
Mangold in Zitronensaft und dazu ein paar Zwiebeln und Olivenöl
Butter war jetzt nicht die angesagteste Zutat für die Hamburger Stadtweisheit, die uns einfiel, sondern delikates Olivenöl, welches überaus passend zum Wintergemüse sich als passend erweisen sollte auch zum Fisch, der umwickelt von Schinken sich auch alsbald auf dazu eigens gefertigten Backkartoffeln mit frischem Rosmarin einzufinden anschickte. Dazu dann gar köstlich gereichten Mangold, der zuvor scharf angebraten (schmeckt besser mit ganz leichter Ankohlung
) in Olivenöl-Zwiebel-Mischung und dann geschmort und mit reichlich Zitronensaft abgelöscht, dazu gereicht wurde. Lecker! Mangold sowieso superlecker! Leute esst Mangold!
Jetzt im Winterausgang, wo die temperaturlichen Umstände sich der Kälte zuzuneigen wissen, kommt es übrigens raus: Der Kalte Krieg ist wieder da! Wie schon wieder? Nein nur vor den Wahlen in Hamburg. Unten drunter, so von Norden her gesehen, ist die Linke eingezogen in den Landtag. Damit hat niemand gerechnet und nun ärgert sich die Führung der Linkspartei, dass nicht alle Plätze mit für der Karriere nicht abgeneigten und deshalb überaus anpassungsfreudigen Personal besetzt worden sind.
Dumm gelaufen hat sich auch Panorama gedacht, jenes zunehmend auf Boulevardjournalismus setzenden mit fallenden Einschaltquoten bedachten ARD-Fernsehmagazins. Das hat nämlich herausgefunden, dass das Niedersächsische Landtags- und DKP-Mitglied Christel Wegner gaaanz, gaaanz schlimm ist, so schlimm sogar, dass die Vergesellschaftung des Großkapitals gefordert wird. Da werden ein paar Bonzen sicher eilig gedacht haben, ogottowehoschreck da muss ich gleich mal meine Gelder in Liechtensteiner Tresoren in Sicherheit bringen.
Dann wurde es sogar noch schlimmer, es wurde schon von Revolution geredet (oder so ähnlich), die steht zwar nicht unbedingt auf der Tagesordnung, aber wer weiß das schon so genau; Panorama ist jedenfalls schon jetzt seiner journalistischen Sorgfaltspflicht nachgekommen und hat insistiert. Und tatsächlich, es kommt das erwünschte und eigentlich logische Statement, dass diese wohl unabdingbar auch gesichert werden müsse. Wieso das nun dazu führt, dass unterstellt wird, dass sich die Abgeordnete nun angeblich die Stasi der DDR (Hallo? – die Republik existiert seit fast zwei Jahrzehnten nicht mehr!) zurückwünschen würde, bleibt eigentlich mehr das Geheimnis der auf Wahlkampf getrimmten Parteikonkurrenz, die mit Schaum vorm Mund von ihrem inneren Seelenfrieden Kenntnis geben will, der ganz auf antikommunistische Beißreflexe setzend, nun ihr Auskommen gefunden hat.

Seranoschinken war noch umwickeltechnisch vorhanden und der dekorative Pfefferrand vergessen
Dabei ist das nun eigentlich eine Binsenweisheit, dass in revolutionären Lagen die Reaktion kaum so einfach das Ruder aus der Hand zu geben weiß. Rosa Luxemburg, die Linkspartei hat sogar eine Stiftung nach ihr benannt, war zweifelsohne ein Opfer dieser Folge.
Zumal es eine unglaubliche Heuchelei der jetzt aufheulenden WahlkämpferInnen ist, die den Untergang des Abendlandes vor der Haustür wähnen, wenn auf den undemokratischen Gehalt der Staatssicherheit hingewiesen wird. Hallo! Als wenn Geheimdienste nicht per se antidemokratisch wären? Die bundesdeutschen Spitzeldienste sind im Verhältnis zur Stasi wesentlich tüchtiger, erfassen selbst Babys und das gesamte Umfeld, erheben in ihren entsprechenden Bögen wesentlich mehr Merkmale, als die Stasi sich je hätte einfallen lassen können und verkaufen ihr widerliches Handeln auch noch als demokratisch.
Und genau da liegt der Kern der Angelegenheit, es geht gar nicht um angebliche Äußerungen das DIE Stasi wiedereingeführt werden soll, es geht darum von den erweiterten Befugnissen der bundesdeutschen Behörden abzulenken, die sich nicht unwesentlich unterscheiden, sondern sogar viel perfider sind, diese zu legitimieren, um den Kampf gegen diese schlimmen Vergesellschafter zu führen. Die bedrohen schließlich die Profite (Nokia ist schon geflüchtet). Ganz schlimm also. Nur eines lässt hoffen: Die Abgeordnete Sarah Wagenknecht Wegner ist wenigstens ehrlich — davon könnten sich so einige PolitikerInnen mal eine Scheibe abschneiden.

60 Prozent von 25 Cent = Kartoffelbrei
Vom eigentlichen Skandal dieser Tage spricht hingegen ja kaum noch jemand: Die Berliner SPD-Linkspartei-Regierung hält tatsächlich das HartzIV-Hungereinkommen einer gesunden Ernährung für zuträglich (warum fordert da eigentlich niemand Rücktritte?). Wie das gehen soll hat der Finanzsenator Sarrazin jetzt bekanntgegeben, nicht ohne den Paritätischen Wohlfahrtsverband ausgiebig zu beschimpfen, der dies komischerweise bezweifelt. Das Menü, welches sich der Herr Senator so für den Pöbel vorstellt, hat er auch gleich serviert:
Nur eine Wurst im Werte von 38 Cent aus dem Billigsupermarkt zum Mittag und etwas Sauerkraut für pi mal Daumen 12 Cent dazu dann aber ordentlich Kartoffelbrei für ganze 25 Cent (Kinder von allem nur 60 Prozent). Vielleicht sollte das Mahl mal dem Herren und Damen, die diese Armenspeisung verantworten, vorgesetzt werden, vielleicht sollten aber auch mehr einem sozialem Gewissen verpflichtete Abgeordnete in die Parlamente ziehen. Dann wären solche Verbrechen wenigstens nicht mehr statthaft.