Archiv für Mai 2010

Gedünstete Mohnblätter mit wilden Fenchelspitzen zu versüßen ist mitunter von Gelingen getragen bei Verwendung kleinster Mengen geernteter Löwenzahnwegerich-Blätter — und selbstredend Olivenöl und Schalotte und Frühlingszwiebel (alles kleingeschnippelt, außer dem Mohnblatt)

geduenstete mohnblaetter mit loewenzahnwegerich zwiebeln und wildfenchel
In Olivenöl gedünstete Kräuter sind unschlagbar

Eines der typischen griechischen Speisenrezepte bedient sich der überall in Scharen blühenden Blätter des Mohn, die Blätter werden meist mit anderen Kräutern wie wilden Fenchel gedünstet, mitunter aber auch gerne als Salat verkonsumiert, die Blüten können übrigens auch gegessen werden.
Und, der Frühling bringt die ersten Fenchelspitzen hervor, da darf das doch auch mal ausprobiert werden. Diesmal hatten wir eine Wildfenchelsorte, die etwas gröbere Blätter hat.

mohnblaetter
Mohnblätter sind einfach zu kultivieren

Dazu einfach noch auf die Suche gehen und noch ein paar Löwenzahnwegerichblätter hinzu (die heißen jetzt nicht so, sehen aber ähnlich aus), die Lauchzwiebeln sind frisch aus dem Erdboden gezerrt und schenkungshalber in die Hand gedrückt worden.

lauchzwiebelwurzeln
Nur echt mit ausreichend Erde

Die Zubereitung ist dann ganz einfach: Zur Unterstützung der geschmacklichen Breite werden einfach noch ein paar Schalotten in formschöne Achtel oder so ähnlich geschnippelt, die größeren wilden Fenchelstiele werden etwas kleiner geschnitten, die Spitzen dürfen gerne ein paar Zentimeter groß bleiben, die Lauchzwiebeln ereilt das gleiche Schicksal und die Mohnblätter und die kleineren Wegerich-Blätter dürfen so bleiben, die zerfallen beim Kochen schließlich schon genug, das Mohnblatt vor allem, das Wegerichblatt bleibt akkurat essbar.

schalotten geschnippelt
Schalottensechstel gehen auch

Ordentlich allerbestes Olivenöl in einem Topf erhitzen, Zwiebeln und kleingehackte Dillstiele rein und herumrühren, den Rest an Blätter und filigranen Fenchelspitzen gleich danach, eifrig rühren und Pfeffern, Salzen dann noch zum Ende und nach ein paar Minuten ist eine leckere Speise auftischbar.

wilder fenchel grobblätterig
Wilder Fenchel weiß wie immer nur zu entzücken

Schmeckt sehr lecker frisch nach Sommer, die Mohnblätter sind etwas bitterer, aber eher in die dezente Richtung und werden durch den süßen Geschmack der Schalotten und Fenchelblätter gut aufgefangen während das gute Bio-Olivenöl die perfekte Grundlage bietet. Dazu am besten frisches Brot samt eingetunkten Olivenöl essen und der Tag ist gerettet.

mohnblaetter loewenzahnwegerich
Da ganz links sind Löwenzahnwegerichblätter zu sehen

Außerdem entdeckt: ein neuer veganer Rezepte-Blog auf blogsport und — so langsam wird es unheimlich — ein neuer Kochgruppentreff aus Hamburg, da tummeln sich doch sowieso schon so viele rum.

Bilder von Quark und Fernreisenboutique — maßvoller Umgang mit sich im Aufbruch befindlicher Auftischung

pellkartoffel aufgebrochen an quark
Klassisches Fernwehreisenessen

Schon wieder so eine lange Blogabwesenheit und dafür auch etwas angebräunt und mit Bildmaterial aus Landen in denen ein Ä noch was besonderes ist, das entschädigt ;-)

Der Genuss von Quark ist ja bekanntlich nicht allerorten im Bereich des Möglichen bzw. das, was als solches präsentiert wird, ist nicht das nach dem es schmecken sollte, was nun für lange abstinent gebliebene Besuchsperson nun zur Vervollkommnung des schon fast vergessenen Geschmackes führte indem das Manko der Einfachheit halber einfach mal hurtig angegangen wurde.
Flugs ein paar Kräuter samt Joghurt (der hält bekanntlich ewig im Kühlschrank) und Quark samt Olivenöl angerührt, dazu Pellkartoffeln und mit wildem Fenchel angebratene Schinkenwürfelchen. Später Eintrudelnde hatten ob des fürsorglich maßvollen Umgangs mit den Vorräten auch noch was (mit dem Rest gibt es Bratkartoffeln — ganz klassisch).

hansel und gretel
Hansel und Gretel — die Häxe war schon da

8. Mai — Tag der Befreiung

In Zeiten der deutschen Beteiligung an Kriegseinsätzen, die der Aufrechterhaltung des freien Zugangs zu Rohstoffen dient, wie es einst ganz unverhohlen in den „Verteidigungspolitischen Richtlinien“ der Bundesregierung zu lesen war, gewinnt die Mahnung des 8. Mai wieder an Aktualität.

