Archiv für Februar 2008

Labskaus nach Art des Hauses (ungeschützt) samt Spiegelei und nicht im Bilde: nahrhaft gespickter Rollmops

Traditionell eigenen sich zur Jahreszeit passend die Rote Bete-Vorräte vorzüglich, um einen Klassiker der norddeutschen-südschwedischen Seeküche auf flachen Tellern samt Rollmops, gespickt mit Gürkchen, zu servieren. Corned Beef bei unserer Variante nur zaghaft hinzugesetzt, um den Kartoffel-Zwiebel-frisch-eingelegte-Rote-Bete-Geschmack nicht allzu sehr zu beeinträchtigen (Chaosküche ist da wagemutiger). Die Mischung ist eh variabel und sehr anpassunsgfreudig an allerlei Ausprobiererei — eine Spezialität, die auch die härteste Seefrau gekonnt zu machen weiß. Dazu natürlich Spiegeleier und eingelegte Rollmöpse und dazu extra Gürkchen. Ach, lang schon nicht mehr gehabt.

Es soll sogar geschäftstüchtige Gastronomiebetreibungswillige geben die Gebrauchsmusterschutz für sich in Anspruch nehmen, wenn Labskaus auf dem Grill landet — wie hoch der Eigenschöpfungswert dieser hochinteressanten Immaterialgutsausschöpfung bei dieser völlig abwegigen Zubereitungsart wohl ist? :D

In der Schweiz zum Beispiel ist diese Speise gänzlich unbekannt, würde sie dort in aller Munde sein, wären alle an die Nordostsee ausgewandert. Dort nämlich können alle das Rezept im Schlafe aufsagen. Nur einem ist dieser Umstand nicht bewusst — wäre dieser Skandal vor der Hamburger Wahl in aller Öffentlichkeit bekannt geworden… er wäre mit Seespeise-Grillgut bedacht worden ;-)

labskaus mit spiegelei
Labskaus mit Spiegelei, randum gebräunt (links hinten Rollmops im Glas)

Des Backofens hohe Kunst der Präsentierung nicht unansehnlich zu betrachtender verschiedenfarbiger Gemüseanreicherungskost (daneben Blogkino)

gemuesige aussichten
Im Vordergrund hinsichtlich mittiger Erscheinung leicht eingetrocknetes Zucchinerl (hinten saftig)

Gemüsige Backofenkunst — selbstredend immer eine gute Sache. Bei Barbaras Spielwiese gekonnt in Szene gesetzt (mit Beilage). Auch wenn jetzt nicht unbedingt die saure Bohnenzeit ansteht, so war es doch angesagt und nach eifrigen Vorbereitungen war die langsame Köchelei von guten Resultaten begleitet, die mit zart wildfenchligen Geschmack durchzogene Zucchini, breite Bohnen, Tomaten, rote Paprika und Kartoffeln in einem Haufen Olivenöl aufzutrumpfen wusste. Sogar die Tomaten mundeten zu dieser Jahreszeit. Weiter südlich im Mittelmeerraum schmecken die bekanntlich aromatischer, hier wird aber genommen, was zu kriegen ist, bis es selber soweit ist, dass geerntet werden kann. Rezept hier.

Die Zucchini zeigte leichte Schwächen, geschmacklich gerad noch akzeptabel, es ist nicht ihre Zeit. Die Bohnen hingegen, langbreite zumal, wussten sich köstlich in Erscheinung zu bringen, was auch dem wilden Fenchel, der tiefgefroren aus sommerlichen Zeiten stammend, zu verdanken war. Einzig die Kartoffeln gingen ein wenig unter.

Zur Zeit befinden sich einige Schwarzwurzeln in unserer Küche, bisher schleichen wir da herum, gerüchteweise soll es schmierige Konsequenzen haben sich da ranzuwagen. Wir probieren das die Tage aus. Schließlich ist im Gärtnerblog bald Schwarzwurzelevent. Gelegenheit sich dem Gemüse zuzuwenden. Es soll schmecken. Abstimmlich gut gemundet hat jedenfalls das Curryeis von Lamiacucina, das den Blogevent Curry gewann. Herzlichen Glückwunsch! Und weil der Aufzählung derer drei sind, der neue Kochevent des Kochtopfblogs für eifrige Foodblogs wendet sich einer portugiesischen Spezialität zu: Porto. Ganz schlicht, ganz hervorragend — da kommen raffinierte Sachen heraus (schon allein um des Ausprobierens willen).

