Internationaler Frauentag — 8. März — und kein bißchen symbolhaft Aufmerksamkeit erheischend

Via Vorspeisenplatte auf eine Diskussion im Blog Mädchenmannschaft gestoßen: Wie können sich (junge) Feministinnen gegenseitig erkennen.

Meist wird ja verhalten dem Unmut kundgetan, der sich mit dem Feminismus abholden weiblichen „Jugendlichen“ als einhergehend erweist, dass es schlimm sei, dass dieser ja nun von denjenigen, die sich in den Erfolgen partizipierend voran bewegen, so gar nicht gut ankommt.
Verständlich, dass da bisweilen hart gerungen wird, um in diesem Milieu sich der vermeintlich gleichen Zielrichtung Anhängigen, die gleichgesinnte Person herauszufinden.

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Feministinnen sind während der Kaffeezeit problemlos erkennbar

Interessant bei der nicht nur in diesem Zusammenhang und diversen Zusammenhängen geführten Diskussion, ob nun die bloße Umkehr, das Anderssein, die bessere Zielrichtung, das gegenderte Auftreten, idealerweise mit deutlich erhobenen Muskeln, die den dicken Packen neuester Literatur zum Thema herumschwenken oder einfach nur die Formulierung progressiver Forderungen das zeitgemäße Darstellungsvermögen bereichern könnten.
Roter Lippenstift als selbstbestimmte Außendarstellung innerer Selbstbewusstseinstendenz ist da nur das symbolhafte Stichwort.

Vollkommen überflüssig erweist sich die Fragestellung übrigens für diejenigen, die das machen, was vor Ihnen schon seit über 100 Jahren (jaja es jährt sich grad, deshalb ausnahmsweise mal ein paar Artikel mehr in der Presse) Millionen schon getan haben — ihren Mund aufmachen, sich einen Dreck darum scheren, was andere ihnen (auch an Kleidungsvorschriften) vorschreiben wollen, und aktiv zu werden und für Gleichberechtigung jenseits formaler Gleichheit zu kämpfen.

[Update: Ach ja, und weil gerne kämpferische Inhalte getilgt zu werden wünschen, gibt es heute Nachhilfeunterricht bürgerlicher Statur von Seiten der Emma-Chefredakteurin Alice Schwarzer (gleicher Text in der FR); dabei, scheinen nicht nur schon die nicht minder ereignisreichen 70er komplett verschlafen worden zu sein indem Aktionen und Forderungen der Frauenbewegung zum 8.März nicht wahrgenommen worden sind, sondern auch schon die Jahrzehnte davor.
Die Sorge geht offensichtlich um, dass mit den Jahrestagen wieder radikalere Systemfragen („sozialistische Erfindung“) gestellt werden. Das Heranziehen von den die eigentlichen Forderungen verdeckelnden Ost-Praktiken mündet dann zum 1. Mai vermutlich in der Parole nach Abschaffung des Kampftages, praktisch wäre das, schließlich bräuchte noch nicht mal der nicht vorhandene Blick auf die proletarische Frauenbewegung aufgegeben zu werden.

Zitat: „Woher kommt der eigentlich? Von der Frauenbewegung auf jeden Fall nicht. In den 1970er Jahren kannten wir keinen 8. März. Es muss so Anfang der 80er Jahre gewesen sein, als der auftauchte. Im Westen. Im Osten war er wohlbekannt.

Die Autorinnen der feministischen Zeitschrift Wir Frauen, die sich in der neuesten Ausgabe übrigens dem Thema „Mahlzeit“ widmen, können da sicher weiterhelfen, um Schwarzers Erinnerungslücken aufzufüllen.]


1 Antwort auf “Internationaler Frauentag — 8. März — und kein bißchen symbolhaft Aufmerksamkeit erheischend”


  1. 1 8. März – Internationaler Frauentag (MedienMedienMedien) « kulinaria katastrophalia Pingback am 08. März 2011 um 21:39 Uhr
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