Tag-Archiv für 'röstbrot'

Grandios zu verspeisende mittels geschmeidig sich anschließendem Olivenöle versehene Salzmakrelen (frische junge Wildkräuter wären ja eigentlich überaus passend)

Mit dem aus Griechenland mitgebrachten Olivenöl waren auch Salzmakrelen im Gepäck, also in Salzlake eingelegte Exemplare, die mitnichten geräuchert oder mit Zucker versehen waren wie es im hohen Norden des Öfteren üblich ist.

Umschlossen von leichter Flüssigkeit erweist eine Lagerung im Kühleren sich als optimal, durch das Salz verdirbt es eh nicht so schnell. Zubereitung dann ganz einfach, über Nacht wässern und dann ist es eigentlich auch schon schnittfertig, nicht zu fest und mit Esswerkzeug gut zerteilbar, dazu einen kleinen Schwubs bestes Olivenöl und Röstbrot und eine köstliche kleine Mahlzeit gerne auch mit Alkoholica ;-) breitet ihre Geschmacksaromen aus.

eingelegte makrele in verpackung
Verpackungstechnisch noch ausbaubar — eingelegte Salzmakrele

Zitrone wäre hier fehl am Platze, aber so ein bisschen kleines erstes zartes Wildkräutergrün mit feinem Essig würde sich auch ganz hübsch machen als Minisalatbeilage, so rein optisch schon, aber fiese frühaufstehende Mitmenschen haben das vereitelt ;-)

Das hier verwendete Olivenöl wird langsam immer besser im Geschmack, die Schärfe geht zurück und mit dem salzigen Einschlag des Fisches ist es überaus passend harmonischer Natur während es sich um die zarten Markrelenstückchen schmiegt :-)

Aus Interesse neulich das Magazin Slow Food, des gleichnahmigen Klübchens erstanden, weil es da um Öle gehen sollte, auf immerhin 28 Seiten wird zum Thema neben dem allgemeinen Blabla von den zugeschrieben Urkräften, Bedeutung für religiöse Zwecke und ähnliches einiges geboten:

Sollte allerdings fundierte und ausgewogene Berichterstattung erwartet werden, darf nicht zuviel des Guten erhofft werden. Vorzugsweise kommen mit dem Klub involvierte Personen und Firmen zum Zuge — es ist zumindest nicht schädlich FörderIn der Organisation zu sein, um Erwähnung zu finden.

ΣΚΟΥΜΠΡΙ
ΣΚΟΥΜΠΡΙ

Angetragene Tipps eines Olivenölhändlers: „bei leicht geöffneten Lippen atmen wir zunächst langsam und dann stärker ein“ oder „der Mund ist geschlossen und wir achten darauf, dass sich das Öl gut im Mundraum verteilt hat, dabei können wir immer wieder leicht durch die Nase ein- und ausatmen“, um den Geschmack des Öles bei einer Verkostung wahrzunehmen ist ehrlich gesagt nichts als esoterischer Verkaufsschnickschnack.

Das kommt zwar dem Gestus der gehobenen WeinprobentrinkerInnen entgegen, aber eigentlich mitnichten der aromatischen Gefälligkeit des Olivenöles — das wird doch nicht pur verkonsumiert, sondern mit Lebensmitteln genossen und in jeder anderen Zusammenstellung (Gemüse, Brot etc.) wirkt es doch anders auf die sicherlich geschmacksempfindlichen Nerven ;-) ein.

bestes olivenoel gehoert zu fisch
Bestes Olivenöl erweist dem Fische die besondere Gefälligkeit ;-)

Gerne wird auch Wert auf Titel und Renommée gelegt: Das Interview mit Professor Claudio Peri, einem Lebensmitteltechniker, beispielsweise spricht einige interessante Aspekte an, allerdings ist Peri nicht wie suggeriert Lehrstuhlinhaber an der Universität von Mailand, die ebenfalls angegebene Universität von Pollenzo ist nichts weiter als eine Ausbildungsstätte für den gehobenen Gastronomiesektor, zudem verwoben mit Slow Food. Sehr suspekt ist seine Aussage, dass Olivenöl von neuen BäuerInnen zu bevorzugen sei, angeblich weil da mehr Wert auf Genauigkeit gelegt würde.