Während der durch erfolgreiche Blockaden schon im Ansatz gescheiterte Aufmarsch der Faschisten in Berlin weiterhin im Gespräch ist, weil Bundestagsvizepräsident Thierse das Richtige tat und sich den Nazis in den Weg stellte, werden antimilitaristische Demonstrationen verboten, weil sie das Ansehen der Armee schädigen würden.

partisaninnen griechenland
Griechische Partisaninnen

Auch die Bennung der Kasernen nach Kriegsverbrechern und das Absingen von Liedern, in denen der Einmarsch der faschistischen Wehrmacht in Griechenland gelobt wird, ist elementarer Bestandteil der bundesdeutschen Geschichte, die gerne verdrängt wird. Die, die Opfer dieser Verbrechen wurden, werden als Verfassungsfeinde beschimpft, Entschädigungen für das erlittene Unrecht werden ihnen vorenthalten.


Befreiungslied der griechischen PartisanInnen der ELAS aus den 40er Jahren

In Griechenland wütete der Faschismus ebenso wie in den anderen überfallenen Ländern, ganze Dorfbevölkerungen wurden niedergemetzelt, Jüdinnen und Juden deportiert und wie zum Hohn die Goldreserven des griechischen Staates als Zwangskredit geraubt, die Rückzahlung bis heute verweigert wie auch hier die Entschädigungen für die Opfer.

Aber ebenso gelang es auch eine Widerstandsbewegung, die Nationale Befreiungsfront, die EAM aufzubauen, die mit ihren PartisanInnen-Einheiten der ELAS (Griechische Volksbefreiungsarmee) mit hundertausenden Mitgliedern, darunter ein sehr hoher Anteil von Frauen, die bei Ergreifung mit „Sonderbehandlung“ zu rechnen hatten, der Wehrmacht empfindliche Schläge versetzten. Zahlreiche deutsche Soldaten liefen zu den PartisanInnen über (darunter der renommierte Staatsrechtler Abendroth, der später in der BRD aufgrund seiner antifaschistischen Haltung statt als Rechtswissenschaftler nur als Politik-Professer arbeiten konnte und die Marburger Schule begründete).

wer nicht feiert hat verloren 9 mai
Wer nicht feiert hat verloren und jugoslawische Partisanen

Nicht zu verwechseln ist die ELAS mit einer „linken“ Terrorgruppe fast gleichen Namens (ELA bzw. 17.November), die bzw. ihre Vorgängerin v.a. in den 80er Jahren zahlreiche Morde und Anschläge insbesondere auch auf antifaschistische Politiker und Gewerkschaftsführer beging. Jahrzehntelang konnte die Gruppe angeblich nicht gefasst werden.
In Griechenland ist es ein offenes Geheimnis, dass die nie richtig aus Polizei und Geheimdienst entfernten faschistischen Kräfte die Hintermänner waren; erst als die Drohung im Raum stand, dass die USA sich nicht an den Olympischen Spielen beteiligen würden, wenn die Sicherheitslage sich nicht ändere, wurde wie durch ein Wunder ein Teil der Gruppe enttarnt und verhaftet.
Die UnterstützerInnen dieser Terrorgruppe speisen sich aus den gleichen Kreisen, die auch für die drei Toten von Athen verantwortlich sind. Das Hineinwerfen von Brandsätzen in Häuser wurde zuvor schon erfolgreich von den als Anarchisten titulierten Gruppen bei Büros der Kommunistischen Partei erprobt, Tote ebenfalls miteinkalkuliert.

wer_nicht_feiert

Die EAM und die ELAS machten nach der Befreiung vom Faschismus den Fehler, ihre Waffen abzugeben. Von Großbritannien unterstützte rechte Kreise begannen eine blutige Säuberung, die britische Armee marschierte mit Kampfverbänden auf, kollaborierte auch mit den griechischen Faschisten, um eine Republik zu verhindern und die Monarchie zu restaurieren.
Infolgedessen kam es zum sogenannten griechischen Bürgerkrieg, der zwar zuerst für die demokratischen Kräfte in weiten Teilen des Landes gewonnen werden konnte, auf Grund fehlender Unterstützung durch Jugoslawien, Bulgarien und die Sowjetunion aber bald scheiterte.