Und sonst noch so: Der Kampf der Essensdevotionalienphotographiepraesentierung geht in eine neue Runde. Niemand will abgemahnt werden, Niemand hat Probleme mit der Aufmerksamkeit und Niemand ist bockig. Ein Ausmaß von tragelapher Offenbarung. Pures Blogkino.

Urplötzlich auftauchender sich unangekündigt hungrig zu Tisch setzender und eigentlich ganz braver Besuch war verköstigungshalber zu versorgen und damit unsere Serienguckgelegenheit nicht sich abhold erklärt wurde wieder mal Großartiges, weil schnell und lecker zugleich, aufgetischt und so kam, was kommen musste — Feines Fischkuddelmuddel an Safran-Sahne-Sekt-Sauce und dermaßen zufrieden konnte auch noch ein kurzer Blick auf das sonstige Geschehen geworfen werden (vorspeislich in Olivenöl angebratene Paprikastreifen) und fast hochaktuell — Hausdurchsuchung bei unserem Blogbetreiber aufgrund eines Durchsuchungsbeschlusses eines popeligen bayrischen Amtsgerichtes, welches die Ehre von sich in rechtsextremen Parteien Tummelnden schützen will und so nebenbei beabsichtigte die Blogsport-Server einer polizeilichen Inaugenscheinnahme zu unterziehen

Zucchini waren zuhauf da und gerade als versucht wurde in Übereinstimmung zu bringen, was gedanklich damit anzustellen sei, kündigte sich angenehmer Besuch an, rasch die Portionen aufgestockt durch Hinzunahme von Fischsammelsurium und Co. — sodann noch dem Wunsch nach sahniger Konsistenz nachgekommen und mittels im ordentlich verstauten neuen Ordnungssystem schon nach 5 Minuten den Safran gefunden. Sekt war noch da und so kam sehr leckere Kost zum Zuge. Zubereitung ganz einfach, fast wie hier, nur halt noch mit Sahne und Safranfäden. Sehr lecker.
Die leicht sahnige Note mit Safran weiß überaus überzeugend das ihr eigene Aroma zur Geltung zu bringen und durch den knackigen Biss der Zutaten tut sich erfreulicherweise eine gelungene Kombination auf, die auf leichte Essfreude setzend, angenehm in Erscheinung zu treten wusste.
Vorspeislich gab es lecker angebratene Paprikastreifen, die eigentlich für die Anfertigung von Ingwer-Schafskäse-Bällchen vorgesehen und nun als Vospeise auserkoren waren (außerdem kamen da auch noch ein paar ins Essen rein).

fischige mit zucchini versehene safran sahne sekt sauce an linguine
Fischige mit Zucchini versehene Safran-Sahne-Sekt-Sauce an Linguine

In Bayern ist die Welt noch in Ordnung, da ist das bayerische Amtsgericht noch angesehen, wenn der Herr Richter ums Eck kommt, dann schauen alle ehrfürchtig zu Boden. Ein Richter kann aber noch mehr, er kann Hausdurchsuchungen absegnen, dazu braucht er bloß einen Beschluss zu unterschreiben und schon rückt die Polizei an. So wurde bayrische Ordnungsliebe vorletztes Jahr auf eine Ungeheuerlichkeit aufmerksam: Da hatte es doch tatsächlich jemand gewagt zu äußern, dass die 40 Millionen, die der Papstbesuch kostete, besser hätten verwendet werden können. Eine ganz normale Meinungsäußerung also.
Der Herr Richter hat sich da gleich gedacht: In Bayern nicht! Einen Durchsuchungsbeschluss ausgestellt und dann rückte ein vermummtes Sondereinsatzkommando mit Maschinenpistolen im Anschlag an und aus war es mit der Gemütlichkeit (Bericht von MDR-Magazin Fakt).

