Torrone versteckt sich hinter dem 17. Türchen des Kulinarischen Adventskalenders (und ganz viel Rührtätigkeit)

Willkommen zum süßen 17. Türchen! Die phantastische Idee sich der ganz vorzüglichen Genüsslichkeit Torrone für den Kulinarischen Adventskalender im Kochtopfblog zu widmen rief gleich strahlende Gesichter hervor, die dann erstmal gebändigt zu werden wünschten. Alle verstanden da etwas anderes unter der schönen Wortschöpfung. Alle kannten es aus Kindertagen. Hurra!

torrone im schokoladenmantel
Torrone im Schokoladenmantel

Das Geheimnis lüften konnte nur die regionale Unterschiedlichkeit der Geschmäcker. In Nordafrika fast überall zu haben, in Griechenland mit Sesam umhüllt, in der Türkei als Türkischer Honig präsentiert und tief im Süden Italiens Kulinarischer Adventskalender - 17
wird damit meist eine aus frischen Mandeln gefertigte Karamellversion bezeichnet, weiter im Norden dann auch schokoladenartige Nougatträume und überall so zwischendrin erweist sich eine weiße Sorte als schicklich — und genau die sollte es sein! :-)

Dann wild herumtelefoniert und Rezepte gesammelt (Weinhnachtszeit ist Torrone-Hochsaison) und am Tische zusammengetragen; aber, war klar, machen alle anders, Geheimrezepte, die unter dem Siegel der Verschwiegenheit übermittelt wurden, fanden sich passenderweise auch in diversen Kochbüchern :D und warum nicht mal eine eigene Version — mit Agavendicksaft dieser sich vielleicht gut eignenden aromatischen Agavengewächs entnommenen „Frucht“süße?

mandeln ungeknackt
Mandeln (zwar nicht frisch vom Baum, aber selbstgeknackt)

Die ersten probehalber mit geringen Mengen gefertigten Versionen erwiesen sich leider als gar nicht dem feinen Geschmacke der Agave zuträglich, außerdem zeigte sich eine zu weiche zähe Konsistenz. Versuche mit frischen Limonen und Mandarinen, um an vergangene Traditionen anzuknüpfen, erwiesen sich als unpraktikabel.

Also ein klassisches Rezept und das geht eigentlich ganz einfach ;-) Honig wird im Wasserbad vorsichtig erhitzt und unter ständigem Rühren ein bissl eingekocht und aufgeschlagen, das blubbert schön aus dem Topfe heraus und dann konnte auch gleich eine in etwas Wasser kurz aufgekochte Zuckerration mit hinzu und wiederum rühren, rühren, rühren.

torrone karamellisiert schlicht
Karamellisierte Version, hinten Minitorroneoblatenausprobierung für die handliche Verspeisung

Währenddessen Mandeln geknackt und kurz in kochendes Wasser gegeben; das ist sehr praktisch, denn die Haut lässt sich hervorragend abziehen hernach; Mandeln einfach auf ein Tuch legen zum Trocknen und sodann abtupfen und dann kann es auch schon losgehen, fixe in 5 Minuten erledigte Tätigkeit. Bei Bedarf kann die Mandelmenge auch noch geröstet werden. Eingelagerte Pistazien erwiesen sich geschmacklich nicht ganz so toll, aber auch diese eignen sich hervorragend ansonsten für Torrone — insbesondere als ansehnliche Farbtupfer.

