8. Mai — Tag der Befreiung

wer_nicht_feiert

Letztes Jahr schrieben wir, dass manche Blogeinträge nie ihre Aktualität verlieren. Hinzuzufügen wäre dem nur, dass der deutsche Staat es mit leider nur wenigen Ausnahmen auch weiterhin als seine originäre Pflicht ansieht, die Faschisten zu schützen; in Berlin wird so am 1. Mai massiv gegen AntifaschistInnen vorgegangen, die Polizei will so außerdem die Stimmung für die Mai-Demonstrationen am Nachmittag noch zusätzlich anheizen.

Und die taz stellt sich an die vorderste Front und geiselt das Verbot des Naziaufmarsches in Hannover mit dem Argument, die Angriffe auf die Demonstration des DGB am 1.Mai in Dortmund wären sonst nicht erfolgt, wer in solcher Logik denkt, hat aus seinem warmen Redaktionsstübchen heraus agierend wieder mal nichts begriffen.
Zwar schreibt der taz-Redakteur Felix Lee nicht, dass Nazis das Recht hätten ihre Verbrechen zu begehen, er legt seine Weisheiten lieber in den Mund: „Nicht nur aus demokratietheoretischen Erwägungen ist diese Verbotsentscheidung äußerst fragwürdig. Denn dieses Vorgehen bestätigt die Neonazis vor ihren Anhängern in der Annahme, ihnen würden fundamentale Grundrechte verweigert. Aber auch strategisch ist diese Verbotsverfügung falsch“.

wer nicht feiert hat verloren!

Die Bundeswehr ehrt Nazi-Kriegsverbrecher in Mittenwald auch weiterhin, die deutsche Polizei wird wie üblich das braune Treiben schützen. Die taz wird applaudieren.

Heute wird vor dem Landgericht Nürnberg gegen den Journalisten Ulrich Sander von der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN-BdA) verhandelt, ihm soll untersagt werden über die Kriegsverbrechen der Gebirgsjäger zu berichten.

[zum Verfahrensausgang: nur noch wenige Kriegsverbrecher (zuviele bereits verstorben)]

Faschismus ist keine Meinung — sondern ein Verbrechen!


4 Antworten auf “8. Mai — Tag der Befreiung”


  1. Gravatar Icon 1 Wolf 10. Mai 2009 um 21:09 Uhr

    Das erinnert mich an die Diskussionen um die Wehrmachtsausstellung in München vor 10 Jahren. Ich habe damals einen Vortrag von Hannes Heer vor dem Historischen Institut in München gehört. Die Ausstellung war samt ihrer Thesen historisch sauber erarbeitet und bis auf wenige Einzelheit korrekt dargestellt. Drumrum wurde in der Presse und bei bayerischen Honoratioren ein riesen Brimborium um die verletzte Ehre von wem auch immer gemacht, das mit den Fakten nicht das Geringste mehr zu tun hatte. Schade so was. Die Wahrheit ist meistens einfacher und eigentlich auch leichter verdaulich, als die Propaganda aus beiden Lagern.

  2. Gravatar Icon 2 Wolf 10. Mai 2009 um 21:12 Uhr

    Ach ja, zur freien Meinung von Nazis habe ich noch eine These: Wenn man bei Google-USA, wo zwar Sex, aber keine Politik zensiert wird, einmal nach Nazi-Seiten sucht, so landet man in einem Wust von skurrilem Wahnsinn, den kein Mensch ernst nehmen kann. Vielleicht diskreditieren sich die Leute einfach selbst, wenn man sie reden lässt?! Ich würde zum Selbstversuch bei Google.com raten.

  3. Gravatar Icon 3 der Klassensprecher von 1984 11. Mai 2009 um 7:08 Uhr

    Über die verkehrte Rezeption der sog. „Wehrmachtsausstellung“ (in beiden Konzepten) gibt dieser Vortrag Auskunft:
    http://doku.argudiss.de/?Kategorie=MuI#90 (unten auf der Seite)

    Dazu auch folgender Text: http://www.fhuisken.de/wma.htm

  4. Gravatar Icon 4 kulinariakatastrophalia 12. Mai 2009 um 20:09 Uhr

    @wolf
    die Empörung gegen die Wehrmachtsaustellung zeigt ja deutlich, dass eine Auseinandersetzung mit den Verbrechen nötig ist, rechtsextreme Einstellungen sind weiterhin verbreitet und es lassen sich leider nicht dadurch lösen, dass vernünftige Menschen nicht anfällig dafür sind ;-) Die große Anzahl rechtsextremer Straftaten bis hin zu Morden ist erschreckend hoch, trotz Kritik an den von der Polizei geführten Statistiken, sind die offiziellen Fälle nur die Spitze des Eisberges. Neonazistische Propaganda, gerade auch organisierte, schürt diese Verbrechen. Ein Feiern der Erfolge der Nazis im Krieg ist nichts anderes. Ein Tolerieren ist da sicherlich der falsche Weg.

    Art 139 des Grundgesetzes sieht eigentlich ein Verbot neonazistischer Organisationen zwingend vor, bis auf wenige mutige RichterInnen wird diese gesetzliche Regelung allerdings nicht angewandt, lieber wird sich auf Ex-Bundespräsident Herzog gestützt, der diese Vorschriften für „obsolet“ erklärte, was wiederum kaum verwunderlich ist, schließlich ist Herzog ein Schüler des Juristen Maunz, der in dem von ihm herausgegeben bedeutensten Grundgesetzkommentar selbiges auch schon vertrat; das dieser ein ganz eigenes Interesse an solcherlei Aussage hatte wurde klar, als Maunz als Unterstützer der rechtsextremen DVU entarnt wurde.

    @klassensprecher
    wenn du magst, kannst du es einfach in eigenen Worten zusammenfassen oder eigene Gedanken entwickeln, grad keine Lust und Zeit das alles zu lesen.

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