Nun wieder mal ein Amtsgericht, das fand die Ehre von sich rechts Tummelnden so beschützenswert, dass bei unserem Blogbetreiber Blogsport eine Hausdurchsuchung durchgeführt wurde, um Achtung! eine Emailadresse ausfindig zu machen! Mal auf der Zunge zergehen lassen — eine Emailadresse. Die fand sich zwar auch schon als Kontaktadresse im angeblich des schlimmen Tatbestandes der Verleumdung dringend verdächtigen Blogs auszeit-news, die über rechtsextreme Vorfälle berichten, aber was soll es. Demnächst dann wahrscheinlich auch eine Hausdurchsuchung bei Familie Meier, weil der Nachwuchs einen Schokoriegel hat mitgehen lassen?

Hintergrund ist wohl eher, dass das angerückte LKA Berlin gerne mal einen Blick auf die Blogsportserver mitsamt seinen Daten geworfen hätte, um sich mal so eben einen Überblick zu verschaffen, wer denn da so bloggt und vor allem woher er auf die Server zugreift. Auf Blogsport sind ja nicht nur die aktuellsten Kochinformationen erhältlich, sondern auch zahlreiche linke Blogs. Blogsport bekommt im Jahr zahlreiche „Anfragen“ von staatlichen Geheimdiensten und Ermittlungsbehörden (Verfassungsschutz und Landeskriminalämter aus der gesamten BRD), die mal eben so — allerdings vergeblich — versuchen an Informationen heranzukommen. Die angeblichen Gründe sind meist von ähnlichem Gehalt wie die in Bayern inkriminierte Meinungsäußerung. Realität im Überwachungsstaat und ein Vorgeschmack auf die von CDU/CSU und SPD geplanten weiteren Beschneidungsmaßnahmen demokratischer Rechte (die Vorratsdatenspeicherung ist da noch harmlos gegen).

Käseauflauf war des späten Abends rasch hinzukriegen und Raclettekäse machte sich durchaus angenehm dazu — allerdings waren da wieder die dem Abwasch zugeneigten Spuren zu beseitigen (außerdem: soziale Kampfspuren der Tellerwäscher im Luxusrestaurant)

Das kommt davon, dass in anderen Essensblogs der überbackene Käse samt Kartoffelscheiben so schön anschaulich zu bewundern war. Also auf, Raclettekäse mittlerer Art und Güte gefunden, Kartoffeln, die einigermaßen festkochend sich präsentierten (Schwarzwurzeln waren aus) und Sahne und gekochten Schinken; Letzterer war geschmacklich im Resultat nicht unbedingt feststellbar, aber das tat dem Rest keinen Abbruch.
Gute Spätabendkost, so kann sich kugelrund ins Bett gekullert werden. Unangenehm allerdings mal wieder die eingebrannte Käseauflaufamrandkruste, die wegzukriegen mal wieder arbeitsintensiv sein wird (und das bei unseren zarten Händchen ;-) ).

Im Nachbarlande wird zur Zeit dieses Problem etwas weitergehender diskutiert, denn während alle Welt sich eifrig um den schönen Schein auf den Tellern der Restaurants kümmert, fachsimpelt und den zumeist gar nicht anwesenden Meisterkoch lobpreist, geraten die übrigen MitarbeiterInnen schnell ins Abseits des Interesses.

Sans papiers, MigrantInnen ohne Papiere, sind gerne gesehene „Gäste“ in den französischen Restaurantküchen und schuften für einen Hungerlohn, um den Betreibern ordentliche Profite zu bescheren, die sich sehr wohl bewusst sind, welche Situationen sie ausnutzen — moderne Sklavenarbeit.

Dass die TellerwäscherInnen sich nicht mehr diese Ausbeutung gefallen lassen und nun einen Teilsieg errungen haben, ist auch einer neuen Kampagne u.a. des kommunistisch-linkssozialistischen Gewerkschaftsverbandes CGT, der größten branchenübergreifenden Gewerkschaft Frankreichs, und des Bündnisses Droits devant zu verdanken, die die Sans papiers unterstützt und gewerkschaftlich organisiert haben, was für einigen Wirbel sorgte, als die Woche das Pariser Luxusrestaurant „Grande Armée“ bestreikt wurde.

kartoffel schinken auflauf mit raclettekaese
Verkrustungen des Käseauflaufes sind ganz schön abwaschintensiv

