Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag Kreisler! Frieden den Hütten — Krieg den Palästen!

Heut hat Georg Kreisler Geburtstag, den 87en — Herzlichen Glückwunsch! Eine Biographie mit verdorbenen Liedern gibt es auch in Restbeständen zu finden. Außerdem sind LETZTE LIEDER und Opern in Planung. Einfach mal auf der Homepage stöbern.

Der Satiriker und Kabarettist — der vielen eher durch die Punkband Die Kassierer bekannt ist, die seine Lieder coverten — hat mit seinem bissigen Humor bewiesen, dass Kabarett auch gern etwas mehr als den Lack abkratzen darf. Kreisler wurde 1922 in Wien geboren und floh wegen seiner jüdischen Herkunft aus Österreich in die USA.

Während des 2. Weltkrieges und während der Nürnberger Prozesse war als Übersetzer für die USA tätig. Engagements als Entertainer, u.a. Arbeit mit Chaplin in Hollywood waren weitere Stationen. Lieder komponieren sowieso (die erste Platte wurde eingemottet), Amerika war nicht reif für Kreisler, der in den 50ern nach Österreich zurückkehrte und mit Tauben im Park vergiften die Gemüter zu erhitzen wusste. Lebte fortan in Salzburg und Basel und erfreut hochaktuell noch immer.

Der Polizeipräsident hat den Gegner entlarvt, das hat Tradition in Berlin, sozialdemokratische Politik heißt seit dem 1. Weltkrieg schließlich Krieg nach Außen und Repression nach Innen befürworten und aktiv mitzugestalten.

Die Gegner sind die Linken, die es einfach nicht verstehen wollen, dass deutsche Soldaten im deutschen Protektorat Afghanistan und anderswo über alles herum maschieren eigentlich nur den Frieden sichern wollen, genauer die Freiheit, die schon zu seligen CDU-Regierungszeiten noch in den Verteidigungspolitischen Richtlinien für die Bundeswehr formuliert wurde: „Aufrechterhaltung des freien Welthandels und des ungehinderten Zugangs zu Märkten und Rohstoffen in aller Welt“

Die Militarisierung des öffentlichen Raumes bedarf gerade bei Soldaten, die in Zinksärgen zurückgeschafft werden einer medialen Unterstützung, die eilfertige JournalistInnen jederzeit bereit sind zu erbringen. Das Ziel der Gehirnwäsche für die ach so aufgeklärte Bevölkerung ist schließlich die Freiheit, da darf auch gerne mal Kriegspropaganda gemacht werden. Wir sind schließlich so frei.

Am 20. Juli wird nicht etwa der Hundertausenden KommunistInnen und SozialdemokratInnen, AnarchistInnen und PazifistInnen, BürgerInnen die Juden versteckten oder Deserteuren der faschistischen Wehrmacht gedacht, die sich wehrten, Widerstand auch ganz alltäglichen leisteten, nein der Kriegsverbrecher Stauffenberg ist das Idealbild, der das Ansehen Deutschlands retten soll, Geschichtsklitterung, die Reaktionäre wie Monarchisten vereint, die erst agierten als ersichtlich wurde, dass der Krieg verloren ist.
Die Bundeswehr nimmt ausdrücklich auf ihrer Internetseite Bezug dazu: Der Krieg von Hitler nur „angezettelt“ ist da zu lesen, Reinwaschung der Akteure, die Manuskripte verfassten in denen es heißt: “ Die vom Nationalsozialismus zunächst vertretenen Ideen seien größtenteils richtig gewesen, nach der Machtergreifung jedoch in ihr Gegenteil verkehrt worden“.

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Die Demo wurde teilweise verboten

Und da Deutschland wieder in aller Welt Krieg (neudeutsch: friedenssichernde Maßnahmen) führt und sich nun das holen will, was Kolonialzeit und letzte Weltkriege nicht in der Lage waren zu sichern, muss es öffentliche Gelöbnisse geben, mit der die Zustimmung der Bevölkerung versichert werden soll.

Nur die kann in Berlin so gar keinen Gefallen an dem Kriegsspektakel (das 1 Million Euro an Kosten verrschlingen wird) finden. Es werden 1015 SoldatInnen aufmarschieren ( incl. Musikkorps, Ehrenkompanie, FeldjägerInnen usw.), 400 Angehörige des Wachbataillons legen ihr Gelöbnis ab. Dazu an die 3000 „Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens“ sowie zahlreiche Ehrengäste. Ob die Witwen der letzten toten Soldaten geladen sind ist nicht bekannt.