Sehr beliebt auch Farbgebungsprozesse mit fein gemahlenen grünen Pistazien; mit Zuckerzugabe wird es etwas dunkler (zumindest in dieser Variante, es wurd einen kleinen Augenblick nicht aufgepasst ;-) ). Überhaupt kann eigentlich so ziemlich alles als (trockene) Füllung mit rein, was passabel erscheint — die Torrone nimmt nicht das Geringste krumm ;-)

Und, nicht vergessend die Rührerei zwischendurch, können auch schon vier Eiweiß steif aufgeschlagen werden, die Masse wird dann unter die Honig-Zucker-Masse druntergehoben. Puristinnen nehmen nur Honig, Gelassenere offensichtlich sogar Glucose. Wichtig ist die Wahl der Honigsorte, die gibt schließlich den Grundgeschmack vor. Dunklerer Orangenblütenhonig ward auserkoren und der feine wilde Orangenplantagen-Geschmack benötigt auch keine weiteren Hilfsmittel wie Vanille oder Zitronenschale.
Die Torronefarbe ist dann anschaulich in diesem Stadium schon vorhanden — eine angenehme auf dem weißen Grundtone basierende leicht dunkle Färbung weiß hier schon Bestes zu verkünden.

Und dann heißt es rühren, sehr lange rühren, nebenbei eignen sich diverse Tätigkeiten der Unterhaltung, um nicht einzuschlafen; die ganze Flüssigkeit muss raus und am Ende soll es ja nicht aus der Waffel fließen. stundenlang zu verruehrende Masse
Ja Waffeln — waren natürlich nicht eingekauft worden, was tun? Hatte noch ein Kisok auf, der Esspapier im Sortiment hatte? Die Lösung waren kleine runde Backoblaten, die sauber aneinandergelegt als Ersatz für die dann aufzunehmende Masse die Unterlage bieten sollten. Aber erstmal Rühren! Irgendwann kurz bevor der Arm abfällt, war es dann soweit:

Mit strahlender Zuversicht wurde versucht die Masse auf die Oblaten zu kriegen, eines war klar, ein schwieriges Unterfangen und ein nur im Einzelfall vom Gelingen getragenes Ergebnis. Backpapier musste also herhalten, ein riesiger Marmorquader wäre vielleicht auch nicht schlecht gewesen.
Die von leichten dunklen Tönen getragene Masse, die kurz vor Ende noch um die Mandeln ergänzt wurde, macht es sich anschaulich bequem. Dann Warten, ein paar Stunden, die Masse muss sich abkühlen, so frisch verzehrt ist sie noch sehr weich die Zähne umwickelnd.

torrone frisch aufgetragen
Frisch aufgetragen und anschnittlich begutachtet — auf Grund stundenlanger Fertigung erst tief in der Nacht ;-)

Vorsichtiges Betasten lässt Gewissheit aufkommen, dass diese große runde Torronescheibe auch ganz statthaft ist und sodann wird sie in handlichere und mundgerechte Teile geschnitten.
Wagemutige Versuchspersonen dürfen erste Bisse zu sich nehmen. Zwar ist das Ergebnis noch nicht vollendens zufriedenstellend, aber die an diversen italienischen Einkaufsgelegenheiten geschulte Torronetestschmeckerei bringt es zu Tage:

Süß — sehr, sehr süß! Könnte etwas härter und bröseliger sein. Aber durchbrochen von knackiger Mandel und ergänzt von sehr, sehr viel Espresso dazu schmeichelt die Torrone sich lutschend-kauend an die Geschmacksnerven heran.

[Nachtrag: Nach Aushärtung bis zum Mittag ist die Konsistenz jetzt perfekt, da die Schokolade sich vorzüglicher als die Oblaten- und Naturversionen macht, wird der Rest auch noch damit umhüllt. Es sollte halt nicht Alles bis auf den letzten Präsentierungstag aufgeschoben werden ;-) ]

Zu gewinnen gibt es übrigens auch etwas im Kulinarischen Kalender, am 24. Dezember wird es ein kleines Gewinnspiel geben, ob die Torrone so lange hält ist indes fraglich…

blogevent kulinarischer adventskalender 2008

Zutaten:

500 Gramm Honig (z.Bsp. Orangenblütenhonig)
200 Gramm Zucker (nach Bedarf und Konsistenz mehr oder weniger)
Mandeln
4 Eiweiß
Schokolade
Zeit, unheimlich viel Zeit

So gehts:

Honig im Wasserbad unter Rühren aufschäumen und zusammen mit der angerührten Zuckerwassermischung zusammen so einköcheln, dass eine festere Masse entsteht, da dann aufgeschlagenes Eiweiß rein und dann rühren, rühren rühren bis eine feste Torronemasse enstanden ist, da dann Nüsse rein, und/oder später mit Sesam oder Schokolade umkleiden. Am besten auf eine Waffel streichen. Einlagern, Kaffeetrinken, Genießen!