Von den streikenden neun Beschäftigen, die alle in der CGT organisiert sind, haben sieben inzwischen einen legalen Aufenthaltsstatus und Arbeitsverträge erkämpfen können. Zweien droht hingegen noch die Abschiebung. Hintergrund der aktuellen Arbeitskämpfe sind Dekrete der rechten Regierung die gegen MigrantInnen gerichtet sind und eine Überprüfung aller Papiere und Bestrafungsaktionen vorsehen, weshalb eine massive Entlassungswelle einsetzte. Die taz berichtet, dass in Restaurants mehr als 60 Prozent der Beschäftigten keine Papiere haben. Es kann sich leicht ausgerechnet werden wieviele betroffen sind, die nun um ihre Lebensgrundlage bangen müssen.

In der BRD arbeitet u.a. das Netzwerk kein mensch ist illegal daran, menschenwürdige Bedingungen zu schaffen. Zur de-facto-Abschaffung des Rechts auf Asyl vor 15 Jahren wird dieses Jahr die de⋆fence Kampagne durchgeführt. Ein Bericht zur Auftaktveranstaltung findet sich bei indymedia.

Tränenreiche Salzherstellung, Pfannengesiedetes und Verortenbares

Zum Kochen stellt sich ja immer die Frage, womit den nun würzen. Schlichtes Salz, so könnte jetzt angenommen werden, erfülle seinen Zweck auch genauso wie ein spezieller Gewonnenes; der Markt ist da ja schier unersättlich und selbst im Bioladen erfreut sich das Himalayasalz einer zumindest im Preise unverschämten Beliebtheit.
Bei uns auf dem Tisch steht gerne trashiges Meersalz in schöner Plastikverpackung, das erinnert so toll an südlichere Gegenden wo (fast) immer die Sonne scheint. Das Berieseln ist mithin Seelenbalsam und weiß sich geschickt in Szene zu setzen.

Aber tatsächlich sind doch kleinere Unterschiede im Geschmack wahrnehmbar. Die rechtfertigen zwar jetzt keinen so hohen Preis, aber bereichern die Kost dann doch ungemein. Göttingen, die kleine niedersächsische Universitätsstadt, hat auch was besonderes zu bieten: Eine Pfannensaline, die seit einigen Jahren wieder recht erfolgreich ihren Betrieb aufgenommen hat, um sich als einzige dieser Art europaweit zu präsentieren. Eine Großmutter steht da noch persönlich am Herd und schöpft das weiße Gold, welches ürigens gar nicht so teuer ist.

Das Luisenhaller Salz, was auch in unserer Küche zum Kochen benutzt wird, wird dabei aus den Tiefen unter dem Stadtteil Grone gewonnen, raufgepumpt und wenn es gefällt darf darin auch gebadet werden, Holzbadewannen oder so stehen jedenfalls bereit. Grone hat nebenbei bemerkt auch noch Abgeordnete der kommunistischen Partei im Ortsrat. Einen kleinen Besuch ist die Stadt allemal wert — schon um Unmengen von japanischen TouristInnen, die um das Wahrzeichen der Stadt, ein kleines Gänseliesl, herumscharwänzeln, zu beobachten. Nazis haben Stadtverbot, da kommt regelmäßig die ganze Stadt zusammen, um braune Umtriebe zu verhindern. Sehr sympathisch!

luisenhaller natursole salz
Pfannensaliniertes Salz — nicht schlecht

Zurück zum Salz, das ist grobkörnig, hat den Vorteil mit unserer Freinachschnauzezutatenzugabeeinteilung praktikabel vereinbar zu sein, da ein bissl mehr oder weniger nicht so schlimme Auswirkungen hat. Perfekt eignen würde sich zur Aufbewahrung ein mittelgroßes Gefäss. So ein kleines hölzernes Salzfäßchen würde sich übrigens auch ungemein schick machen in unserer Küche — dann würden wir nicht mehr weinen, wenn uns die Salztüte, die wir im Übermut über das Essen gehalten haben, mal wieder ausrutscht ;-)

Mal Butter bei die Fische und historische Einsichten (ob es im niedersächsischen Landtag wohl gutes Essen gibt?)

