In die Wurst hineinstechen — bis sie platzt… (kulinarische G8-Hintergründe)

Gewusst haben wir es schon immer — jetzt hat der Norddeutsche Rundfunk (NDR) aber den schlagenden Beweis gebracht, worum es beim G8-Gipfel zu gehen scheint. Ein nettes kleines Filmchen mit ernstem Hintergrund.

Seit Wochen wird durch staatliche Stellen und Medien ein Bild inszeniert, das die Kritik am G8-Gipfel als terroristisch, gewalttätig, schlichtweg verabscheuungswürdig darstellen soll. Die Methoden sind dabei so simpel wie durchschaubar: Einschüchterung, Diffamierung, und Kriminalisierung von Protest.

Willkürliche massenhafte Durchsuchungen von Wohnungen, Büros und Kampagnen durch die Bundesanwaltschaft, die dabei eifrig Geruchsproben von missliebigen KritikerInnen sammelt, sind dabei nur anschaulicher Wahn staatlicher Repression; die Beschlagnahme von Kinder-Fahrrädern mit den KritikerInnen herumradeln einfach nur lächerlich und gewollte Salamitaktik der andauernden Schikanierung.
Um das großflächige kilometerweite Verbot um einen 110 Millionen Euro teuren G8-Gipfel zu rechtfertigen, werden nun auch gezielt Demonstrationen attackiert, um die erwünschten Bilder zu produzieren.

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Ganz furchtbar schlimmer Gewalttäter: Schneemann in Rostock

Passend zum historischen Datum der Erschiessung Benno Ohnsorgs (vor genau vierzig Jahren) durch die Polizei, hatte die Polizei des SPD/CDU-Küstenstaates dabei die historische Verantwortung wahrgenommen und sich der Taktik des damaligen Berliner Polizeipräsidenten bedient: Nehmen wir die Demonstranten als Leberwurst, nicht wahr, dann müssen wir in die Mitte hineinstechen, damit sie an den Enden auseinanderplatzt.

Die Drangsalierung einer von einem breiten Spektrum getragenen Großdemonstration in Rostock am Samstag ist dabei ein sehr eingeübtes Vorgehen. Erst wird ein Sturmtrupp gepanzerter Polizisten (meist unter einem inszeniertem Vorwand) knüppelschwingend in die Demonstration geschickt, um dann mit den erwarteten Auseinandersetzungen das übliche Zerrbild zu produzieren, in welchem nicht mehr über die Kritik am G8-Gipfel berichtet wird; und passenderweise liefert die Polizei mit ihrem Vorgehen auch noch die Begleitmusik zu ihren Verboten — damit das Bundesverfassungsgericht nicht etwa auf die Idee kommen könnte die Demonstrationsfreiheit gut zu heißen.

Um die Stimmung zusätzlich anzuheizen und die Abschlusskundgebung zu behindern schwebt währenddessen ein Polizeihubschrauber in niedriger Höhe direkt über der Bühne, es wird Tränengas eingesetzt und Wasserwerfer führen den Kampf auf dem Kundgebungsplatz weiter.

SanitäterInnen werden mit Gewalt von der Polizei gehindert Verletzte zu versorgen, einer Anwältin wird gedroht ihr „die Fresse“ einzuschlagen, während eine andere Kollegin zu Boden geschubst wird. Auch in Folge wird Anwältinnen der Zugang zu Festgenommenen nicht gewährt. Schon auf den Weg zu den Gefangenenlagern werden diese gefesselt und geknebelt damit sie keinen Kontakt zu Außenstehenden aufnehmen können.

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Die Presse freut sich wieder über schlagzeilenträchtige Bilder und Berichte, die mit gewohnt dummen Halbwahrheiten, suggerieren, dass eine ganze Stadt in Schutt und Asche liegen würde. Im Bildzeitungsstil erprobt weiß Spiegel-Online zu „berichten“, dass es angeblich eine „Orgie der Gewalt, die über Stunden die Ostseestadt lahmlegte“ gab. Nun war es zwar so, dass in der Stadt nicht sehr viele Leute waren und kaum Autos herumfuhren – Grund waren aber vielmehr die weiträumigen Polizeiabsperrungen. Vom begrenzten Schauplatz des Geschehens entfernt war es absolut ruhig samt vereinzelter SpaziergängerInnen.

