Die Gelegenheit, Ziegenfrischkäse mit Bärlauch in eine noch zu kreierende Umgebung einzufügen, bot sich angesichts des unverschämterweise ausverkauften Angebotes leider nicht. Nicht schlimm, kurz dannach fiel bei genial lecker eine Rühreispeise mit Bärlauch auf, die sich mit grünen Momenten passend darauf einstellte, sich zu einer vorzüglichen Ideenspeisung zu entwickeln. Dank des Mangels an Voraussicht bei der Bereitstellung des Frischkäses wurde einfach etwas Ricotta gekauft, ein kleiner Klacks nur (der Rest) — und der sollte nun eine kleine tragende Rolle bekommen, Berge von Bärlauch sind schließlich abzuarbeiten.
Gedacht war an weiße, krümelige im Rührei hervortretende Momente. Ging dann leider doch etwas unter und wässerte ein wenig. Beim nächsten Mal also etwas später hinzu und mehr Bärlauch (der ging auch ein wenig unter). Vielleicht auch den Ricotto mit Bärlauch mixen und grüne Krümel erzeugen — das erinnert dann an frühe Experimente mit Lebensmittelfarben

Rührei mit leider nicht ganz hervorstechenden Ricottakrümeln und Bärlauch
Bei Schnickschnackschnuck auf einen Tipp betreffs Vergangenheitsbewältigung in literarischer Form samt Vortrag gestoßen, was dann gleich zu einer Buchempfehlung genutzt wurde, die überaus lesenswert die 68er „aufarbeitet“. Das wollen wir hier natürlich nicht vorenthalten.
Der Autor, gewiefter Shakespeare- und Brecht-Kenner, Peter Hacks-Freund noch hinzu, hat so richtig schön aus dem Nähkästchen der Kommune V geplaudert, dass es eine wahre Freude ist, den nicht modernen Stil, angesiedelt bei Heinrich Mann statt James Joyce, gedanklich zu lauschen.
Für jene, die schon für ein Werk des erstgenannten 2 Jahre zum Lesen benötigen und währenddessen folgerichtig auch nicht zum Kochen kommen, ist der Roman also nichts, da heißt es weiterhin bei der Bäckerblume bleiben und fleissig Kreuzworträtsel lösen, um die gewonnene Wachskerze dann im eigenen Blog vorzustellen.
Der Klappentext des antiquarisch erworbenen Exemplars aus den späten 80er Jahren verrät aber noch mehr:
Der Roman fand zehn Jahre lang keinen Verlag in Ost und West, war den einen zu links und den anderen nicht links genug. Die, die das im Untergrund zirkulierende Manuskript lasen, beklagten die satirische Verletzung der heiligsten Güter der Neuen Linken – -der Studentenbewegung von 1967/68 — oder empörten sich sich über die Mitteilung, der Staat habe zur Entstehung des Terrorismus auch beigetragen, weil er ihn brauchte. Kommunisten wiederum waren tief enttäuscht, weil sich keiner der Helden zum Eintritt in ihre Partei entschloß, und bei der NPD diskutierte man eine vaterländische Behandlung des Autors.

schaurig hochaktuell
Dem Roman, so phantastisch und bissig er auch ist, war keine Ruhmesrunde im Buchhandel beschieden, der Verlag ging kurz nach Erscheinen in Konkurs (wie das damals noch hieß), Restexemplare wurden daraufhin in Gold aufgewogen. Bis sich neulich ein Kleinverlag an die Neuauflage wagte und so die Möglichkeit auch den breiteren Bevölkerungskreisen zum Kennenlernen des Hauptprotagonisten gab.
Der, wenig werbewirksam, aber dennoch sehr schön getroffen, auch das Cover der Altausgabe zierte; er macht sich seine Raffinesse unter Ausnutzung der Kommune V zu seinem Vorteil auf die allerschönste Art und Weise zu nutzen ohne zu vergessen für den gloriosen Einstieg in dieses Unternehmen auf bisher in der Neuen Linken ungeahnte Art in einem Café am Kurfürstendamm in Berlin zu sorgen — während draußen die sogenannte „Leberwursttaktik“ des Berliner Polizeipräsidenten einstudiert wurde.
Natürlich darf der obligatorische Spitzel nicht fehlen, der immerhin mit seinem Anleiter die Vorliebe für in ein Glas Milch dahineinverrührten Himbeersaft teilt. Es muss Geld für die Planung von Anschlägen erwirtschaftet werden. Fortan ist das Anfertigen von Raubdrucken unter Selbstausbeutungsaspekten angesagt; das Geld landet, wie sollte es anders sein, dann doch in den Taschen des Hauptprotagonisten, zumindest vorübergehend. Hochaktuell also der mit Abstand beste und amüsanteste 68er-Roman
André Müller sen.: Am Rubikon – Die schaudervollen Vorkommnisse in der Kommune V.
VAT Verlag, Mainz 2008, ISBN 978-3-940884-03-9; 14,90 €
Gleich mal nach der (mir natürlich mal wieder unbekannten Bäckerblume
) gegoogelt und festgestellt: ich sollte mal in eine richtige Bäckerei gehen, statt immer zum Discounterbäck, wenn es da kostenlose Zeitschriften gibt
!
Bei uns ist leider gar keine Bärlauchschwemme heuer, erst wars zu kalt, dann zu warm, dann keine Zeit für einen Waldspaziergang
So müssen halt hier die schönen Sächelchen ohne Nachkochmöglichkeit bewundert werden
Mmh, Ricotta im Rührei wäre auch eine gute Idee gewesen. Der Buchtipp klingt spannend, nur leider liegt hier schon ein nicht zu bewältigender Stapel.
@sammelhamster
Genau — und was für welche. ein wahrer aufbauender Wonneproppen das Blatt
Was, noch nicht mal der Discounter hat welchen im Angebot? Da müsste doch ein kleiner Spurt hin möglich sein
@rike
Wo nicht
Dabei liest es sich ruckzuck weg und erheitert ungemein und schließlich steht als „Vorwort“ diese kaufanreizbietende Widmung:
Kritiker: Aber es ist alles erfunden!
Autor: Wahr! Wahr!
der nackt verbliebene Bärlauchblütenstengel gibt dem Gericht einen dynamischen Schwung und kompensiert die fehlene Farbe.
@lamiacucina
Gell, die einschmeichelnde Struktur tritt hervor. Beim Folgen hin zum Ende gibt es eine kleine Überraschung, ganz un/spektakulär