Jahre der Verfolgung, Einkerkerungen, Folter und Todesurteile für Tausende, später dann scheindemokratische Verhältnisse und eine offene faschistische Diktatur, die erst 1974 gestürzt werden konnte, waren die „Erfolge“, die Großbritannien und die USA mit allen Mitteln (u.a. Napalm-Einsatz) unterstützten. Kriegsführung für wirtschaftliche und geopolitische Strategien (Nato-Mitgliedschaft) — womit wir wieder am Anfang des Blogeintrages gelandet wären.

Die Hingabe an die Lagerhaltung auskostend, die Fischbärlauchwickel entwickelnd und dies auch noch durchdrungen von der Idee, den vorrätigen Schinken einbeziehend zu umwickelnder Formgebung in vorzügliche Gestaltung zu bringen (letztumrankt gescheitert und gegessen)

Der Sommer naht und es wird Zeit die vorhandenen Vorräte in diversen Tiefkühleinrichtungen einer genaueren Inspektion zu unterziehen, insbesondere die reichhaltigen Fischbestände sind bei solchen meist sehr kurzweiligen Erkundungen, hochgradig gefährdet — der Rest bleibt für späteren Forscherinnendrang konserviert.

heilbutt mit baerlauch und schinken tomaten und zuckerschoten
Fisch im Wickel ist nur halb gut

Eine letzte Packung Heilbutt durfte auftauen und die Erkundung von diversen lagernden vermutlich ebenfalls letzten Bärlauchbeständen müssten in Einklang zu bringen sein, bei Barbaras Spielwiese doch schon erfolgreich getestet, müssten auch hier hinzukriegen sein, die eigene Anregung doch auch noch Schinken herumzuwickeln in Angriff genommen und sodann mit großen Hallo die schon etwas weich zu werden drohenden dickeren Zuckererbsenschoten entdeckt, passt alles perfekt und die kleinen Tomaten dürfen auch dran glauben.

kleine tomaten mit salz szechuanpfeffer rigani pfeffer
Richtig – das ist eine Bärlauchblüte

Den Heilbutt in einer Olivenöl-Sonnenblumenöl-Mischung mit schwarzen Pfeffer durchmischt ganz kurz angebraten, um eine etwas festere Grundlage für die diversen vorgesehenen Umwicklungen zu haben, die Bärlauchblätter von den Stielen befreit (besser für das Wickeln) und sodann umschlungen, daraufhin dann die schon bei den Haferwickeln erprobte Schinkenumwicklung erprobt. Da nicht mehr soviel vorhanden war, zwar etwas lückenhaft, aber auch nicht minder erkennbar vom guten Willen getragen ;-)

Derweil die Zuckererbsenschoten im selben Öle angebraten, mit viel frisch vermahlenem schwarzen Pfeffer, etwas Salz und Rigani sowie frisch gemörserten Szechuanpfeffer versorgt; insbesondere letzteres Gewürz war eine gute Idee, dazu dann die Tomaten einfach mit viel Salz, Pfeffer, Rigani als Haube gebraten, zwischendurch Deckel drauf und vergessen, machte aber nichts, die Schoten machten sich noch gut.

baerlauch fisch wickel mit hauch schinken
Ein kleiner Hauch Restendumwicklung darf sein

Verwickelte Auflösungen bekämpfend dann den Übergang in die freigeschaufelte Pfanne geschafft und noch mal ganz kurz gebraten und schnell serviert, soll ja noch etwas warm sein ;-)

Der Schinken passte leider geschmacklich gar nicht, wurde rasch ausgewickelt und sodann lagen die Fisch-Bärlauch-Wickel hübsch verpackt auf dem Teller, ein Genuss, der zarte Heilbutt verträgt sich hervorragend mit dem ebensolchen Geschmack des Bärlauchs und ergänzt lecker den sich ebenfalls gut in aromatischen Lagen bewegenden Rest des Aufgetischten, der, wenn denn Weißbrot vorhanden gewesen wäre, gut ergänzt hätte werden können.