mangold zitroniert in olivenoel
Mangold in Zitronensaft und dazu ein paar Zwiebeln und Olivenöl

Butter war jetzt nicht die angesagteste Zutat für die Hamburger Stadtweisheit, die uns einfiel, sondern delikates Olivenöl, welches überaus passend zum Wintergemüse sich als passend erweisen sollte auch zum Fisch, der umwickelt von Schinken sich auch alsbald auf dazu eigens gefertigten Backkartoffeln mit frischem Rosmarin einzufinden anschickte. Dazu dann gar köstlich gereichten Mangold, der zuvor scharf angebraten (schmeckt besser mit ganz leichter Ankohlung ;-) ) in Olivenöl-Zwiebel-Mischung und dann geschmort und mit reichlich Zitronensaft abgelöscht, dazu gereicht wurde. Lecker! Mangold sowieso superlecker! Leute esst Mangold!

Jetzt im Winterausgang, wo die temperaturlichen Umstände sich der Kälte zuzuneigen wissen, kommt es übrigens raus: Der Kalte Krieg ist wieder da! Wie schon wieder? Nein nur vor den Wahlen in Hamburg. Unten drunter, so von Norden her gesehen, ist die Linke eingezogen in den Landtag. Damit hat niemand gerechnet und nun ärgert sich die Führung der Linkspartei, dass nicht alle Plätze mit für der Karriere nicht abgeneigten und deshalb überaus anpassungsfreudigen Personal besetzt worden sind.
Dumm gelaufen hat sich auch Panorama gedacht, jenes zunehmend auf Boulevardjournalismus setzenden mit fallenden Einschaltquoten bedachten ARD-Fernsehmagazins. Das hat nämlich herausgefunden, dass das Niedersächsische Landtags- und DKP-Mitglied Christel Wegner gaaanz, gaaanz schlimm ist, so schlimm sogar, dass die Vergesellschaftung des Großkapitals gefordert wird. Da werden ein paar Bonzen sicher eilig gedacht haben, ogottowehoschreck da muss ich gleich mal meine Gelder in Liechtensteiner Tresoren in Sicherheit bringen.

Dann wurde es sogar noch schlimmer, es wurde schon von Revolution geredet (oder so ähnlich), die steht zwar nicht unbedingt auf der Tagesordnung, aber wer weiß das schon so genau; Panorama ist jedenfalls schon jetzt seiner journalistischen Sorgfaltspflicht nachgekommen und hat insistiert. Und tatsächlich, es kommt das erwünschte und eigentlich logische Statement, dass diese wohl unabdingbar auch gesichert werden müsse. Wieso das nun dazu führt, dass unterstellt wird, dass sich die Abgeordnete nun angeblich die Stasi der DDR (Hallo? – die Republik existiert seit fast zwei Jahrzehnten nicht mehr!) zurückwünschen würde, bleibt eigentlich mehr das Geheimnis der auf Wahlkampf getrimmten Parteikonkurrenz, die mit Schaum vorm Mund von ihrem inneren Seelenfrieden Kenntnis geben will, der ganz auf antikommunistische Beißreflexe setzend, nun ihr Auskommen gefunden hat.

mangold zu seranoumwickelten seelachs an rosmarinkartoffeln
Seranoschinken war noch umwickeltechnisch vorhanden und der dekorative Pfefferrand vergessen

Dabei ist das nun eigentlich eine Binsenweisheit, dass in revolutionären Lagen die Reaktion kaum so einfach das Ruder aus der Hand zu geben weiß. Rosa Luxemburg, die Linkspartei hat sogar eine Stiftung nach ihr benannt, war zweifelsohne ein Opfer dieser Folge.

Zumal es eine unglaubliche Heuchelei der jetzt aufheulenden WahlkämpferInnen ist, die den Untergang des Abendlandes vor der Haustür wähnen, wenn auf den undemokratischen Gehalt der Staatssicherheit hingewiesen wird. Hallo! Als wenn Geheimdienste nicht per se antidemokratisch wären? Die bundesdeutschen Spitzeldienste sind im Verhältnis zur Stasi wesentlich tüchtiger, erfassen selbst Babys und das gesamte Umfeld, erheben in ihren entsprechenden Bögen wesentlich mehr Merkmale, als die Stasi sich je hätte einfallen lassen können und verkaufen ihr widerliches Handeln auch noch als demokratisch.

