf gegen den Faschismus gewidmet, nun wandert der Blick nach Frankreich. Zahlreiche Deutsche kämpften in der französischen Widerstandsbewegung — der Résistance . Einer von Ihnen war der bekannte Widerstandskämpfer Peter Gingold, als Jude und Kommunist doppelt verfolgt, leistete er unter dem Decknamen Georges Richard Widerstand, er entkam glücklicherweise seinen Häschern nach seiner Verhaftung in Paris.
Gingold war zuvor Anfang 1943 in Dijon verhaftet worden, der SD versucht durch Folter aus ihm Informationen herauszuholen, nach Paris verbracht ersinnt er eine List, er könne sich an ein Haus am Boulevard St. Martin erinnern, aber nicht an die genaue Hausnummer, dort von der Gestapo hingeführt, schlägt er den Nazischergen die schwere Haustür vor der Nase zu und rennt um sein Leben durch einen zweiten Ausgang in die Freiheit.

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Im Widerstand — Etty und Peter Gingold

Zum Kriegsende am 8. Mai war Peter Gingold bei italienischen Widerstandsgruppen aktiv (Zit. nach Internationales Hearing [pdf] zum 8. Mai – 50. Jahrestag der Befreiung vom deutschen Faschismus 1995 in Berlin:
„Unsere Einheit schnappte Mussolini, ich war nicht dabei gewesen, auf dem Fluchtweg. Er wollte in die Schweiz gerade, mit allen seinen Mätressen, mit Gold, mit Diamanten. Am Abend wurde Gericht gehalten, am anderen Morgen wurde er erschossen. Und das war sehr scheußlich, dass sie den Leichnam nach Mailand brachten und mit den Füßen nach oben aufgehängt haben, das war nicht mein Geschmack. So groß war die Wut, das Rachegefühl der Bevölkerung auf diesen Faschismus – das, was wir in Deutschland nie erlebt haben“.

Nach dem Krieg war Peter Gingold der vor fast 5 Jahren im Alter von 90 Jahren am 29. Oktober starb, ein unermütlicher Aufklärer über die Gefahren des Nationalsozialismus, für die VVN-BdA, die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes, ging er in die Schulen, informierte mit seiner lustigen Art anschaulich und wusste charmant für die Thematik zu begeistern, gab zahlreiche Interviews und engagierte sich gegen die alte und neue Propaganda der Kriegshetze.

8 mai 2011 wer nicht feiert hat verloren
Wer nicht feiert hat verloren — Veranstaltung am 9. Mai

Die Dokumentation von Frank Gutermuth und Wolfgang Schoen „Frankreichs fremde Patrioten — Deutsche in der Résistance“ zeigt den Kampf auf, den die demokratischen Deutschen leisteten. In der BRD wurden die WiderstandskämpferInnen deswegen verfemt, verfolgt und drangsaliert.

Die den Gingolds von den Nazis der BRD aberkannte deutsche Staatsbürgerschaft wurde erst Jahrzehnte später im Mai 1974 nach internationalen Protesten wieder zugebilligt. Den von den Nazis zu „Volksschädlingen“ erkorenen, der jüdischen Familie Gingold, sollte auch im Nachfolgestaat die „Ehre“ nicht zuteil werden „Deutsche“ zu sein; die Tochter von Peter und Ettie Gingold erhielt später sogar Berufsverbot während die verantwortlichen Würdenträger lieber mit ehemaligen NS-Kriegsverbrechern die faschistische Wehrmacht hochleben ließen.
Ganz anders als in Frankreich wo der Kampf der Deutschen gegen den Faschismus auch gegen die versuchte Einflussnahme seitens der Bundesregierung in höchsten Ehren gehalten wurde:

Die Erinnerungen Peter Gingolds, die er in seinen letzten Lebensjahren zu Papier brachte (hg. von Ulrich Schneider) sind ein spannendes Zeugnis über den Widerstand gegen den Faschismus.

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Peter Gingold/Ulrich Schneider Paris – Boulevard St. Martin No. 11: Ein jüdischer Antifaschist und Kommunist in der Résistance und der Bundesrepublik

Verlag: PapyRossa, 2. Auflage 2009
ISBN 3894384077
14,90 €

8. Mai — Tag der Befreiung

In Zeiten der deutschen Beteiligung an Kriegseinsätzen, die der Aufrechterhaltung des freien Zugangs zu Rohstoffen dient, wie es einst ganz unverhohlen in den „Verteidigungspolitischen Richtlinien“ der Bundesregierung zu lesen war, gewinnt die Mahnung des 8. Mai wieder an Aktualität.