Und wie die geheimnisvolle Nougatzubereitung in Italien original fabriziert wird, kann dann am nächsten Sonntag im Fernsehen beobachtet werden. Und nun noch viel Spaß mit den übrigen Türchen!


18 Antworten auf “Torrone versteckt sich hinter dem 17. Türchen des Kulinarischen Adventskalenders (und ganz viel Rührtätigkeit)”


  1. Gravatar Icon 1 zorra 17. Dezember 2008 um 9:07 Uhr

    Wow, was für eine Mühe! Schon das Mandeln knacken ist eine Heidenarbeit.

    Ich liebe Torrone, bitte ein Stück nach Spanien. Man kann’s hier zwar auch kaufen, aber eures schmeckt sicher rum Welten besser.

  2. Gravatar Icon 2 sammelhamster 17. Dezember 2008 um 9:18 Uhr

    Gut, dass Ihr die ganze Rezepteoptimierungsausprobierarbeit schon erledigt habt, trotzdem wird die Eigenproduktion wohl an Zutat Nr. 5 scheitern :( .

  3. Gravatar Icon 3 kulinariakatastrophalia 17. Dezember 2008 um 9:35 Uhr

    @Zorra
    Fleissige Hände hatten die Hauptarbeit schon den ganzen Tag über erledigt, was sich angesichts der dann doch 4-5 Stunden Rühraktion dann doch locker währenddessen erledigen lässt ;-)

    @sammelhamster
    Ohwehoweh — keine Schokolade bei euch? ;-) :D

  4. Gravatar Icon 4 Bolli 17. Dezember 2008 um 9:50 Uhr

    wow,chapeau, ich habe mal im Piemont gesehen, wie man Torrone herstellt, mit Maschinen allerdings…..Ein Abo im Fitness-Studio braucht der Rührer jetzt wohl nicht mehr….

    Ich liebe Torrone!! Habt Ihr meine Adresse?…..

  5. Gravatar Icon 5 lamiacucina 17. Dezember 2008 um 10:28 Uhr

    Respekt für die Wahl und das Ausprobieren eines Rezeptes, das wohl nicht alle Tage nachgekocht werden wird, das aber umsomehr in der Erinnerung haften bleibt.

  6. Gravatar Icon 6 Eva 17. Dezember 2008 um 10:31 Uhr

    Irre – diese Arbeit und das super leckere Ergebnis! Ich liebe Torrone auch, aber auf die Idee sie selbst zu machen, wäre ich sicher nicht gekommen – ich wäre aber ein dankbarer Abnehmer, falls noch was da ist?! Klasse Türchen!

  7. Gravatar Icon 7 sammelhamster 17. Dezember 2008 um 10:31 Uhr

    Urgs, dann eben Zutat Nr. 6. (wie schnell sich das ändert, ts).

    Schokolade ist SELBSTVERSTÄNDLICH immer im Haus :d

  8. Gravatar Icon 8 chriesi 17. Dezember 2008 um 10:34 Uhr

    Genial!

  9. Gravatar Icon 9 Lien 17. Dezember 2008 um 12:26 Uhr

    Das finde ich sehr tapfer das du das selber gemacht hasst! Sieht sehr schon aus!
    Danke auch für den Fernsehentip… habe mein DVD gleich programmiert!

