Archiv für April 2009

Ein im höheren Bereich der Küche dahinschwelgendes Köstlichkeitsgefühl als schmackhafte Folge von deftig geschmorten Kaninchen mit Kartoffeln in allerköstlichster Rigani-Zitronen-Weinsauce (mit erquicklichen Resten, Rumpfriemelei incl.) ist schon traumhaft köstlich — superköstlich sogar!

wahnsinnig leckeres kaninchen mit halben kartoffeln in weinsauce mit zitrone und rigani
Am Morgen danach — unbehandelt aber unverschämt gut eingezogen

Beschreiben lassen sich die wohlfühligsten Köstlichkeitsmomente des Verspeisens delikatester Auftischung sowieso kaum, vorweg nur — es war einfach nur köstlichster Natur. Die Sinne schweifen kurz ab, die Sauce zerstösst alles bisher kennengelernt zu haben Geglaubtes auf ein Minimum des Vorhersehbaren, eine noch abschweifend nachklingende Explosion allerfeinster Geschmacksnuancen lässt sich schwer einfinden in die weitere Verkostung noch aufzutischender Spezialitäten.
Und dann heißt es das Gericht photographisch als jpg einfangen, den Moment des Verzaubers ablichten und präsentieren. Da das meistens eher im dunklen Teil des Tages geschieht heißt es sich behelfen, meist reicht eine schnöde routiniert dahingehaltene Baulampe, manchmal wird ein klein wenig nachgeholfen.

Optimal also die Speisung für den Photoevent im Kochtopfblog, dunkle Momente sind farbenprächtiger zu gestalten und das Riesenphoto ist zu verkleinern. Einige sehen in groß so richtig schön brillant aus, nach der Verkleinerung ist der Charme verflogen, bei anderen ist es genau umgekehrt. Am besten sind die durchschnittlichen Bildchen.

leckeres kaninchen bearbeitet mit allerlei vor allem mit rigani zitrone und wein
Studienobjekt 2

Beabeitet wird das mit irfanview, einem kleinen kostenlosen Programm, welches auch gleich einen ganzen Packen Bilder auf einmal angenehm verkleinern lässt. Zu mehr Rumpfriemelei kann dann auf ein paar Angenehmlichkeiten zurückgegriffen werden. Andere Blogs haben da schon einiges zum Besten gegeben. Unnötig allzu viel zu wiederholen.

Die Photodaten:
Bild-Orientierung: 1blogevent food-o-grafie #4
Kamera: Sony K800i
Belichtungszeit: 0,0333333
F-Zahl: 2,8
ISO-Wert: 80
Belichtungsabweichung: 0
Messmodus: 2
Lichtquelle: 3
Blitz: 16 (war ohne Blitz)
Weißabgleich: 1
Abstandsbereich zum Objekt: 1

Bei dem Bild haben wir im Programmpunkt Farben verändern nur den Helligkeitsfaktor auf 5 verschoben, Rot mit +2 und Grün mit -2 versorgt, die Gammakorrektur nach 0,90 verschoben und die Farbe etwas unnatürlich, aber wahrscheinlich ansprechender auf 63 Sättigung verschoben. Das Resultat dann auf 470 Pixel verkleinert und hier ist es nun.

Das Foto ganz oben ist hingegen gänzlich unbehandelt, dafür ist die schöne Weinsauce dermaßen lecker über Nacht eingezogen, dass es nach Fertigung der Fotografie ganz geschwind unter nehr oder minder lauten „kööööstlich…“-Rufen auch nicht mehr lange gehalten hat, und das ist ja das Wichtigste ;-)

leckeres kaninchen unbearbeitet mit allerlei vor allem mit rigani zitrone und wein
Studienobjekt 1 — das Original

Zubereitet wird die Köstlichkeit ganz simpel. Wichtige Voraussetzung ist griechischer Oregano — Rigani genannt, eine würzig-scharf schmeckende Sorte, die aus Wildpflückung herstammend generell gute Kochresultate zeitigte; also perfekt auch für dieses unwiderstehliche Foodblog-Rezept.

