Des Torrones Zier vervollständigend zu fabrizieren ist mitunter dem immer wieder aufkommenden Ausbruch einer auf Grund anhaltender Rührunlustigkeit ein Stückerl zu wenig fest gewordenen süßen Masse geschuldet und macht sich arbeitsaufwändig aber eigentlich im Verhältnis als gar lustig daherkommende Flickschusterei köstlichster Art bemerkbar (2-Jahres-Vorrats-Produktion)

torrone mit scchokolade
Torrone mit leichter schokoladenhafter Bodenstützung (und kleinerer Dellen)

Aaah, Torrone, die richtige natürlich, die Sonne Italiens, Spaniens oder wie auch immer auf den Tisch, nicht die mit Zucker in elegante Kartons gepresste Masse, die Honig nur als unerwünschte Zutat im Konsumgeschäft ansieht.
Honig — in echte Torrone muss Honig rein, sonst schmeckt sie nicht richtig. Die Fertigung dauert laaaaange, laaaaange Zeit, zumindest wenn sich nicht einer dieser praktischen automatischen Kupferrührkessel im Haushalt befindet.

geroestete mandeln mit schale
Frisch geröstete Mandeln in bröseliger Schale sind noch handfreundlich beitragend zur guten Süßspeise

Zum letzten Mal gefertigt vor zwei Jahren, Torrone-Rezept hier, war die Ausprobierung überaus gelungen, ein feiner Duft verwöhnt das kostenlose Fitnessprogramm für die Arme und die sehnsuchtsvolle Ausharrung auf das phänomenale Ergebnis belohnt die Wartenden dann ja auch eifrig ;-)

Diesmal sollte sich der Aufwand so richtig lohnen, gleiches Rezept aber doppelte Menge bei gleicher Rührerei — Hurra! Besuch geladen, Kochlöffel in die Hand gedrückt und los ging es:

mandeltuete
Notration bereits geschälter Mandeln

Frische geröstete Mandeln aus diesjähriger Ernte, deren Schale sich schön bröslig entfernen ließen waren mitgebracht worden und zur Sicherheit für den Fall ungenügender Geschmacksfeinheit auch gleich noch welche ohne die harte Außenschale.
Dann kurz ab in das bereitstehende brodelnde Wasser für eine Minute und dann raus damit und ganz leicht die Schale abrubbeln (Tipp: Nicht den Topf für das noch anstehende Wasserbad benutzen, die braune Farbe prägt sich förmlich ein und erfordert erhöhten Putzaufwand).

Dann ein Kilo wunderbar duftenden Orangenblütenhonig im Wasserbad fast schonend erhitzt ;-) und nach schon mal einstimmender reduzierender Tätigkeit dann auch noch 400 ml mit etwas Wasser eingekochte Zuckermasse hinzugegeben und gerührt und gerührt, derweil die Kräfte aufgesplittet und die vergessene doppelte Menge an gesunden Bio-Eiern rasch geordert.

torrone tiefgekuehlt
Eisgekühlte Torrone verformt sich ein klein wenig — dafür splittert es besser

Sodann das Eiweiß von 8 Eiern schaumig-fest geschlagen und mit hinzu, eine weißliche Färbung weiß hier den dunklen Honigton ein wenig als mehr zu verdrängen und dann heißt es wirklich mehrere Stunden sanft das Wasser rauszurühren.
Die Gierigkeit in Bezug auf die Menge zeigt hier aber auch die Grenzen der vorhandenen Gerätschaften, war die Rührschüssel im großen Kochtopf beim letzten Mal noch perfekt, so ist nun die Torronerohmasse, der weiße Nougat Italiens, im oberen Bereich torronewasserbadvorrichtung samt ruehrschuesselnicht ständig unter der Wasserlinie, alleine auf die Hitzetransportfähigkeit des Edelstahls angewiesen, was jetzt zu erhöhter Vorsicht führen muss, um ein Anbrennen zu verhindern.

Irgendwie war die Menge dann auch etwas zuviel, denn es dauerte mindestens gefühlte zwanzig Stunden länger mit der Armtätigkeit während die schicke kulinaria-katastrophalia-Küche sich allmählich in eine duftende Sauna verwandelte.

Irgendwann mitten in der Nacht beschlossen, dass es reichen müsste und ab mit der schon festen Masse, die noch rasch um die Mandeln ergänzt wurde auf das Backpapier, das dummerweise nicht glatt war, sondern ein mehr oder minder einprägsames Wabenmuster aufwies (wenn die Torrone also nicht mit Schokolade oder was auch immer überzogen werden soll darauf achten).

torronenunterseitenwabenmuster
Glatte Marmorplatte stand nicht zur Verfügung — das Wabenmuster hat aber zumindest Waffelanleihen ;-)

Am nächsten Morgen dann die Einsicht, dass ein wenig länger Rühren (bestimmt nur 15 Minuten!) auch nicht die schlechteste Tätigkeit gewesen wäre, die Torrone erwies sich als noch einen kleinen Tick zu zergehend, was sich auch auf die Höhe der ausgeschütteten Masse auswirkte, also einfach das Backpapier umgeklappt und wieder eine akzeptable Form erreicht :-)

Dann heißt es warten, mit zunehmender Erwärmung der Küche zeigte sich aber auch, dass ein gewisses Zergehen nicht aufzuhalten war, Aaarrrghhh! Verfluchte Sache, also kurz für ein paar Minuten ab in das Tiefkühlgerät, endlich fester, vielleicht sogar ein bissl zu fest, es splitterte schon, also noch mal warten bis es wieder weicher wurde.

