Einfindung zum Blogtrott und Erkundung von Jahrestagen — zumal gestern ja staatlicher Amoklauf kaum zu Ehren kam

Sich bei der zwei- bis dreitäglichen Bereitstellung einzufinden kommt also so langsam ;-) Fisch, mehlgestaubt und heißölumrundet samt schon etwas dem Alter zugeneigter Hartzitrone war die optimale Ergänzung zum Salat. Irgendein mtgebrachter Wein, der erinnerlich nicht so gut war und ein paar Kartoffeln waren die statthafte Ergänzung.

fisch neben sich im hintergrund befindlichem windlicht dazwischen noch salat und ganz ganz hinten wein
Fisch – mehlgestäubt und heißölumrundet

Darüber ganz einen traurigen „Jahrestag“ vergessen, der sich erst bei Nachlektüre der Tageszeitungauswahl wieder erschloß. Gestern vor 10 Jahren begann die Nato ihren Angriffskrieg zur Zerschlagung der Bundesrepublik Jugoslawien. Die Bevölkerung wurde für dieses Kriegsverbrechen durch Verfälschungen, Propaganda und den hehren Wunsch sich aufgrund der Erfahrungen des Holocaust von den Tätern zu den Helfern machen zu lassen gnädig gestimmt.

Die Grünen erfüllten den Part, den schon die SPD im ersten Weltkrieg innehatte und die taz wurde auserkoren mit der nötigen Propaganda die ehemals friedensbewegte Basis zu besänftigen aufzustacheln. Da bekanntlich bei Kindern und Frauen die Seele besonders beansprucht ist, erfand die taz systematische Vergewaltigungslager der Serben. Dumm eigentlich nur, dasss der mit der Autorin zusammen recherchierende Journalist, dessen andere Berichterstattung fast niemand wahrnehmen wollte, davon nichts mitbekommen hatte. Auch nochmalige Recherchen erbrachten nur, dass sich auch weiterhin im betreffenden Orte weder zum Rassenhaß aufgestachelte Menschen noch ein Fußballstadion, in welchem angeblich die zahlreichen Verbrechen begangen worden waren, befand. Nichtsdestotrotz machte die Propagandalüge ihre Runde auch in anderen Zeitschriften.

Zu einigen der systematischen Lügen gibt es eine hochinteressante Dokumentation (auch als Manuskript) von zwei Autoren des Nachrichtenmagazins Monitor; die strafrechtliche Verfolgung der verantwortlichen Kriegsverbrecher in der Bundesregierung und Bundeswehr scheiterte daran, dass der zuständige Generalbundesanwalt, der zudem dem Justizministerium, also auch der Ministerin, die den Krieg im Kabinett mitgeplant hat, weisungsgebunden ist, keine Anklage erheben wollte.

Nicht so kleinlich zeigt sich die Bundesanwaltschaft hingegen, als sie im Rahmen von Brandanschlägen auf Armeefahrzeuge gegen Wissenschaftler ermittelte, wenn sie nach den falschen Wörtern im Internet suchen oder Zugang zu wissenschaftlichen Bibliotheken haben. Das bundesdeutsche System hatte vorgesorgt, dass Kriegsverbrechen nicht verfolgt werden konnten.

Willi Wimmer, der frühere Vizepräsident der Parlamentarischen Versammlung der OSZE und CDU-Bundestagsabgeordneter hatte als einiger der wenigen CDU-PolitikerInnen den Anstand die Wahrheit zu sagen. Auch der Richter am Bundesverwaltungsgericht Deisenroth stellte klar, dass dieser Krieg gegen die Verfassung und UN-Charta verstößt.

Aber diese Kritik wurde in den großen Medien weitgehend ignoriert, bei der Tagesschau wurden die Bilder des Krieges von der Redaktionsleitung zensiert mit der Begründung, dass diese den Zuschauern nicht zuzumuten seien. Die kleine kaum wahrgenomme Berichterstattung im internet vermochte da nicht gegenzusteuern.

krieg
John Heartfield

In der jungen Welt und dem Neuen Deutschland, den einzigen Tageszeitungen, die sich gegen den Angriffskrieg positionierten, sind die Tage einige Artikel erschienen:

Der frühere FR-Autor Eckard Spoo und der inzwischen wegen der Kriegsverbrechen aus der SPD ausgetretende ehemalige Bundestagsabgeordnete Hans Wallow nehmen im ND rückblickend Stellung, der ehemalige Botschafter der DDR in Yugoslavia, Ralph Hartmann, in der jW: Teil 1 und Teil 2.

Und noch etwas wurde gern übersehen, die Vertreibung der Roma, die von den angeblich um Menschenrechten bemühten Nato-Staaten gefördert wurde, galten sie doch als „Lieblinge“ der Serben. Der jugoslawische Bundesstaat, der gegen jeglichen Rassenhaß gerichtet war, schützte explizit die Roma; auf der Flucht vor den Kriegshandlungen in den Flüchtlingslagern waren sie deshalb besonderen Repressionen ausgesetzt.

Eine Frage bleibt aber noch — wie ernst meinen es PolitikerInnen mit ihrer Betroffenheit über Amokläufe und ihrer Kritik an gewalttätigen Computerspielen, wenn zugleich Kriege in Ländern geführt werden, deren Rohstoffe oder strategische Lage von Interesse sind, und für diese „Tätigkeit“ — sprich das Töten von Menschen — in Schulen Werbung gemacht wird? Schließlich ist das Rumballern auf Menschen „eine sinnvolle Veränderung der Perspektive“.


5 Antworten auf “Einfindung zum Blogtrott und Erkundung von Jahrestagen — zumal gestern ja staatlicher Amoklauf kaum zu Ehren kam”


  1. Gravatar Icon 1 Bolli 26. März 2009 um 7:14 Uhr

    Bananenrepublik mit fish‘n chips!!

  2. Gravatar Icon 2 Schnick Schnack Schnuck 26. März 2009 um 7:24 Uhr

    Der Umgang mit großkalibrigen Waffen ist im Gegensatz zu besagten Computerspielen übrigens bereits ab 14 Jahren erlaubt.

  3. Gravatar Icon 3 sammelhamster 26. März 2009 um 7:30 Uhr

    Soviel Sonne hats dann bei euch doch nicht, wenn das Kerzlein den Thymian bestrahlen muss ;)

  4. Gravatar Icon 4 kulinariakatastrophalia 27. März 2009 um 12:02 Uhr

    @Bolli Ja — nur merken tun es die wenigsten, das gibtes „ja nur“ in anderen Ländern…

    @Schnick Schnack Schnuck Das erfodert ja auch nicht so viel Intelligenz, schließlich müssen beim Computerspielen mehere Tasten gedrückt werden

    @sammelhamster Immer dieses InsspielbringendesThymians [-( — dabei sollte da doch ein eigener Blogbeitrag folgen wie aus einem geschmacklosen Busch Dank Zuwendung von Sonnenstrahlen :d und gemütlicher Atmosphäre eine wohlschmeckende Zutat wird! :-b

  1. 1 Diese bunten Dinger sind aber auch verdammt unstatthaft — derweil wird alles bio genossen (Apfel, Banane, Joghurt, gleißend Sonnenschein) « kulinaria katastrophalia Pingback am 02. April 2009 um 16:18 Uhr
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