Gutes Olivenöl wird mit reingemahlenem schwarzen Pfeffer in einer großen Schmorpfanne erhitzt und Kaninchenkeulen werden angebraten, gepfeffert, gesalzen und riganisiert und wenn sie eine schön braune Farbe zeigen wird mit einem Schuss Weißwein, gerne etwas trocken und mineralisch schmeckend (wie z.B. diesen hier), abgelöscht; die Keulen ein paar mal drehen und wenn der Wein verkocht ist darf noch mal etwas frischer Pfeffer und Rigani drüber.
Längs geschnitte Kartoffeln werden im Öl angebraten, es sollten nur so viele wie halbwegs flach reinpassen zugegeben werden.
Genommen haben wir die feste Kartoffelsorte Ditta (oder so ähnlich), die Biokartoffeln passten hervorragend hierzu :-); die Kartoffeln dann auch noch mal salzen und riganisieren und ein kleiner Schwubbs Wein hinzu auf höchster Flamme erhitzen und Deckel drauf, nach ein paar Minuten auf Klein runterschalten und dann köcheln lassen.
Ab und an mal umrühren und kurz bevor die richtige Konsistenz zur Verspeisung auftritt noch mal Rigani drüber und den Saft von 1 bis 1 1/2 Zitronen, Deckel dabei so ca. 10 Minuten noch drauf lassen und dann servieren.

schlunzig mit weinsauce verschmolzene kartoffeln und so was von leckerer rigani-zitronen-beigabe aber auch
Schlunzig mit Weinsauce verschmolzene mittelkräftig zergehende Kartoffeln und so was von leckerer Rigani-Zitronen-Beigabe aber auch

Und es schmeckt soooo köööööstlich, die Weinsauce mit dem Riganigeschmack ist unvergleichlich und wird von der Zitrone auf das allerbeste unterstützt. Ausschlecken erlaubt, es darf nichts verkommen, es wäre ein wahrer Frevel.

Zutaten waren:
Kaninchenkeulen
Bio-Kartoffeln, festkochende (Ditta)
Bio-Olivenöl, ein gutes kräftiges!
Wild-Rigani, Salz, Pfeffer
Bio-Zitrone
Öko-Weißwein (Penedes)

Grüne Eier, die zugegebenermaßen neben dem wohlklingenden Namen einen minttonigen Touch aufwiesen und so zu Kauflust führten, die neugierig auf das wohl noch zu erkundende Innere setzte — Araucana

gruene eier sind etwas kompliziert zu fotografieren sie sind in natura aber wirklich leicht mintgruen
Grüntöne — zumal bei Eiern — einzufangen ist ein gar schwierig Unterfangen

Die Farbgebung von Hühnereiern ist bisweilen ja von nicht uninteressanter Gestaltung, gefleckt, gescheckt und eben auch nun grün, nun ja, eher ein leichtes Mintgrün. Dass sich das durchsetzt wird eine Frage der Mode sein — schließlich ist das ordinäre weiße Ei nahezu ausgestorben in den Auslagen von Supermärkten, Bioständen und Verkaufsmessen. Wer wollte schließlich früher braune Eier essen bis es furchtbar in wurde.

Neugier beim ständig im Bioladen ausverkauften aber per Reklame angepriesenen Araucana-Ei schlug Alarm, als zufällig der Blick auf die letzte Vorratspackung fiel zu einem Preis, der doch etwas über dem üblichen Zahlbetrag liegen dürfte.

gruene eier vom araucana-huhn

Besondere Aromen, ungekannte sowieso, sollten die Belohnung sein, außerdem das Studium einer etwas dickeren Schale. Den Farbton mit der Kamera einzufangen gelang leider nicht so gut, auf nachträgliche Einfärbung wurde einfach mal verzichtet, 3Sat hat ein Foto veröffentlicht, das grünt genug.
Außerdem wird aufgeklärt: grüner Gallensaft versorgt die äußere Umhüllung mit dem typischen Hühnereiton, das Huhn selber soll irgendwo herkommen, niemand weiß genaueres…

gruene eier sind innen auch nur gelb
Innen ist es wie gehabt

Der Geschmack, nun ja, hängt wie üblich von der Fütterung ab, der Rest ist Anpreisung ;-)

Lieber schön kochen statt zwangsweise Religion servieren

lieber kochen als zwang zur religion nein zum volksentscheid am 26 april

Am Sonntag ist es endlich soweit, nach einem Werbekreuzzug der großen Kirchen gegen das Fach Ethik, dürfen die BerlinerInnen endlich gegen die zwangsweise Einführung des Religionsunterrichtes als Pflichtfach in den Schulen (bisher ist der freiwillig) mit NEIN stimmen.