Das allerdings ist mehr als zweifelhaft, warum sollten alte Anbaubetriebe, die zudem über mehr Erfahrung verfügen, schlechtere Qualität liefern? Zudem können sie auf einen alten Bestand an Olivenbäumen zurückgreifen (und Olivenbäume brauchen lange bis sie ausreichende Erträge liefern können).

Es sind diese merkwürdigen Qualitätskriterien, die aufhorchen lassen, die in dem schon bei uns verlinkten Artikel angesprochenen Aussagen eines hofierten „Experten“ zum Thema Olivenöl, dem Chemiedirektor Dr. Christian Gertz, dessen „Hobby“ angeblich Olivenöl sei, ist gleich eine vollkommen misslungene Desavouierung von Bio-Olivenöl gelungen.

slowfoodmagazin zum thema oel
Slow Food 2/2011 — Magazin des Slow Food Deutschland e.V. zum Thema Öl

Laut dem Artikel im Magazin (S. 36) soll er die Aussage getroffen haben, dass „Pestizide oder chemische Dünger (.) im konventionellen Olivenanbau nicht zum Einsatz“ kämen, „sodass es kaum einen Unterschied gäbe“ zum Bioöl; „Einen höheren Preis für Bio-Olivenöl auszugeben, hält Gertz für `rausgeschmissenes Geld´, so die unwidersprochen und unrecherchiert wiedergegebene Aussage.

Der Mann, der laut Magazin als Experte „an fünf Untersuchungen von Stiftung Warentest teilgenommen hat“, weist allerdings so eine dermaßene Unkenntnis auf, wenn denn die Wiedergabe der Äußerungen stimmt, dass wirklich ernsthaft in Frage zu stellen wäre, ob der Mann jemals einen Olivenbaum überhaupt von nahem gesehen hat (wie auch Bolli bei genussbereit schon gefragt hatte).

Olivenbäume werden im konventionellen Anbau oftmals sehr wohl gespritzt, einmal zur Olivenblüte und dann bei Reife, um die Beschädigung durch die Olivenfliege zu verhindern. Dazu kommen die benachbarten Felder, die ebenfalls eine Belastung herbeiführen. Von den sonstigen Belastungen des Bodens ganz zu schweigen.

JedeR, die/der von Olivenanbau auch nur ein wenig Ahnung hat weiß von diesen Umständen. Wie viel Wert sind also Analysen von Personen, die durch Unkenntnis glänzen, die auch noch die Chuzpe haben derart Propaganda gegen den Bioanbau zu betreiben und die von Slow Food auch noch kritiklos unterstützt werden?

Wo bleibt der kritische Geist des die konventionellen Anbaumethoden als überholt darstellenden Vereins? Nichts ist zu ersehen, ein reines KonsumentInnenblatt fernab von ökologischer Verantwortung, elitär auf Titel und Publikum setzend, nicht relevant sogar im nutzbaren Sinne.

salzmakrele mit griechischem bioolivenoel zu roestbrot
Geröstetes Brot erweist optimal die Aufwartung — frische Kräuter waren unauffällig abwesend

Versuche auf der Seite der Organisation einen Link zur Satzung zu finden scheitern — stattdessen haufenweise FörderInnenseiten. Per google-Suche immerhin ein Treffer zu einer Satzung (ob nun aktuell ist nicht ersichtlich) mit vorgeblich ökologischem Anspruch:

Der Satzungszweck wird erreicht insbesondere durch Aufklärung und in Form von Veranstaltungen, Seminaren usw., wobei folgendes Gedankengut verbreitet wird: Erhaltung und Entwicklung geschmacklich hochwertiger Erzeugnisse, die mit ökologisch sinnvollen Methoden hergestellt werden (§2 Nr. 2)

Allerdings scheinen die Probleme auch altbekannt zu sein, die Aberkennung der Gemeinnützigkeit des Vereins wurde übrigens bei schneckentisch diskutiert.