Und genau da liegt der Kern der Angelegenheit, es geht gar nicht um angebliche Äußerungen das DIE Stasi wiedereingeführt werden soll, es geht darum von den erweiterten Befugnissen der bundesdeutschen Behörden abzulenken, die sich nicht unwesentlich unterscheiden, sondern sogar viel perfider sind, diese zu legitimieren, um den Kampf gegen diese schlimmen Vergesellschafter zu führen. Die bedrohen schließlich die Profite (Nokia ist schon geflüchtet). Ganz schlimm also. Nur eines lässt hoffen: Die Abgeordnete Sarah Wagenknecht Wegner ist wenigstens ehrlich — davon könnten sich so einige PolitikerInnen mal eine Scheibe abschneiden.

kartoffelbrei fuer 25 Cent
60 Prozent von 25 Cent = Kartoffelbrei

Vom eigentlichen Skandal dieser Tage spricht hingegen ja kaum noch jemand: Die Berliner SPD-Linkspartei-Regierung hält tatsächlich das HartzIV-Hungereinkommen einer gesunden Ernährung für zuträglich (warum fordert da eigentlich niemand Rücktritte?). Wie das gehen soll hat der Finanzsenator Sarrazin jetzt bekanntgegeben, nicht ohne den Paritätischen Wohlfahrtsverband ausgiebig zu beschimpfen, der dies komischerweise bezweifelt. Das Menü, welches sich der Herr Senator so für den Pöbel vorstellt, hat er auch gleich serviert:

Nur eine Wurst im Werte von 38 Cent aus dem Billigsupermarkt zum Mittag und etwas Sauerkraut für pi mal Daumen 12 Cent dazu dann aber ordentlich Kartoffelbrei für ganze 25 Cent (Kinder von allem nur 60 Prozent). Vielleicht sollte das Mahl mal dem Herren und Damen, die diese Armenspeisung verantworten, vorgesetzt werden, vielleicht sollten aber auch mehr einem sozialem Gewissen verpflichtete Abgeordnete in die Parlamente ziehen. Dann wären solche Verbrechen wenigstens nicht mehr statthaft.

nochnachzutragendesübrigesundratigesundleckerkönnteesauchnochwerdennurmalsonebenbeiangemerkt

nahdran tintenfisch in balsamico blattpetersilie olivenoel auf sugo an pfefferkartoffelscheiben
Blattpetersilie und Balsamico ergänzen moralische Überlassenschaften

Es war noch was da anderntags (kommt etwas nachträglich) und deshalb war es schicklich sich dem hinzuwenden, dem übervollen im Tatendrange vollgeschnippelten Kartoffelscheibenbehältnis, der kleinen TintenfischübriglassausmoralischenGründen und so wurden wiederum Pfefferkartoffelscheiben kredenzt und anwesender Besuch konnte nur murmeln das er soo leckere Kartoffeln noch nie gegessen habe, was jetzt mal so einschleimtechnisch auch nicht ganz ungeschickter Natur war, schließlich wollte er auch noch gereichten Schafskäse und schnell angefertigtes Sugo probieren, die durch Pulpo kleingeschnippelt und Stäbchengerecht in Olivenöl angebraten und mit Balsamico abgelöscht und Blattpetersilie versehen Anklänge an diese Zubereitung gab (mit den kleinen Kalamares-Tuben und diesmal weggelassenen Knoblauchstückchen schmeckt es deutlich besser in dieser Zusammensetzung). Dazu schlicht Wasser und Brot.

Bei Genussmousse ist gerade Raterunde, es wird köstlicher Speck offeriert für fröhliche Ergebnisse; angeblich sind geographische geistesblitzliche Kenntnisse von Nutzen — auch soziologisch-kulinarische Bekömmlichkeiten sind vermutlich bei dermaßen kleinen Tipps vonnöten.