Dabei war bis Ende letzten Jahres das Volksbegehren der Initiative ProReli fast gänzlich unbekannt, die Unterschriftenlisten lagen wie sauer Bier in den Kirchen und außer den hartgesottenen Kirchgängern wollte niemand unterzeichnen; das änderte sich zu Weihnachten, als sich die Kirchen ausnahmsweise mal füllten (in Berlin ist die große Mehrheit nicht in evangelischen oder katholischen Kirchen organisiert) und die Kirchenoberen mussten zu einigen Lügen (es gäbe keinen Religionsunterricht, je nach Regierung würde sich der Inhalt des Schulfaches ändern) greifen, um überhaupt die notwendigen Unterschriften zu erhalten.
Geworbene Prominente zogen nach Bekanntwerden der „Bauernfängerei“ ihre Unterstützung zurück; PfarrerInnen, die keinen moralisch-sittlichen Verfall durch das Schulfach Ethik erkennen konnten und sich weigerten die tonnenweise in ihre Kirchen angekarrten Propagandamaterialien zu verteilen, wurde mit internen Maßnahmen gedroht.

Zu sehr ist die Kirche an einem zwangsweisen Religionsunterricht interessiert, den freiwilligen besuchen nämlich fast keine SchülerInnen, so kann staatlich finanziert der Einfluss aufrechterhalten werden.

Dass dies mit demokratischer Erziehung nicht viel zu tun hat ist klar; Bundestagsvizepräsident Thierse verstieg sich deshalb zu der Anmaßung den Ethikunterricht als staatlich verordneten Weltanschauungsunterricht zu brandmarken, der ihn an die DDR erinnere, Moderator Günther Jauch findet Ethik als alleiniges Pflichtfach Ausdruck staatlicher Intoleranz.
Dumpf-platte Parolen die ignorieren, dass es mehr als eine Religion gibt, dass Fragen von Moral, Ethik und die freie Diskussion darüber allemal wichtiger sind als der Machtanspruch religiöser Richtungen, die nur einen Bruchteil der Bevölkerung repräsentieren. Es wird Zeit Staat und Religion konsequent zu trennen.

Während die GegnerInnen des Zwangsreligionsunterrichtes nicht auf den Bussen und in der U-Bahn werben durften mit dem Argument, dass Werbung in den Berliner Verkehrsbetrieben nur weltanschaulich neutral sein dürfe, wurde für die Kirchen eine Ausnahme gemacht, die durften dort Unterschriften sammeln neben den Werbeanzeigen zahlreicher anderer Sekten, die üblicherweise ihre genehmigten Anschläge ausstellen.

charmant nein sagen!
Charming, charming: NEIN — geht natürlich auch ohne weiße Handschuhe ;-)

Damit der Volksentscheid durchkommt müssen neben der Mehrheit der Abstimmenden auch 25% aller Stimmberechtigten zustimmen, dies sind mindestens 611 422 BerlinerInnen. Angesichts des schönen Wetters sollte deshalb vor dem Weg in den Park oder an den Baggersee ein kleiner Weg für mehr Demokratie in den Schulen auf sich genommen werden (SchülerInnen wird ja verwehrt darüber selbst zu entscheiden). Das nächste Wahllokal ist ja bekanntlich gleich um die Ecke.

Der Bus ist übrigens mittels Bus-Slogan-Generator gefertigt worden, das Bild stammt von Jon Worth c/o atheistbus.org.uk. Die Kampagne atheist bus ist durch witzige Buswerbung in Großbritannien bekannt geworden, das deutsche Gegenstück ist die Buskampagne.

Das Bündnis Pro Ethik ist unter diesem link zu erreichen, das Kreuzchen beim NEIN kann jedeR selber machen ;-)

[Update 26.04.2009 — Die Klerikalen sind bei den BerlinerInnen gescheitert; das notwendige Quorum ist nicht erreicht worden (soviel steht nach Auswertung der Wahlbeteiligung schon fest)]

[Update 2 — Die Klerikalen sind sogar deutlich abserviert worden; über 51 Prozent stimmten mit Nein]

Dank einem Hauch der Erinnerung verweilte die zeitgemäß zu vollbringende Rezeptur mit köstlichster Kaninchenleber, kurz nur in Zubereitung sowieso und Verzücken auch länger zu einer rezeptiven Rhapsodie mit Bärlauchblatt und Schokoladenkrümel samt Verve

