Käseauflauf war des späten Abends rasch hinzukriegen und Raclettekäse machte sich durchaus angenehm dazu — allerdings waren da wieder die dem Abwasch zugeneigten Spuren zu beseitigen (außerdem: soziale Kampfspuren der Tellerwäscher im Luxusrestaurant)

Das kommt davon, dass in anderen Essensblogs der überbackene Käse samt Kartoffelscheiben so schön anschaulich zu bewundern war. Also auf, Raclettekäse mittlerer Art und Güte gefunden, Kartoffeln, die einigermaßen festkochend sich präsentierten (Schwarzwurzeln waren aus) und Sahne und gekochten Schinken; Letzterer war geschmacklich im Resultat nicht unbedingt feststellbar, aber das tat dem Rest keinen Abbruch.
Gute Spätabendkost, so kann sich kugelrund ins Bett gekullert werden. Unangenehm allerdings mal wieder die eingebrannte Käseauflaufamrandkruste, die wegzukriegen mal wieder arbeitsintensiv sein wird (und das bei unseren zarten Händchen ;-) ).

Im Nachbarlande wird zur Zeit dieses Problem etwas weitergehender diskutiert, denn während alle Welt sich eifrig um den schönen Schein auf den Tellern der Restaurants kümmert, fachsimpelt und den zumeist gar nicht anwesenden Meisterkoch lobpreist, geraten die übrigen MitarbeiterInnen schnell ins Abseits des Interesses.

Sans papiers, MigrantInnen ohne Papiere, sind gerne gesehene „Gäste“ in den französischen Restaurantküchen und schuften für einen Hungerlohn, um den Betreibern ordentliche Profite zu bescheren, die sich sehr wohl bewusst sind, welche Situationen sie ausnutzen — moderne Sklavenarbeit.

Dass die TellerwäscherInnen sich nicht mehr diese Ausbeutung gefallen lassen und nun einen Teilsieg errungen haben, ist auch einer neuen Kampagne u.a. des kommunistisch-linkssozialistischen Gewerkschaftsverbandes CGT, der größten branchenübergreifenden Gewerkschaft Frankreichs, und des Bündnisses Droits devant zu verdanken, die die Sans papiers unterstützt und gewerkschaftlich organisiert haben, was für einigen Wirbel sorgte, als die Woche das Pariser Luxusrestaurant „Grande Armée“ bestreikt wurde.

kartoffel schinken auflauf mit raclettekaese
Verkrustungen des Käseauflaufes sind ganz schön abwaschintensiv

Von den streikenden neun Beschäftigen, die alle in der CGT organisiert sind, haben sieben inzwischen einen legalen Aufenthaltsstatus und Arbeitsverträge erkämpfen können. Zweien droht hingegen noch die Abschiebung. Hintergrund der aktuellen Arbeitskämpfe sind Dekrete der rechten Regierung die gegen MigrantInnen gerichtet sind und eine Überprüfung aller Papiere und Bestrafungsaktionen vorsehen, weshalb eine massive Entlassungswelle einsetzte. Die taz berichtet, dass in Restaurants mehr als 60 Prozent der Beschäftigten keine Papiere haben. Es kann sich leicht ausgerechnet werden wieviele betroffen sind, die nun um ihre Lebensgrundlage bangen müssen.

In der BRD arbeitet u.a. das Netzwerk kein mensch ist illegal daran, menschenwürdige Bedingungen zu schaffen. Zur de-facto-Abschaffung des Rechts auf Asyl vor 15 Jahren wird dieses Jahr die de⋆fence Kampagne durchgeführt. Ein Bericht zur Auftaktveranstaltung findet sich bei indymedia.


14 Antworten auf “Käseauflauf war des späten Abends rasch hinzukriegen und Raclettekäse machte sich durchaus angenehm dazu — allerdings waren da wieder die dem Abwasch zugeneigten Spuren zu beseitigen (außerdem: soziale Kampfspuren der Tellerwäscher im Luxusrestaurant)”


  1. Gravatar Icon 1 Dandu 21. Februar 2008 um 6:11 Uhr

    Die streikenden riskieren jetzt viel aber „Hands up“ sie haben recht und sie holen sich das recht. Bravo.
    Interessant als ich in den USA arbeitete da hatten wir in diesem riesigen Hotel ausschliesslich Schwarze aus Jamaica im Service…um die 130 an der Zahl. Türkisfarbener Frack und weisse Handschuhe. Sie waren legal und es machte Spass mit ihnen zu arbeiten. :)

  2. Gravatar Icon 2 lamiacucina 21. Februar 2008 um 6:57 Uhr

    über Nacht in Wasser einweichen schont die Hände und spart Abwaschpersonal.

  3. Gravatar Icon 3 sammelhamster 21. Februar 2008 um 7:36 Uhr

    sind das vitamintabletten im linken oberen bildeck?
    oder gar ein hinweis auf das rätsel :d ?

  4. Gravatar Icon 4 Bolli 21. Februar 2008 um 7:47 Uhr

    Nenner wir doch gleich ein paar Namen: COSTES!!! Ja ja, die beiden Brüder aus der Auveregne, denen auch Hotels gehören, es ist davon auszugehen, dass in allem Läden von denen sans papiers für Hungerslöhne arbeiten….Es ist einfach nur peinlich! Und ich hoffe, das hat Konsequenzen für Costes, ich meide deren Läden eh, schmeckt alles gleich, ganz gleich, wo man hingeht.
    Apropos, leider sind die Costes kein Einzelfall hier…..