Da wollen wir nicht passen. Barbaras Spielwiese wirft Literatur um sich und dies wird zum Anlass genommen aus dem Geschriebenen eine ebenso reichhaltige Raterei zu veranstalten. Diejenigen, die es zuerst schaffen, bekommen eine kulinarische Raffiniertheit von uns serviert — und damit es nicht durch Googelei allzu schnell erratbar ist wurden die Namen geändert (ganz klassisch also) und ein zeithistorisches Dokument von eben jener eingeforderten Satzstelle an hier reingesetzt. Dann mal ran: Von welcher Person ist es und wie heißt es, das Werk :D

XYZ, dem die ironische Zuspitzung des Gesprächs auf diesem Punkt nicht behagte, beschloß sofort, was er bei solchen nur leicht versteckten Herausforderungen immer tat, sein Gegenüber durch Übertreibungen ins Leere laufen zu lassen. So erwiderte er gelassen: „Natürlich. Alle 600 erhaltenen Komödien, ebenfalls die Epen, die Geschichtswerke und die Schriften zum Theater. Dannach werde ich sofort die 400 Komödien von Tirso de Molina in Angriff nehmen. Darüber hinaus habe ich aber noch weitere tausend Stücke im Auge.“

tintenfisch in balsamico blattpetersilie olivenoel auf sugo an pfefferkartoffelscheiben
Das Sugo süppte ein wenig

p.s. ehrlich gesagt ist das auch nicht von Seite 123 (so weit ist der Lesefortschritt noch nicht vorgedrungen, sondern von Seite 29, aber das ist doch auch ganz schön und so muss dem Lesedrang nicht vorgegriffen werden). Auch fraglich, ob die letzte Aussage als ein Satz oder mehrteiliges Konstrukt Verwendung finden kann. Als klärenden Ausgleich gibt es dafür aber auch noch den 4. Satz der Seite, der nicht minderer Tippgebung ist:

Er habe sie sorgfältig gelesen, ungemein interessant gefunden, in ihrer Zielsetzung grandios und erhaben, jedenfalls die tiefere Absicht der Denkschrift verstanden, und da er gebeten worden sei, eine Stellungnahme über ihren Wert und zu ihren Umsetzungsmöglichkeiten zu verfassen, bitte er seine Kollegen — er sagte jetzt tatsächlich „Kollege“, wohl um auf ihre gemeinsame Leidenschaft für spanische Kunst zu verweisen — um Entschuldigung, wenn er ihn um einige Auskünfte ersuche, die leider nun einmal notwendig seien, aber auch das Vergnügen in sich schlössen, sich mit einem Kenner klassischer spanischer Literatur unterhalten zu dürfen.

Entzückend — Roter Pulpo und Pfefferkartoffelscheiben (abgedrängt grüne Salatblattanreicherung)

Es soll tatsächlich KostverächterInnen geben, die aus den Tiefen der Weltmeere gefangene Babytintenfische nicht als das wahrzunehmen wissen was allgemein bekannt und geschätzt ist (vor Scham wurde eine Reise mit unbekanntem Ziele angetreten). Hüttenhilfe, die zur Zeit auch fotographliche Resteverwertung kredenzen, hatten neulich so apart die Zubereitung dem delikaten Kraken angedeihen lassen. Da wollten wir nicht hintenanstehen und deshalb gab es den dann auch — zumal der letzte Pulpo schon lange zurücklag.
Allerdings mit den anschaulich sehr gelungenen Ausformungen, die gar überhaupt nicht sich als störend erweisen sollten — zumal das Auge ja auch was aufgetischt haben will.

roter pulpo
Rot durch Bratvorgang müsste noch Olivenöl, Oregano und Zitrone dran für die perfekte Präsentation

Zwar war der Unbill diese auch auf Grund vorheriger Hautabpulbemühungen dermaßen zart auf der Zunge fast weicher als ein Fischfiletstück zergehende Saugnapfansammlung nicht frisch gebraten in köstlichem Olivenöl genießen zu können bei Teil-WG-Inhalt schon vorhanden, aber mit übriggelassenen Resten gnädig gestimmt war auch so die Freude auf strahlendem Gesichte erfreulicherweise deutlich wahrnehmbar.