Frühjahrszeit ist bekanntlich Hoppelzeit (auch anderswo), das frische zarte Grün peppt geschmacklich ungemein auf, und so wurde erinnerlich der feinen Versuchung in Schokoladenweinsauce gehuldigt. Es half also nichts, Kaninchenleber wurde geordert und zu später Stunde in rasch zu vollbringender Fertigung aufgetischt für Besuch, der das noch nie verspeist hatte, was sich im Nachhinein als vorangeganger Verlust köstlichster kulinarischer Möglichkeiten entpuppte.

leckere kaninchenleber in schokoladenweinsauce samt birne ueberreif und baerlauch mal wieder
Zeitig photographieren zu Sonnenschein klappt nur einmal

Das Kaninchenleber-Rezept wurde zum Blogevent Chocolat zufällig entdeckt und gehört seitdem zum ständigen Hochgenuss, der milde Schokoladentöne mit fruchtiger Obstnote (die überreife Birne!) an stimmig verbindenden Weißweine zu höchster Eleganz führt.

Zwar wurde mit Rücksicht auf den gar nach vollendeter Kost hungrigen Besuch die Birne geschält, das machte aber nicht so viel aus, besser klappt es schon aus Zusammenhaltgründen dann aber ungeschält. Der verwendete Wein aus Penedes war einen kleinen Tick zu dominant mit der mineralischen Struktur, ein unauffälligerer eignet sich etwas besser.

Der Genuss nach nur wenigen Minuten Zubereitungszeit lässt sich hingegen mit immer länger andauernden Verzückensbekundungen und Abschlecken beschreiben, die unvergleichlich schmeckende Kaninchenleber auf den Punkt leicht rosa im Zusammenspiel mit dem Bärlauch und verwegen kämpfend um die Aufmerksamkeit des Obstes unterstrichen von der sittsam einfügenden Schokolade lässt nur eines sagen — äußerst superb!

Wer das noch nie zubereitet hat, kann im Kaninchenlebergeschäft nicht mehr mitreden; köstlichst zu empfindendes Aufspüren vergessener Kochkunst die Belohnung.
Noch ist Zeit, noch gibt es Bärlauch, noch frisches Frühjahrskaninchen, der Rest ist Verve.

Kurzkost und Leseverkostung — inclusive Werbeinblendung, das ist jetzt aber nicht für jede was, da stehen noch richtige Sätze drin, ganz lange, es muss sogar nachgedacht werden, also was ganz ganzganz anderes als die zahlreichen Kochzeitschriften oder die Bäckerblume, anspruchsvolle Kost sozusagen (Neuauflage)

Die Gelegenheit, Ziegenfrischkäse mit Bärlauch in eine noch zu kreierende Umgebung einzufügen, bot sich angesichts des unverschämterweise ausverkauften Angebotes leider nicht. Nicht schlimm, kurz dannach fiel bei genial lecker eine Rühreispeise mit Bärlauch auf, die sich mit grünen Momenten passend darauf einstellte, sich zu einer vorzüglichen Ideenspeisung zu entwickeln. Dank des Mangels an Voraussicht bei der Bereitstellung des Frischkäses wurde einfach etwas Ricotta gekauft, ein kleiner Klacks nur (der Rest) — und der sollte nun eine kleine tragende Rolle bekommen, Berge von Bärlauch sind schließlich abzuarbeiten.

Gedacht war an weiße, krümelige im Rührei hervortretende Momente. Ging dann leider doch etwas unter und wässerte ein wenig. Beim nächsten Mal also etwas später hinzu und mehr Bärlauch (der ging auch ein wenig unter). Vielleicht auch den Ricotto mit Bärlauch mixen und grüne Krümel erzeugen — das erinnert dann an frühe Experimente mit Lebensmittelfarben:D

ruehrei mit ricotta und baerlauch
Rührei mit leider nicht ganz hervorstechenden Ricottakrümeln und Bärlauch