Es sollte öfters auf Erkundungstour gegangen werden ;-)

Lieblingsspeisung satt und de te fabula narratur als musikalischer Hinweis

wg lieblingsspeisung
Immer wieder gern

Da Wiederholungen mitunter wahnsinnig mundend sich zu präsentieren wünschen, war es mal wieder Zeit und so durfte die WG-Lieblingsspeisung kredenzt werden, zwar ohne die Nordseekrabben, aber dafür mit Blattpetersilie, und Wein und die pappige Nudelvariante (wird nicht mehr erworben) tat der der guten Laune keine Untat an und sowieso spielte den Abend im Dauerlauf eine neue musikalische Entdeckung, Bandista aus Istanbul mit einer schönen Mischung aus Ska, türkischen Klängen aus Bouzouki und Klarinette, Dub und Rumba und und und…

bandista de te fabula narratur
Neue Pressung samt Vorwortauszug

Die Band, die auch soziale Kämpfe musikalisch unterstützt, spielt auf gegen Nationalismus, türkische Militärs und überkommene Verhältnisse, ein mitreißender Mix, der live noch besser kommt, die haben einfach Spaß auf der Bühne, können süper-gut mit ihren Instrumenten umgehen, und zeigen das auch :-)


Bandista

Die Band tourt zur Zeit u.a. durch die BRD und Österreich (Termine auf den Websites) und ein Besuch ist angeraten ;-) Da die erste Auflage der Debüt-CD schnell ausverkauft war, können auf der Bandseite von Bandista Lieder runtergeladen werden, ansonsten freut sich die Kombo bestimmt auch über Käufe ihrer zusammen mit den Stücken ihrer neusten EP neu aufgelegten CD auf ihren Konzerten.

Ohne Kampf — kein Mampf!


Ein Video der australischen Industriegewerkschaft (ETU) — „What have the unions ever done for us?“

Am 1.Mai geht es raus auf die Straße. Das, was in Griechenland vorexerziert wird, die Kürzungen bei den Löhnen, im Sozialbereich, bei den Renten, den Studierendenunterstützungen wird bald in den anderen Ländern der EU — selbstverständlich mit Hinweis auf die Lage — ebenso losgehen, nur bei denen, die verantwortlich sind, wird die schützende Hand des Staates Sorge tragen für das Wohlergehen. Da heißt es rechtzeitig Stellung zu beziehen.

Und auch die Nazis wollen marschieren, in Berlin durch den Bezirk Pankow, der SPD-Linkspartei-Senat bringt sich in Stellung, seit Wochen hetzen die Medien gegen AntifaschistInnen, schreiben sich Krawalle, Terror und dergleichen herbei.
Der Innensenator (SPD), immerhin ein Jurist, meint Blockaden seien „Gewalt und damit eine Straftat“, diktiert das der sogenannten Berliner Qualitätspresse in die Druckfahne, wohlwissend das das Bundesverfassungsgericht schon vor etlichen Jahren deutlich gemacht hat, dass dies bei Blockaden eben nicht der Fall ist, denn wer sich hinsetzt übt per se keine Tätigkeit aus.

1 mai nazifrei
1. Mai – nazifrei

Die Berliner Zeitung, die jetzt auch die Frankfurter Rundschau mit Artikeln beliefert, hakt nicht nach, zu ergeben ist der Staatsjournalismus, als dass das Wort eines Senators angezweifelt würde.

Mit exellentem Nichtwissen wird preussisches Obrigkeitsdenken in die Artikel gepackt, über eine der zahlreichen Demos wird (vermutlich sogar wider besseren Wissens) geschrieben, dass sie noch nie außerhalb Kreuzbergs stattgefunden hätte, Recherche? Nicht nötig.

Genehmigt ist die Strecke noch nicht, hieß es bei der Polizei“ wird berichtet; zwar brauchen Demonstrationen in der BRD nicht genehmigt zu werden, sie sind grundsätzlich erlaubt nach Art. 8 des Grundgesetzes, aber wenn es die Polizei sagt, muss es stimmen.

Und weil Hetze so schön ist, titelt es sich auch gut mit „EXTREMISTEN Linksautonome machen’s wie die Taliban“. Wohlgesagt, das ist die Berichterstattung des um journalistische Sorgfalt bemühten DuMont-Schauberg-Verlagskonsortiums.

Der Innensenator ruft derweil auf, nicht an den Demonstrationen des DGB teilzunehmen, sondern stattdessen Tanzen zu gehen.

Die Freude werden wir ihm nicht machen — Heraus zum 1. Mai!