Ein Gegengipfel mit einem großem Programm findet übrigens auch statt; Hintergründe zur Kritik finden sich natürlich auch beim BUKO. Morgen dann der Aktionstag Flucht & Migration.

Unabhängige und aktuelle Berichte über die vielfältigen Proteste, Aktionen und Protestcamps, die Blockadeaktionen und und und… sind zur Zeit ständig auf indymedia zu lesen bzw. im G8-TV zu sehen.

Und auch für die kulinarische Grundversorgung ist selbstredend gesorgt ;-)


9 Antworten auf “In die Wurst hineinstechen — bis sie platzt… (kulinarische G8-Hintergründe)”


  1. Gravatar Icon 1 Flitzpiepe 03. Juni 2007 um 23:13 Uhr

    nettes filmchen von extra3! Und wir alle wissen, das man bei der entscheidung, was es zu essen geben soll ungestört bleiben will :-) Das dabei immer auf den Kosten rumgeritten werden muss, ist doch etwas albern – der zaun hat ja auch arbeitsplätze geschaffen! und alles was arbeitsplätze schafft, ist sozial und deshalb finde ich es ziemlich asozial gegen den zaun zu sein und weil der die g8 schützen soll, kann man doch auch nicht echt gegen die sein, wenn man sozial denkt… auch die damen und herren in grün machen ihren job – soll man denen sagen: Rumkloppen ist out und ihr seid arbeitslos?! wer sollte denn die ganzen fortbildungen bezahlen, damit unter den behelmten köpfen denkvermögen entsteht? Und was würde geschehen, wenn ein Bolizist plötzlich nachdenkt, ob es sinnvoll ist, in eine Demo reinzuprügeln, um endlich die steinwürfe zu provozieren, oder darüber, warum der böse steinwerfer nach der festnahme erklärt, er wäre thüringischer kollege und er habe doch laut und deutlich „nebel“ gerufen (kennwort der thüringer provo-zivis)… na das kann doch keiner/r wollen! Aber diese chaoten sind ja so einseitig…

  2. Gravatar Icon 2 Bolli 04. Juni 2007 um 7:25 Uhr

    Konnte Film natürlich nicht sehen und hier in F., eh schon seit Jahren keine Demokratie mehr, berichtet man nicht über Ausschreitungen oder Demonstrationen…..
    Wieso machen die nicht künftig ihre Treffen mitten auf dem Ozean?

  3. Gravatar Icon 3 kulinariakatastrophalia 04. Juni 2007 um 13:59 Uhr

    @flietzpiepe
    Polizei und Geheimdienste werden mit Garantie etliche MitarbeiterInnen abgestellt haben, um mal so eben „miteinzusickern“ und es ist ja kein Geheimnis, dass das die Eifrigsten sind – Pech dann wie im angesprochenen Fall, wenn sie dabei von ihren prügelnden Kollegen erwischt werden. Inzwischen werden auch immer mehr Berichte über die Übergriffe der Polizei während der Demonstration bei indymedia eingestellt.

    @ bolli
    Hier ist noch eine youtube-Version — vielleicht geht die besser. Die wollen die Kapitalintereressen natürlich im gediegenen Ambiente und nicht auf dem Meer abstecken

  4. Gravatar Icon 4 Bolli 04. Juni 2007 um 16:41 Uhr

    Traumschiff wäre auch gediegenes Ambiente!

  5. Gravatar Icon 5 Bolli 07. Juni 2007 um 7:14 Uhr

    Seid Ihr in Heiligendamm?

  6. Gravatar Icon 6 Bolli 10. Juni 2007 um 20:58 Uhr

    Jetzt frage ich langsam in den Gefängnissen von Rostock nach Euch…

    Hallo, jemand da????????!!!!!!!!!!!!!

  7. Gravatar Icon 7 kulinariakatastrophalia 10. Juni 2007 um 21:15 Uhr

    Nein, nein – wir sind nicht in einem der Käfige gelandet und die Kocherei geht heut wieder los ;-)

  8. Gravatar Icon 8 Bolli 11. Juni 2007 um 11:10 Uhr

    Da bin ich beruhigt!
    sarkozy, der Gnom, soll sternhagelvoll gewesen sein? Hier in F. herrscht ja Zensur, die durften das nicht bringen!

  1. 1 Knoblog » Blog Archiv » Rostock Pingback am 04. Juni 2007 um 21:56 Uhr

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