Bei Schnickschnackschnuck auf einen Tipp betreffs Vergangenheitsbewältigung in literarischer Form samt Vortrag gestoßen, was dann gleich zu einer Buchempfehlung genutzt wurde, die überaus lesenswert die 68er „aufarbeitet“. Das wollen wir hier natürlich nicht vorenthalten.
Der Autor, gewiefter Shakespeare- und Brecht-Kenner, Peter Hacks-Freund noch hinzu, hat so richtig schön aus dem Nähkästchen der Kommune V geplaudert, dass es eine wahre Freude ist, den nicht modernen Stil, angesiedelt bei Heinrich Mann statt James Joyce, gedanklich zu lauschen.
Für jene, die schon für ein Werk des erstgenannten 2 Jahre zum Lesen benötigen und währenddessen folgerichtig auch nicht zum Kochen kommen, ist der Roman also nichts, da heißt es weiterhin bei der Bäckerblume bleiben und fleissig Kreuzworträtsel lösen, um die gewonnene Wachskerze dann im eigenen Blog vorzustellen.

Der Klappentext des antiquarisch erworbenen Exemplars aus den späten 80er Jahren verrät aber noch mehr:

Der Roman fand zehn Jahre lang keinen Verlag in Ost und West, war den einen zu links und den anderen nicht links genug. Die, die das im Untergrund zirkulierende Manuskript lasen, beklagten die satirische Verletzung der heiligsten Güter der Neuen Linken – -der Studentenbewegung von 1967/68 — oder empörten sich sich über die Mitteilung, der Staat habe zur Entstehung des Terrorismus auch beigetragen, weil er ihn brauchte. Kommunisten wiederum waren tief enttäuscht, weil sich keiner der Helden zum Eintritt in ihre Partei entschloß, und bei der NPD diskutierte man eine vaterländische Behandlung des Autors.

am rubikon weltkreis andre mueller sen
schaurig hochaktuell

Dem Roman, so phantastisch und bissig er auch ist, war keine Ruhmesrunde im Buchhandel beschieden, der Verlag ging kurz nach Erscheinen in Konkurs (wie das damals noch hieß), Restexemplare wurden daraufhin in Gold aufgewogen. Bis sich neulich ein Kleinverlag an die Neuauflage wagte und so die Möglichkeit auch den breiteren Bevölkerungskreisen zum Kennenlernen des Hauptprotagonisten gab.

Der, wenig werbewirksam, aber dennoch sehr schön getroffen, auch das Cover der Altausgabe zierte; er macht sich seine Raffinesse unter Ausnutzung der Kommune V zu seinem Vorteil auf die allerschönste Art und Weise zu nutzen ohne zu vergessen für den gloriosen Einstieg in dieses Unternehmen auf bisher in der Neuen Linken ungeahnte Art in einem Café am Kurfürstendamm in Berlin zu sorgen — während draußen die sogenannte „Leberwursttaktik“ des Berliner Polizeipräsidenten einstudiert wurde.

Natürlich darf der obligatorische Spitzel nicht fehlen, der immerhin mit seinem Anleiter die Vorliebe für in ein Glas Milch dahineinverrührten Himbeersaft teilt. Es muss Geld für die Planung von Anschlägen erwirtschaftet werden. Fortan ist das Anfertigen von Raubdrucken unter Selbstausbeutungsaspekten angesagt; das Geld landet, wie sollte es anders sein, dann doch in den Taschen des Hauptprotagonisten, zumindest vorübergehend. Hochaktuell also der mit Abstand beste und amüsanteste 68er-Roman :D

André Müller sen.: Am Rubikon – Die schaudervollen Vorkommnisse in der Kommune V.
VAT Verlag, Mainz 2008, ISBN 978-3-940884-03-9; 14,90 €

Instantbrühe und Kaufmaultaschen oder wie mit Foodblogs Geld gemacht wird

Schon seit einiger Zeit macht sich leichtes Unbehagen breit, wenn so mancher Foodblog besucht wird. Die Menge an geschalteten Werbeanzeigen nimmt stetig zu und so wird ein kurzer Artikel oben, unten und nochmal groß an den Seiten umrahmt. Unaufällige Reklame findet schließlich kaum Beachtung.

instantbruehe und kaufmaultaschen
Instantmittelmaß klappt nie geschmackstechnisch

Eine beliebte Masche einiger Neunmalkluger ist es, den Feed anderer Blogs ungefragt für sich zu nutzen, vielleicht merkt es keineR.