Während der durch erfolgreiche Blockaden schon im Ansatz gescheiterte Aufmarsch der Faschisten in Berlin weiterhin im Gespräch ist, weil Bundestagsvizepräsident Thierse das Richtige tat und sich den Nazis in den Weg stellte, werden antimilitaristische Demonstrationen verboten, weil sie das Ansehen der Armee schädigen würden.

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Griechische Partisaninnen

Auch die Bennung der Kasernen nach Kriegsverbrechern und das Absingen von Liedern, in denen der Einmarsch der faschistischen Wehrmacht in Griechenland gelobt wird, ist elementarer Bestandteil der bundesdeutschen Geschichte, die gerne verdrängt wird. Die, die Opfer dieser Verbrechen wurden, werden als Verfassungsfeinde beschimpft, Entschädigungen für das erlittene Unrecht werden ihnen vorenthalten.


Befreiungslied der griechischen PartisanInnen der ELAS aus den 40er Jahren

In Griechenland wütete der Faschismus ebenso wie in den anderen überfallenen Ländern, ganze Dorfbevölkerungen wurden niedergemetzelt, Jüdinnen und Juden deportiert und wie zum Hohn die Goldreserven des griechischen Staates als Zwangskredit geraubt, die Rückzahlung bis heute verweigert wie auch hier die Entschädigungen für die Opfer.

Aber ebenso gelang es auch eine Widerstandsbewegung, die Nationale Befreiungsfront, die EAM aufzubauen, die mit ihren PartisanInnen-Einheiten der ELAS (Griechische Volksbefreiungsarmee) mit hundertausenden Mitgliedern, darunter ein sehr hoher Anteil von Frauen, die bei Ergreifung mit „Sonderbehandlung“ zu rechnen hatten, der Wehrmacht empfindliche Schläge versetzten. Zahlreiche deutsche Soldaten liefen zu den PartisanInnen über (darunter der renommierte Staatsrechtler Abendroth, der später in der BRD aufgrund seiner antifaschistischen Haltung statt als Rechtswissenschaftler nur als Politik-Professer arbeiten konnte und die Marburger Schule begründete).

wer nicht feiert hat verloren 9 mai
Wer nicht feiert hat verloren und jugoslawische Partisanen

Nicht zu verwechseln ist die ELAS mit einer „linken“ Terrorgruppe fast gleichen Namens (ELA bzw. 17.November), die bzw. ihre Vorgängerin v.a. in den 80er Jahren zahlreiche Morde und Anschläge insbesondere auch auf antifaschistische Politiker und Gewerkschaftsführer beging. Jahrzehntelang konnte die Gruppe angeblich nicht gefasst werden.
In Griechenland ist es ein offenes Geheimnis, dass die nie richtig aus Polizei und Geheimdienst entfernten faschistischen Kräfte die Hintermänner waren; erst als die Drohung im Raum stand, dass die USA sich nicht an den Olympischen Spielen beteiligen würden, wenn die Sicherheitslage sich nicht ändere, wurde wie durch ein Wunder ein Teil der Gruppe enttarnt und verhaftet.
Die UnterstützerInnen dieser Terrorgruppe speisen sich aus den gleichen Kreisen, die auch für die drei Toten von Athen verantwortlich sind. Das Hineinwerfen von Brandsätzen in Häuser wurde zuvor schon erfolgreich von den als Anarchisten titulierten Gruppen bei Büros der Kommunistischen Partei erprobt, Tote ebenfalls miteinkalkuliert.

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Die EAM und die ELAS machten nach der Befreiung vom Faschismus den Fehler, ihre Waffen abzugeben. Von Großbritannien unterstützte rechte Kreise begannen eine blutige Säuberung, die britische Armee marschierte mit Kampfverbänden auf, kollaborierte auch mit den griechischen Faschisten, um eine Republik zu verhindern und die Monarchie zu restaurieren.
Infolgedessen kam es zum sogenannten griechischen Bürgerkrieg, der zwar zuerst für die demokratischen Kräfte in weiten Teilen des Landes gewonnen werden konnte, auf Grund fehlender Unterstützung durch Jugoslawien, Bulgarien und die Sowjetunion aber bald scheiterte.