  10. Gravatar Icon 10 kulinariakatastrophalia 17. Dezember 2008 um 13:32 Uhr

    @Bolli
    Keine Adresse vorhanden ;-) Wahrscheinlich ist erst mal vor der Bewunderung des Muskelaufbaus eine Unpässlichkeit der Sehnen dran. Und kann denn maschinengerührte Torrone die ganze Liebe der Vorweihnachtszeit innhaben? /:)

    @lamiacucina
    Da wir schon bis zu Mittag die Vorräte um ein Drittel erfolgreich „bekämpft“ haben, kommt das noch mal auf den SpeiseDessert-Plan, wenn genügend hilfreiche Hände vorhanden sind :-)

    @Eva
    Ganz einfach selbermachen ;-) Es braucht halt nur Zeit b-(

    @sammelhamster
    Hier muss noch welche gekauft werden, die Torronestückchen mit Schokoladenumhüllung sind wesentlich leckerer als die Oblaten- und Naturversionen. Jetzt wird der Rest auch noch verhüllt :-)

    @Chriesi
    :">

    @Lien
    Die Spannung, ob die Torrone-Manufaktur in Italien auch so lange braucht, steigt an.

  11. Gravatar Icon 11 Barbara 17. Dezember 2008 um 15:40 Uhr

    Wow, ich bin platt, das ist ja eine Wucht! Ihr wart echt fleißig. ^:)^

    Mir mangelt’s wie Sammelhamster nicht an Schokolade, dafür an Zeit… #:-s

  12. Gravatar Icon 12 mipi 17. Dezember 2008 um 16:54 Uhr

    Das war ja eine ganz schöne Arbeit. Aber jetzt wissen wir immerhin wie man Torrone richtig macht und was man nicht machen sollte. Danke für diese Investigation.

  13. Gravatar Icon 13 kulinariakatastrophalia 17. Dezember 2008 um 23:30 Uhr

    @Barbara
    Hihi, die Schokolade wurde später hinzugefügt in die Zutatenliste. Die rezeptlich vorgesehene Zeit fehlt auch bei Sammelhamster ;-)
    Unsere haben wir auf den letzten Drücker freigeschaufelt — dabei sollte doch viel früher angefangen werden… :-"

    @mipi
    Es wird aber auch noch eine Variante mit Glucose ausprobiert, wenn wir rauskriegen wo diese zu haben ist

  14. Gravatar Icon 14 rike 19. Dezember 2008 um 9:15 Uhr

    Zeit hätte ich auch gerne!! Hatte mir dieses Weihnachten etwas ruhiger vorgestellt und jetzt wurde es doch recht anstrengend. Ob ich also in diesem Leben dazu kommen werde, die Torrone nachzumachen, bleibt fraglich… :((

  15. Gravatar Icon 15 kulinariakatastrophalia 19. Dezember 2008 um 21:58 Uhr

    @rike
    Die Zeit wurde leider auch erst am letzten Tag richtig freigeschaufelt, aber wenn es Zugriff einer Kindergruppe gibt, die sich zu begeistern weiß für derlei, dann können die ja alle abwechselnd rühren :D — Die Belohnung: wunderbarer Weißer Nougat, das gibt es schließlich nicht alle Tage und die Kleinen können sich großer taten rühmen ;-)

  16. Gravatar Icon 16 lavaterra 21. Dezember 2008 um 17:47 Uhr

    Torrone selbstgemacht – das ist ja spitzenmäßig!!!

  17. Gravatar Icon 17 Food is ust a 4-letter word 25. Dezember 2008 um 16:42 Uhr

    Ein toller Beitrag – Das sieht unheimlich lecker aus! :)

    Schöne Feiertage wünsche ich dir!

  1. 1 Des Torrones Zier vervollständigend zu fabrizieren ist mitunter dem immer wieder aufkommenden Ausbruch einer auf Grund anhaltender Rührunlustigkeit ein Stückerl zu wenig fest gewordenen süßen Masse geschuldet und macht sich arbeitsaufwän Pingback am 17. November 2010 um 3:51 Uhr
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