Andere versuchen es mal auf eine andere Weise wie ein Verlagskochportal, welches sich gleich ganz die Rechte an den eingestellten Texten sichern wollte, oder es wird um fremde Inhalte geworben, manchen schieben auch einen Art Kochwettbewerb vor bei dem eigens Beiträge anderer direkt im Rezeptblog veröffentlicht werden, um die eigene Seite mit Inhalt zu füllen. Letzteres Modell stammte von Huettenhilfe, einer Rezepteseite, und fand aber wohl nicht so recht Anklang im Kochblog-Universum, das schließlich daraus besteht eigene Blogs zu führen.

Also neue Idee her. Über Küchenschürzen für Kochbilder, bis zum sogenannten „Fremdkochen“.

Jetzt darf wieder auf dem eigenen Blog veröffentlicht werden, aber das Rezept samt Foto wird als Kochbuch bei huettenhilfe eingebunden. Ein paar Kochbücher werden ausgedruckt und es darf im eigenen Blog darüber berichtet werden. Anscheinend ein netter Service, der aber schlichtweg andere Texte für die eigene Seite vermarktet; ohne Bezahlung versteht sich.

Die Verlinkungen geben Traffic und einen höheren Pagerank, der dann bekanntlich auch mehr Geld für die zahlreichen Werbeanzeigen bringt. Dafür ist seit einiger Zeit auch nicht mehr Blogbetreiber XY, sondern eine eigens gegründete GbR verantwortlich, die auch ein eher als gescheitert zu betrachtendes Berlinportal „betreibt“ oder gar dies im Angebot hat.

truebe aussichten
Vermarktet: truebe Aussichten

Im Werbeprojektvermarktsnetzwerk GLAM Media, an dem sich Burda jetzt stärker beteiligt, liest sich die Ausnutzung der Kochkreativität, die dann auch Geld bringt, dann so:
(…) auf Huettenhilfe.de findet jeder das geeignete Gericht. Zudem sorgen die zahlreichen Mitglieder für ein ständig wachsendes Archiv an neuen Rezepten.

Und nicht nur das. Es können jetzt freiwillig Fotos auf der mit eigens zur Verfügung gestellten Bannern zu bewerbenden Seite Rezeptbuch (auch eine huettenhilfe-Kreation) eigenständig eingestellt werden. Läuft die Seite erst mal, dann kann sich an an fünf Fingern abgezählt werden, wann die erste Werbung auftaucht oder das GLAM-Netzwerk zuschlägt.

Aber auch beim Gärtnerblog, der die monatlichen Kochevents ausrichtet, fragen wir uns, ob es sein muss, dass so viel Werbung geschaltet wird. Um es nochmal klarzustellen, es geht nicht darum, ob ein kleiner Blog jetzt ein bißchen google-Werbung hat, sondern um das Übermaß, das Ausnutzen, die Kommerzialisierung der Kochblogszene.

Das sind jetzt auch nur Beispiele, es gibt aber etliche v.a. neu konzipierte Kochblogs, die förmlich dannach schreien, alsbald mit Werbung vollgepackt zu werden, wenn sie es nicht schon sind.

Zwar kann es sein, dass es einfach die Bloganbieter sind die (wie etwas bei uns) die Schaltung vornehmen und die Einnahmen für sich verbuchen, dennoch dürfte es genügend Möglichkeiten geben, sich dem zu entziehen. Manche Blogs sind auch merkwürdigerweise über mehrere Links zu erreichen, wohl kaum aus Spaßesgründen.

Und der Spaß vergeht leider so langsam… :-(

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Famoses fast food à la Saison

famoses fast food a la saison baerlauch in schafskaese zu frittierten suesskartoffeln
Frittiergut in köstlichster Schafskäse-Bärlauch-Sauce versenkt

Noch vor der üblicherweise vonstattengehenden Osterreiserei war die Vernichtung leicht verderblicher Ware angesagt. Der Bärlauch war dran und ein paar Süßkartoffeln, die aber auch noch läüger gehalten hätten ;-) ; zumindest der Schafskäse war überfällig.
Da neulich die Kreation zum Blogevent Wirsing so lecker geschmeckt hatte, war ein rezeptlicher Teilbestand auserkoren allerallerschnellstens gefertigt zu werden.
Gratulation noch an genial lecker, die mit Flammkuchen mit Wirsing zu überzeugen wusste und das goldene Wirsingblatt nun an der Wand hängen hat.