Unter von stöhnenden Klagen getragenen Kraftaufwand den Fladen in mehr oder minder ansehnliche Stücke zerteilt, derweil eingesehen, dass diese wieder kurz tiefgekühlt werden müssen bevor sie gar nicht mehr abgehen von der Unterlage.

schokoladiges gewusel auf torrone
Die Verzierkunst geht trendig einher mit den Fließeigenschaften der Couvertüre :D

Dann in die Massenproduktion eingestiegen, Couvertüre-Zeugs im Wasserbad erhitzt und rasch mit einem Löffel aufgetragen, an kühlem Orte trocknen lassen und die sich wieder klebriger werdenden Stücke abgezogen und die Rückseite ebenfalls versorgt. Profis verwenden natürlich irgendwelche Roste, Gitter oder so Schnickschnack, haben wir aber nicht, muss auch so gehen.

Allerdings zeigte sich alsbald die Schwäche gewisser schokoladenüberzogener Regionen, die Torrone quillte langsam aber sicher aus kleinsten dafür aber wenigen Stellen heraus, ähnlich Basaltprismen, also Flickschusterei ist angesagt, wiederholtes Auftragen der Deckmasse, eine Sisyphusarbeit, bei einigen Stücken von Erfolg gekrönt, bei andern…. na ja.
Nach ein paar Tagen aber schon Fortschritte zu ersehen, die Vulkantätigkeit reduziert sich, die Masse härtet langsam aber sicher aus.

torrone flickschusterei
Schicklich geflickte Torrone

Die noch weiche Torrone belohnt aber umso mehr, auf der Zunge zergehend und fast gar nicht an den Zähnen klebend ;-) erweist sich das Resultat mit seinen duftenden Aromen nach Orange und Vanille (das Zuckergefäß enthielt noch eine ausgekratzte Vanillestange!) als geradezu prädestiniert sich in wolligste Träume zurückzuziehen.
Ja – genau so muss Torrone nach sich doch überaus lohnender Arbeit schmecken. :-)

Die Berichte über die Erkundung der härteren Konsistenz dann nach guter reiferer Lagerung ;-)



Und weil Torroni so schön süßlich sind, muss dazu natürlich noch die entsprechende schmalzige Musik gespielt werden: Guantanamera passend interpretiert von der italienischen Band Banda Bassotti und Lou Watts (Chumbawamba). Das Lied übrigens geht auf einen Gedichtband von José Martí, den kubanischen Nationalschriftsteller und Unabhängigkeitskämpfer, zurück, und wurde von Fernández Díaz vertont und wiederum mit dem Folk-Sänger Pete Seeger („Sag mir, wo die Blumen sind“) ab Ende der 60er in sozialen Bewegungen bekannter.


10 Antworten auf “Des Torrones Zier vervollständigend zu fabrizieren ist mitunter dem immer wieder aufkommenden Ausbruch einer auf Grund anhaltender Rührunlustigkeit ein Stückerl zu wenig fest gewordenen süßen Masse geschuldet und macht sich arbeitsaufwändig aber eigentlich im Verhältnis als gar lustig daherkommende Flickschusterei köstlichster Art bemerkbar (2-Jahres-Vorrats-Produktion)”


  1. Gravatar Icon 1 Bolliskitchen 17. November 2010 um 7:14 Uhr

    ich liebe Torrone und es würde bei mir auch nicht 2 Jahre halten…

    Tomaten waren aber zufälligerweise keine drin, oder??…..

  2. Gravatar Icon 2 sammelhamster 17. November 2010 um 8:05 Uhr

    Wieso hält das bei euch zwei Jahre lang :-w ?
    Ich könnte helfen :d

  3. Gravatar Icon 3 kulinariakatastrophalia 17. November 2010 um 17:22 Uhr

    @Bolli
    …und Gurken! :d

    @sammelhamster
    Das muss zwei Jahre halten, weil sonst ein Zuckerschock eintritt. Torrone selber herstellen erfordert zudem auch noch eine angemessene Ruhepause #:-s

  4. Gravatar Icon 4 lamiacucina 17. November 2010 um 18:05 Uhr

    In Italien verkaufen sie das als Torrone morbido. So muss er sein.

  5. Gravatar Icon 5 Kormoranflug 17. November 2010 um 20:27 Uhr

    Ach, ich würde gerne ein Stück kosten, die Torrone sehen toll aus.

  6. Gravatar Icon 6 kulinariakatastrophalia 18. November 2010 um 0:58 Uhr

    @lamiacucina
    Wir wollten aber eigentlich eher wie beim letzten Male eine festere Variante erschaffen ;-) Aber so ist es mit Naturprodukten — die wollen nicht so wie sie sollen :-?

    @Kormoranflug
    Das ist nur das schönste Exemplar :d

  7. Gravatar Icon 7 Bolliskitchen 18. November 2010 um 7:27 Uhr

    bloss nicht shcicken, ich esse die sonst in 10 Minuten…..

    Besser die Tomaten und GUrken schicken…..

  8. Gravatar Icon 8 Barbara 16. Dezember 2010 um 20:45 Uhr

    ^:)^

    Alle Achtung! Wenn ich mal viel Zeit habe, probiere ich das aus. Ich liebe Torrone. Wir haben gerade eine Packung gekauft, die war erstens nicht so lecker wie Eure und zweitens an 2 Abenden weg. Das Rezept merke ich mir jetzt mal (also, ab in den Computer).

  9. Gravatar Icon 9 kulinariakatastrophalia 20. Dezember 2010 um 2:52 Uhr

    @Barbara
    Die gekaufte Torrone besteht inzwischen fast nur noch aus Zucker — und das wirkt sich nun mal nicht unbedingt positiv auf den Geschmack aus l-)

  1. 1 Katastrophales Fresspaket :o) « Mestolo Pingback am 29. November 2010 um 10:38 Uhr
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