Jahre der Verfolgung, Einkerkerungen, Folter und Todesurteile für Tausende, später dann scheindemokratische Verhältnisse und eine offene faschistische Diktatur, die erst 1974 gestürzt werden konnte, waren die „Erfolge“, die Großbritannien und die USA mit allen Mitteln (u.a. Napalm-Einsatz) unterstützten. Kriegsführung für wirtschaftliche und geopolitische Strategien (Nato-Mitgliedschaft) — womit wir wieder am Anfang des Blogeintrages gelandet wären.

Auf verschlungen Weg sich dahermachende putzig gewährleistete Bestückung, die sich angesichts hungriger Mäuler auch noch mit Tomaten vervollständigen — und dies auch noch zur allgemeinen Zustimmung — und mit reinem Olivenöle sättigen ließ (Standardbackofenfüllung)

bohnen zucchini kraeuter
Richtig durch ist es spätestens dann wenn die ersten Böhnchen Farbe bekennen

Die Reminiszenz an den Sommer ist jahrein jahraus nur mit Bergen von Bohnen anständig hinzukriegen. Das Schnippeln macht sich fast von selber, die langen Bohnen dürfen durchaus ganz oder auch klein bleiben, und dann müssen da eigentlich nur noch Paprika, Zwiebeln, Kartoffeln und Zucchini rein samt Gewürzen, die halt gerade so zur Hand sind. Diesmal mit dabei Borretsch, Minze, frischer Oregano, Blattpetersilie, Dill, wilder Fenchel, genaues Rezept zahlreich hier im Blogarchiv zu finden.

gut gefuellte form mit kleiner entnehmecke

Schmeckt immer wieder gut und hat auch am nächsten Tage einen gut durchgezogen Backofengerichtcharakter.

Unangenehme Massenveranstaltung dann allerdings die deutsche Volksseligkeit zum Tag der Einheit, billige aber dafür teure Fress- und Saufstände und Puppentheaterspiel zogen mal wieder die BerlinerInnen zu Hauf zum Brandenburger Tor. Ein guter Grund das Holocaust-Mahnmal aufzusuchen, schließlich war auch Besuch da der noch nicht dort gewesen war.
Das Denkmal für die ermordeten Juden Europas war allerdings von der Polizei weiträumig abgesperrt worden. Erst nach vehementen Einfordern des Zugangs wurden wir überhaupt durchgelassen. Ob jetzt das Mahnmal vor dem benachbartem deutschen Volksmob und befürchteten antisemitischen Aktionen geschützt werden sollte oder ob am Tag der Deutschen Einheit die Vergangenheit einfach nur stört?

Bekanntlich war ja die Einrichtung des Mahnmals nur gegen Widerstände durchsetzbar gewesen. Konservative und der rechte Flügel der Sozialdemokratie favorisierten zur Reinwaschung Deutschlands sowieso Mahnmale, die den Nationalsozialismus relativierend in eine Reihe mit der DDR oder des Stalinismus stellen sollten, wie die Umwidmung der Mahnmals für die Opfer des Faschismus und Militarismus neben der Humboldt-Universität in die heutige „Zentrale Gedenkstätte der Bundesrepublik Deutschland für die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft“, die von der CDU-FDP-Regierung durchgedrückt wurde.

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Tellerauftischung mit zentraler Rolle für die halbe Tomate

Das Gedenken an den Holocaust wurde auf EU-Ebene erst im April relativiert, der 23. August wurde als „Gedenktag für Opfer totalitärer und autoritärer Regime“ vom EU-Parlament beschlossen. Zuvor wurde bereits der 9. Mai, der Tag des Befreiung vom Nationalssozialismus, durch den „Europatag“ ersetzt womit der Gründung der Montanunion für Kohle und Stahl gedacht wurde.

Geschichtsklitterung der besonderen Art, ist doch der 23. August das Datum des deutsch-sowjetischen Nichtangriffspaktes. Seit Jahren wird versucht die Verantwortung Deutschlands für den 2. Weltkrieg der Sowjetunion zuzuschieben.
Hitler habe nur reagiert ist das Diktum der Rechten. Also quasi Selbstverteidigung gegen den Bolschewismus. Denn der wollte eigentlich den Krieg: „Den ersten Zug überließ Stalin stets Hitler, und dieser hatte nun seinen Freibrief zum Krieg“ weiß der Leiter des Planungsstabs des Kriegsministeriums und ehemalige Berater von Roland Koch, Ulrich Schlie, in der rechtsliberalen SZ zu verkünden.

