8. Mai — Tag der Befreiung

In Zeiten der deutschen Beteiligung an Kriegseinsätzen, die der Aufrechterhaltung des freien Zugangs zu Rohstoffen dient, wie es einst ganz unverhohlen in den „Verteidigungspolitischen Richtlinien“ der Bundesregierung zu lesen war, gewinnt die Mahnung des 8. Mai wieder an Aktualität.

Während der durch erfolgreiche Blockaden schon im Ansatz gescheiterte Aufmarsch der Faschisten in Berlin weiterhin im Gespräch ist, weil Bundestagsvizepräsident Thierse das Richtige tat und sich den Nazis in den Weg stellte, werden antimilitaristische Demonstrationen verboten, weil sie das Ansehen der Armee schädigen würden.

partisaninnen griechenland
Griechische Partisaninnen

Auch die Bennung der Kasernen nach Kriegsverbrechern und das Absingen von Liedern, in denen der Einmarsch der faschistischen Wehrmacht in Griechenland gelobt wird, ist elementarer Bestandteil der bundesdeutschen Geschichte, die gerne verdrängt wird. Die, die Opfer dieser Verbrechen wurden, werden als Verfassungsfeinde beschimpft, Entschädigungen für das erlittene Unrecht werden ihnen vorenthalten.


Befreiungslied der griechischen PartisanInnen der ELAS aus den 40er Jahren

In Griechenland wütete der Faschismus ebenso wie in den anderen überfallenen Ländern, ganze Dorfbevölkerungen wurden niedergemetzelt, Jüdinnen und Juden deportiert und wie zum Hohn die Goldreserven des griechischen Staates als Zwangskredit geraubt, die Rückzahlung bis heute verweigert wie auch hier die Entschädigungen für die Opfer.

Aber ebenso gelang es auch eine Widerstandsbewegung, die Nationale Befreiungsfront, die EAM aufzubauen, die mit ihren PartisanInnen-Einheiten der ELAS (Griechische Volksbefreiungsarmee) mit hundertausenden Mitgliedern, darunter ein sehr hoher Anteil von Frauen, die bei Ergreifung mit „Sonderbehandlung“ zu rechnen hatten, der Wehrmacht empfindliche Schläge versetzten. Zahlreiche deutsche Soldaten liefen zu den PartisanInnen über (darunter der renommierte Staatsrechtler Abendroth, der später in der BRD aufgrund seiner antifaschistischen Haltung statt als Rechtswissenschaftler nur als Politik-Professer arbeiten konnte und die Marburger Schule begründete).

wer nicht feiert hat verloren 9 mai
Wer nicht feiert hat verloren und jugoslawische Partisanen

Nicht zu verwechseln ist die ELAS mit einer „linken“ Terrorgruppe fast gleichen Namens (ELA bzw. 17.November), die bzw. ihre Vorgängerin v.a. in den 80er Jahren zahlreiche Morde und Anschläge insbesondere auch auf antifaschistische Politiker und Gewerkschaftsführer beging. Jahrzehntelang konnte die Gruppe angeblich nicht gefasst werden.
In Griechenland ist es ein offenes Geheimnis, dass die nie richtig aus Polizei und Geheimdienst entfernten faschistischen Kräfte die Hintermänner waren; erst als die Drohung im Raum stand, dass die USA sich nicht an den Olympischen Spielen beteiligen würden, wenn die Sicherheitslage sich nicht ändere, wurde wie durch ein Wunder ein Teil der Gruppe enttarnt und verhaftet.
Die UnterstützerInnen dieser Terrorgruppe speisen sich aus den gleichen Kreisen, die auch für die drei Toten von Athen verantwortlich sind. Das Hineinwerfen von Brandsätzen in Häuser wurde zuvor schon erfolgreich von den als Anarchisten titulierten Gruppen bei Büros der Kommunistischen Partei erprobt, Tote ebenfalls miteinkalkuliert.

wer_nicht_feiert

Die EAM und die ELAS machten nach der Befreiung vom Faschismus den Fehler, ihre Waffen abzugeben. Von Großbritannien unterstützte rechte Kreise begannen eine blutige Säuberung, die britische Armee marschierte mit Kampfverbänden auf, kollaborierte auch mit den griechischen Faschisten, um eine Republik zu verhindern und die Monarchie zu restaurieren.
Infolgedessen kam es zum sogenannten griechischen Bürgerkrieg, der zwar zuerst für die demokratischen Kräfte in weiten Teilen des Landes gewonnen werden konnte, auf Grund fehlender Unterstützung durch Jugoslawien, Bulgarien und die Sowjetunion aber bald scheiterte.

Jahre der Verfolgung, Einkerkerungen, Folter und Todesurteile für Tausende, später dann scheindemokratische Verhältnisse und eine offene faschistische Diktatur, die erst 1974 gestürzt werden konnte, waren die „Erfolge“, die Großbritannien und die USA mit allen Mitteln (u.a. Napalm-Einsatz) unterstützten. Kriegsführung für wirtschaftliche und geopolitische Strategien (Nato-Mitgliedschaft) — womit wir wieder am Anfang des Blogeintrages gelandet wären.


4 Antworten auf “8. Mai — Tag der Befreiung”


  1. Gravatar Icon 1 Kormoranflug 10. Mai 2010 um 17:22 Uhr

    Diese Partisaninnen sehen fesch aus.

  2. Gravatar Icon 2 tobias kocht! 16. Mai 2010 um 10:20 Uhr

    Danke für den Ausflug in die griechische Geschichte.

  3. Gravatar Icon 3 ilse aus Minga 16. Juni 2010 um 22:00 Uhr

    bravo und danke für diesen Beitrag!!

  1. 1 8. Mai — Tag der Befreiung « kulinaria katastrophalia Pingback am 08. Mai 2011 um 15:56 Uhr
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