Tausende von PolizistInnen werden also auch dieses Jahr dafür sorgen, dass Proteste dagegen auseinandergeprügelt werden. Zu Zeiten des Kaiserreichs und der Weimarer Republik fanden derartige Aufmärsche noch in den Kasernenmauern statt, erst in Zeiten der nationalsozialistischen Diktatur entsann man sich der öffentlichen patriotischen Bekundung.
Die Bundeswehr, die sich nicht nur durch Namenspatenschaften von Nazi-Kriegsverbrechern für ihre Kasernen, sondern auch durch positive Bezugnahme auf die faschistische Wehrmacht kundtat, tat sich dem gleich. Tradition verpflichtet schließlich.

kein frieden mit der nato

Und schon beginnt die mediale Hetze etwa gegen die Deutsche Friedensgesellschaft — Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen, die dereinst von Bertha von Suttner gegründet wurde. Gegen das Gelöbnis, gegen die kriegsführende Armee zu sein, heißt Verbrechen zu begehn scheuen sich die Verantwortlichen nicht zu verkünden. Da sind sie ganz traditionell. Unter dem Vorwurf mussten auch schon Kurt Tucholsky und Carl von Ossietzky leiden.

Der Berliner Innensenator Körting (SPD), der die Urheber als „Verbrecher“ bezeichnet: „Es ist Schwachsinn zu sagen, man sei gegen Krieg, und deshalb führe man Krieg“ (Kurier 03.07.2009).

Krieg dem Kriege! Guerre à la Guerre! War against War! Oorlog aan den Oorlog! war der Titel des antimilitaristischen Buches von Ernst Friedrich, es ist die einzige Antwort die die Kriegshetzer verstehen. Dass dies heutzutage wieder verboten ist, ist kaum verwunderlich.

armee abschaffen

Da wird allenthalben Zivilcourage eingefordert, aber wenn es gegen die Armee geht die das Morden zum Handwerk gemacht hat, ist die Grenze bei den Freiheitsverteidigern schnell erreicht.

Inzwischen hat das Verwaltungsgericht Berlin das Verbot einer Protestdemonstration bestätigt, allenfalls am Potsdamer Platz dürfe ein wenig protestiert werden. Eine Entscheidung, die erkennen lässt, dass auch deutsche Richter, wenn es um das Ansehen der Armee geht, Gewehr bei Fuß stehen und auf die Versammlungsfreiheit spucken — zumal, wenn es um ein so wichtiges Ereignis geht.

Es ist ein Stück aus dem Tollhaus, eigentlich müsste gesagt werden Kottan ermittel! Aber Kreisler hat nun mal Geburtstag. So kann er nochmal rüberwinken nach Deutschland.

Zum Schluss auch noch für den Herrn Innensenator eine geschichtsträchtige Ankündigung eines nicht gerade unwichtigen und sich auf jedem Schullehrplan befindenden Autors (nur mal so als Nachhilfe):

„Friede den Hütten! Krieg den Palästen!“
Georg Büchner

[edit: Auch das OVG Berlin-Brandenburg hat das Verbot der Protestdemonstration bestätigt. Dabei gestehen die entscheidenden Richter der Bundeswehr Grundrechte zu, weil sie im GG erwähnt wird; dass der Staat jedoch grundsätzlich keine solchen Rechte für sich — auch nicht für nicht notwendige öffentliche Gelöbnisse — in Anspruch nehmen kann interessiert sie nicht – vom Bundesverfassungsgericht anerkanntes versammlungstypisches Rufen sei der Armee nicht zuzumuten schreiben sie. Nun wird das BVerfG noch darüber befinden ob Versammlungsfreiheit in der BRD gestattet ist oder ob das deutsche Vaterland und seine heldenhafte Wehr über alles in der Welt steht]

[edit 2: Das BVerfG, das ansonsten bei jeder Nazidemo sofort reagiert und die Faschisten fast immer marschieren lässt (Stichwort: „Versammlungsfreiheit“ Art. 8 GG) hat sich heute entschieden keinen Beschluss zu fällen, es wird sich Zeit bis morgen gelassen, da kann die Entscheidung dem Militär nicht mehr weh tun.
Die Tagesschau liefert derweil in ihrer Berichterstattung Militärpropaganda ersten Ranges, unter kritischen Tönen aus dem Parlament versteht die ARD-Nachrichtensendung, dass die Soldaten zu wenig moralische Unterstützung aus der Gesellschaft bekämen, nicht etwa die Antikriegsposition der Linksparteifraktion — das Verbot der Demo wird im TV schlichtweg verschwiegen: „für ihren Protest mussten die Demonstranten zum Potsdamer Platz ausweichen“ heißt die Halbwahrheit im Bildzeitungslügenstil]