Die Opfer des Faschismus zu Tätern zu machen ist halt immer noch eine beliebte Methode – besonders in Zeiten in denen Deutschland wieder Krieg führt. Historische Verantwortung stört da nur — insbesondere am Tag der deutschen Einheit.

8. Mai — Tag der Befreiung

wer_nicht_feiert

Letztes Jahr schrieben wir, dass manche Blogeinträge nie ihre Aktualität verlieren. Hinzuzufügen wäre dem nur, dass der deutsche Staat es mit leider nur wenigen Ausnahmen auch weiterhin als seine originäre Pflicht ansieht, die Faschisten zu schützen; in Berlin wird so am 1. Mai massiv gegen AntifaschistInnen vorgegangen, die Polizei will so außerdem die Stimmung für die Mai-Demonstrationen am Nachmittag noch zusätzlich anheizen.

Und die taz stellt sich an die vorderste Front und geiselt das Verbot des Naziaufmarsches in Hannover mit dem Argument, die Angriffe auf die Demonstration des DGB am 1.Mai in Dortmund wären sonst nicht erfolgt, wer in solcher Logik denkt, hat aus seinem warmen Redaktionsstübchen heraus agierend wieder mal nichts begriffen.
Zwar schreibt der taz-Redakteur Felix Lee nicht, dass Nazis das Recht hätten ihre Verbrechen zu begehen, er legt seine Weisheiten lieber in den Mund: „Nicht nur aus demokratietheoretischen Erwägungen ist diese Verbotsentscheidung äußerst fragwürdig. Denn dieses Vorgehen bestätigt die Neonazis vor ihren Anhängern in der Annahme, ihnen würden fundamentale Grundrechte verweigert. Aber auch strategisch ist diese Verbotsverfügung falsch“.

wer nicht feiert hat verloren!

Die Bundeswehr ehrt Nazi-Kriegsverbrecher in Mittenwald auch weiterhin, die deutsche Polizei wird wie üblich das braune Treiben schützen. Die taz wird applaudieren.

Heute wird vor dem Landgericht Nürnberg gegen den Journalisten Ulrich Sander von der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN-BdA) verhandelt, ihm soll untersagt werden über die Kriegsverbrechen der Gebirgsjäger zu berichten.

[zum Verfahrensausgang: nur noch wenige Kriegsverbrecher (zuviele bereits verstorben)]

Faschismus ist keine Meinung — sondern ein Verbrechen!

8. Mai — Tag der Befreiung

Die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) wird 62 Jahre nach der Niederschlagung des Nationalsozialismus immer noch als verfassungsfeindlich abgestempelt und von den Geheimdiensten bespitzelt und drangsaliert. Antifaschismus — ein in den Augen der Regierung immer noch zu missbilligender Umstand. Zwar steht kein Verbot der Verfolgtenorganisation mehr auf der Tagesordnung wie in den 50er Jahren, als dies nur aufgrund heftiger internationaler Proteste verhindert werden konnte — dennoch werden immer noch antifaschistische Aktionen als kriminell verfolgt, während Faschisten z. Bsp. in Mittenwald weiter ihren Aktivitäten unter dem Schutz des Staates und unter Beteiligung der Bundeswehr nachgehen können. Und während ungehindert Verbrechen gefeiert werden, verweigert Deutschland Opfern des Faschismus wie in Distomo bis heute eine Entschädigung.

Zum Tag der Befreiung am 8. Mai servieren wir deshalb mal einfach nur was Musikalisches. Den Arbetlose-Marsch von Mordechaj Gebirtig (Komposition von Julius Hofmann) — interpretiert von Banda Bassotti.

Der in der Jüdischen Sozialdemokratischen Partei (in Galicja) organisierte Mordechaj Gebirtig schrieb seine Lieder, die das Leben der Menschen in seiner Umgebung widerspiegelten, auf jiddisch. Er wurde 1942 in Krakau von deutschen Soldaten erschossen, der Sozialist Julius Hofmann, der viele seiner Lieder vertonte, im Vernichtungslager Auschwitz ermordet.
Die Lieder von Gebirtig waren im Alltag des Getto und im Widerstand gegen den Faschismus nicht mehr wegzudenken und mit dem bekannten Lied: „Undser schtetl brent“ rief er zum Widerstand auf.

ama la musica – odia il fascismo [Liebe die Musik – Hasse den Faschismus]