Wie gehabt wurden Schalottenwürfelchen in Olivenöl knusprig gebraten, sodann der kleingehackte Schafskäse hinzugegeben und cremig gerührt. Die je nach Geschmack grob geschnittenen Bärlauchblätter kommen dann nur noch kurz mit hinzu. Als kalte Variante natürlich genauso vorzüglich. Ein verführerisches Zusammenspiel, wunderbar duftend und allerköstlichst.
Dazu frittierte Süßkartoffeln, die Kombination ist super (die Süßkartoffel ist auch viel schneller durch als eine Kartoffel). Das Ganze dauert schlappe 10 – 15 Minuten. fast food also – aber famosestes!

baerlauch
Bärlauch

Zur Unterscheidung des delikaten Bärlauchs von den giftigen Blättern der Herbstzeitlosen und der Maiglöckchen einfach die Infoseite des Naturschutzbundes Österreichs anschauen und sich die Hinweise eifrig einprägen, dann kann auch nichts mehr schief gehen — gell ;-)

Blätter:

Bärlauch: Einzeln am Stängel, mehrere dicht beieinander. Das Blatt hat einen längeren Stängel, der direkt aus dem Boden wächst; starker Knoblauchgeruch

Maiglöckchen: Immer zwei Blätter am gleichen Stiel, die Blätter umfassen den Stängel

Herbstzeitlose: Mehrere Blätter an einem Stiel, die Blätter umfassen den Stängel

baerlauch blaetter wachsen einzeln aus dem boden
Trotz Urwaldbeständen sollten nicht alle Blätter geerntet werden, sondern allenfalls die Hälfte, die Bärlauchblüten (noch etwas versteckt) sind ebenfalls genießbar

Die Vorräte sind aber inzwischen wieder etwas aufgestockt worden; Mandeln wurden natürlich vergessen zu kaufen — dabei läuft noch bis morgen der Mandelkochevent, für den Rosmarionevent ist aber noch ein bißchen mehr Zeit vorhanden ;-)

Was es nicht Alles gibt — gar aus Glas statt Korkkorken und nachfolgende Sender

weinstoepsel mit plastikzeugs drumherum
Weinstöpsel ohne Korkambition

Ok, gehört und gelesen war schon so einiges von den kleinen Verschlüssen, die Müffelproblematik von verdorbenen Weinen durch Korken war des Öfteren auch schon hier zu beobachten gewesen. Nun war aber die Überraschung trotzdem groß, als so ein Glaskorken in einer Flasche Wein unter Alufestverschluss sich herausschälte.

Der Spieltrieb setzte natürlich gleich ein und auch zwanzig mal rauf und wieder raus machte der Plastik(?)-Ummantelung um den unteren Teil (Glas auf Glas kommt nicht gut) nicht den Garaus.

Ploppt zwar nicht so schön wie ein aus Kork gefertigter Verschluss, aber er macht sich dafür mit einem dezenten Hauch bemerkbar, das bedeutet natürlich, dass es sich um exklusive Wein-Ware handelt.

In unserem Falle um einen vom Weingut Klaus Knobloch, der in so ziemlich jedem Bioladen angeboten wird (Preisspanne so von 6,60 bis 12,95), einem Achat aus der sogenannten Edelsteinserie, eine Rebe bleibt nur hängen am Trieb und zaubert so die wein verschluss aus glas als stoepsel hurragute Qualität des Weißen Burgunders hervor.

Leicht perlig und nicht zu kalt genossen, ein eher leichter, verspielter und raffinierter Wein (uns fallen grad nicht passenden Vokabeln ein, was wohl auch daran liegt, dass der alle ist) zum so trinken , welche will darf auch ausgewählte kulinaria katastrophalia-Spezialtäten dazu genießen ;-)

Was aber mit den lustigen Glasstöpseln anstellen, wenn sie sich anhäufen und schon sämtliche zur Verfügung stehende Fläschchen damit bestückt worden sind. Sammeln? Verschenken? Kunstwerke bauen? Die alten Korken aus Kork durften ja immer in eine Kiste oder sonstwo in der Küche rumfliegen bis sich dann endlich erbarmt wurde und sie zur Restverwertung wanderten.

Und eigentlich brauchen wir auch keine Glaskorken — für anfallenden Restwein wird ein Vakuumverschluss benutzt, der den Wein ein paar Tage länger haltbar/genießbar macht, eine famose Erfindung.

wein stoepsel aus glas
Entzückend!