    Käseauflauf nach Berliner Art sieht gut aus!!! Auch von sans papiers gemacht?!!

  5. Gravatar Icon 5 zorra 21. Februar 2008 um 10:57 Uhr

    Leider mag Y. kein Käse, so gibt’s bei uns Gratin meist ohne Käse. Der Abwasch ist trotzdem mühsam. ;-)

  6. Gravatar Icon 6 kulinariakatastrophalia 21. Februar 2008 um 15:22 Uhr

    @Dandu
    Der erste Schritt ist immer der schwierigste; die Medienöffentlichkeit wäre bei einer kleineren nicht so bekannten Speisewirtschaft sicherlich geringer gewesen. So aber ist dem Kampf die Aufmerksamkeit gewiss und die Betroffen merken, dass Solidarität eine starke Waffe ist.

    @lamiacucina
    Das fatale ist ja, dass die Form mit Resten nochmals in den Backofen gestellt wird, sodass sich eine für den Abwasch ergieberige Konsistenz bildet ;-) Das Einweichproblem ist da noch eine ganz andere Frage, das steht dann nämlich wochenlang rum :o

    @sammelhamster
    öh, ja, wegduck, schnöde ungesunde Magnesiumodersotabletten, rätsellösung gar woanders…

    @bolli
    Die Costesgruppe hat laut taz auch gleich auf eine schnelle Beilegung der Arbeitskämpfe gedrängt-- die werden schon wissen warum.
    Käseauflauf von Papierinhaberin gefertigt ;-)

    @zorra
    Langsam und geschickt durch vorsichtige Hinzugabe von kleinsten Käsebröseln eine Gewöhnungsphase einleiten und abhängig machen. Der Kartoffelgratin sieht allerdings auch ohne schon verwegen gut aus.

  7. Gravatar Icon 7 Bolli 21. Februar 2008 um 16:03 Uhr

    Da bin ich aber beruhigt, dass die Köchin bei Euch papiere hat!!!!!!

    Ja ja, die haben eh ein Ding laufen wegen nicht gezahlter Sozialbeiträge……..da ist Diskretion besser!

  8. Gravatar Icon 8 strandi 21. Februar 2008 um 21:26 Uhr

    Aber das mit dem im Wasser einweichen stimmt! Einfach kaltes Wasser, dann reicht schon eine Stunde! So Standardverfahren bei hartnäckigen Käseklebereien à la Raclette oder Käsefondue….

  9. Gravatar Icon 9 Monokel 21. Februar 2008 um 22:27 Uhr

    Endlich mal ein Käsegericht auf diesen Kulinarischen Blogs. Bravo!:)

  10. Gravatar Icon 10 kulinariakatastrophalia 22. Februar 2008 um 0:25 Uhr

    @bolli Unser Kochpersonal ist rundum versorgt

    @strandi Ja klar stimmt das — das Problem ist aber wirklich die Unlust das einweichende Etwas einer näheren Begutachtung zu unterziehen ;-)

    @monokel ? — es wird doch gerne mit Käse in den Foodblogs hantiert.

  11. Gravatar Icon 11 Barbara 22. Februar 2008 um 6:28 Uhr

    Diese Wochenlang-rumsteh-und-hoff-dass-Kruste-selbst-verschwindet-Phase hatte ich auch schon. Wenn man immer mal nachfeuchtet, bilden sich interessante Studienobjekte biologischer Art – je nach Jahreszeit und Ausgangsstoff sehr interessante Schimmelkolonien, auch farblich unterschiedlich (aber nicht so schön wie Blümchen). :-?

    Schön ist es, wenn Mitküchenbenutzer den Abwasch solch eingekrusteter Gegenstände unternehmen. :d
    Aus dem Kapitel Lebenserfahrung: Diese Mitküchenbenutzer sollte man dann nicht mehr gehen lassen! :d/

    Sonst: Schöner Käseauflauf! Bestimmt lecker. :)

    Ich hatte Raclette mal mit winterlichem Gemüse kombiniert, neben Kartoffeln auch Möhren, Topinambur, Rosenkohl u.ä. – da hätte Schwarzwurzel bestimmt auch gut gepasst.

  12. Gravatar Icon 12 Barbara 22. Februar 2008 um 6:29 Uhr

    übernehmen, nicht unternehmen… (ist noch früh…)

  13. Gravatar Icon 13 lavaterra 22. Februar 2008 um 8:10 Uhr

    Käseauflauf … sieht ja so was von lecker aus. Lässt sich bei mir leider gleich auf den Hüften nieder. ;-)

  14. Gravatar Icon 14 kulinariakatastrophalia 22. Februar 2008 um 14:26 Uhr

    @Barbara
    Morgen ist Markt, da kommt allerhand Gemüse zusammen. Hoffentlich auch Schwarzwurzel. Die Mischung Raclettekäse mit Blogeventgemüse klingt auf jeden Fall interessant.
    6.29 ist doch spät :d

    @lavaterra
    Gerüchte, nichts als Gerüchte ;-)

Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.