Dazu dann in Sesamöl und Olivenöl gebratene Pfefferkartoffelscheiben, die wieder einmal die Herzen zu erfreuen wussten (Salz ist da übrigens bei diesen geschmacklich auf höchsten Essvergnügen daherkommenden Scheiben eigentlich gar nicht nötig). Dazu dann ein paar winzige Salatblättchen.
Noch nicht aufgetragen auf den Tintenfisch dann delikates dunkles fruchtiges Bioolivenöl und frisch abgeraspelter Oregano und ebenso frisch getröpfelter Zitronensaft. Unglaublich lecker wieder! Waren aber auch kleinere Exemplare, die fast rundherum rot gebraten sicher ebenso gut gelungen wären. Im Sommer dann frisch gegrillt, ein Traum sondergleichen.

Leider kein Traum ist die Repression gegen den Berliner Transgenialen CSD, der am Valentinstag wohl kaum mit Blumensträußen das weltoffene Berlin präsentieren sollte (der Gerichtstermin wurde auf Anfang April verschoben). Die Tatvorwürfe wiegen schwer – das Tragen eines BHs verletzte das moralische Anstandsgefühl gerecht und sittlich denkender deutscher Polizeibeamter, die für ihre Prügelorgien berüchtigt wohl augenscheinlich bewusst zum politischen CSD geschickt worden waren, um dem bunten Treiben Einhalt zu gebieten, der der Berliner Stadtregierung ersichtlich zu schaffen macht mit der Zerstörung des zu vermarktenden Karnevalabziehbildchens, welches sich ansonsten vor den Kameras breit macht.

Calvados verfeinert angenehm scharf auftretende Vorspeisenkredenzung doch superb — zumal die Grundlage aus pikanter halbierter Delikatesse samt frisch hinzugefügten Rosmarinnadeln zu bestehen beliebte — was sich ungemein fein machte

Nachdem es letztens die leckeren Chorizo gab war klar: die waren so lecker — die müssen einfach wieder unsere feinen Geschmacksnerven erfreuen und so wurden mehrere von der geheimen Orderstelle durch eine mit zu verköstigende Kurierin herangeschafft.

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Köstlich, delikat, rosmarinig — Chorizo in Calvadossauce

Dabei kam die kurze Zubereitungszeit durchaus zustatten, da die Zeit weit fortgeschritten und unsere übliche spätuhrige Essenzeit überschritten und gar garstig Hungergegrummel vernehmbar war, weil die Transportperson herumtrödelig sich noch die nähere Umgebung in Augenschein nehmen wollte. Aber untadeligerweise darüber hinweggesehen und freudig die Zubereitung beobachtet. Die Erinnerung ist etwas getrübt auf Grund alkoholischer Experimente, aber das muss irgendwie so vonstatten gegangen sein:

Chorizo halbieren und in ordentlich Olivenöl anbraten samt frischen Rosmarinstückchen und während es schon vorzüglich duftet chorizo halbiert kleinwird einfach ein Schwubbs Calvados hinzugegeben und brutzelbrutzel schon ist es nach nur wenigen Minuten fertig — wunderbar lecker!

Kross zu erschmeckender Rosmarinhauch, unterschwellig wahrnehmbar ein leichter Schärfeton, der — gemildert durch wunderbaren Apfelalkohol (Cidre ist durchaus auch statthaft) — zu pikanten Höhen ansetzte und zusammen mit dem Sonderangebot Ciabatta (zu Ladenschluss wird eifrig runtergesetzt) in mehrfacher Ausfertigung war die Köstlichkeit auch schnellstens durch Hineintunken in die Sauce zu unser aller Zufriedenheit verschwunden.

Angenehm gesättigt war nur noch die Frage zu erörtern, ob jetzt schnell weitergekocht wird, um aufbrucheiligen WG-Inhalt noch ansatzweise am Ergebnis teilhaben lassen zu können oder ob der genusserschmeckend zu erstrebende Kochvorgang daunter nicht leiden würde.
Mit Versicherung, dass etwas aufgehoben wird, gehen gelassen und schon wurde sich wiederholt gefragt, ob die filmtechnische Verabredung nicht unstatthaft gewesen war angesichts des nun aufzutischenden Spezialitätenmahles. Nur soviel — einigen Herrschaften schmeckt das merkwürdigerweise nicht. Dazu dann morgen mehr :D