Überraschung auch, dass es neuerdings einen Nachfolgesender von Radio Multikulti gibt. Der Berliner Sender war bekanntlich zum Jahresende plattgemacht worden, weil Informationen für MigrantInnen in der Hauptstadt nicht mehr wichtig sind (die dürfen schließlich nicht wählen), eines der Argumente für die Schließung war ja die angeblich zu geringe Zuhörerinnenzahl (wobei nur die deutschen ZuhörerInnen gezählt und hochgerechnet worden waren). Das Problem dürfte der nun freudig entdeckte Nachfolgesender zwar auch noch haben, aber den gibt es (bisher) auch nur im Internet:

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wieder da

radio multicult 2.0 startet als das Internetradio so langsam durch und stellt nach Anfangsschwierigkeiten ein immer ansprechender werdendes Programm auf die Beine. Zwar hakt es hier und da noch ein wenig, die Ansagen wirken manchmal etwas bemüht; es steht aber auch kein Etat mehr zur Verfügung mit dem sich der Sender das bisherige Personal leisten kann, sondern es wird ehrenamtlich gearbeitet. Die alte Bandbreite der Musikauswahl macht das aber wieder wett :-)

Ein Versuch wird auch gleich gestartet. Sendungen in einigen Sprachen können am Computer oder Internetradio per Klick auf eine deutsche oder englische Version umgeschaltet werden. Noch nicht ausprobiert, klingt aber interessant.

Diese bunten Dinger sind aber auch verdammt unstatthaft — derweil wird alles bio genossen (Apfel, Banane, Joghurt, gleißend Sonnenschein)

alles bio bananen apfel joghurt sonne
gleißende Sonnenstrahlen versüßen alles

Ach, es ist so schön, die Sonne kaschiert den dringend aufräumungsbedürftigen Zustand der Küche und eine Riesenportion Joghurt, der schon seit über einem Monat abgelaufen ist, aber nichtsdestotrotzweilbio wunderbar schmeckt und mit Äpfeln und Bananen versehen ist. Die Sonne ist übrigens so gleißend, dass es einfach nicht gelingen wollte ein perfektes Foto hinzukriegen (nur so als Nebenbeiinformation falls es Foodblogs geben sollte, die in Regendauergebieten ihr Dasein fristen ;-) ).

Was bunt so vielversprechend aussieht, hat nun in Frankreich von den Fenstern zu verschwinden: PACE-Fahnen werden von der Polizei eingeholt, die BürgerInnen sollen weder an den Fenstern noch im Bundestag für den Frieden werben. Der Geburtstag der NATO-Kriegsmaschinerie wird von den Mächtigen begangen. Protest verboten!

Das bekam auch die Volxküche Le Sabot zu spüren — ihr wurde erst die Ausreise aus der BRD und dann die Einreise nach Frankreich unter fadenscheinigen Begründungen untersagt. Die Küchenmesser als gefährliche Waffen sichergestellt (vermutlich sind Tomaten in Frankreich unter Schutz gestellt). Damit sollte verhindert werden, dass auf Protestcamps Essen gekocht wird. Auch die Protestcamps sind inzwischen Ziel von Angriffen von Schlägereinheiten der Polizei geworden.

Auch vielen anderen wird inzwischen die Einreise verwehrt, dabei wird mit einer inzwischen bekannt gewordenen Arbeitsanweisung mit Textbausteinen gearbeitet. Die Polizei stützt sich dabei auf offensichtlich illegal angelegte Datensammlungen. So wurde einem Betroffenen die Einreise verwehrt, der noch vor wenigen Monaten das BKA erfolgreich auf die Löschung aller seiner Daten in “Inpol-neu” verklagt hatte. Dennoch wurde gegen ihn gestern in Kehl ein Ausreiseverbot ausgesprochen. Der Polizeistaat maschiert wieder durch. Ein Anwaltsnotdienst wurde wieder eingerichtet.

Journalisten wurde die Akkreditierung verwehrt, dies nachdem das Verwaltungsgericht Wiesbaden es dem BKA untersagt hatte der NATO Daten weiterzuleiten.

Alles erinnert wieder an Heiligendamm.

Ein Radio-Interview mit der Volksküche und ein Bericht dazu.

Aktuelle Infos wie immer bei indymedia oder auf der Infosonderseite zum Nato-Gipfel 2009. Hintergrundinformation zur Nato bei der Informationsstelle Militarisierung.

Und nun:

Den NATO-Kriegstreibern ins Essen spucken — aber gewaltig!

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