Archiv für Juni 2007

Wilder Fenchel versüßte Meerbrassen und Kartoffeln und wusste auch noch Lauchzwiebeln und Löwenzahnwegerich den gebotenen Platz einzuräumen (Zitronenspalten gab es auch noch)

wunderschoene wildkraeuter
Allerlei Wildkraut war dabei: Wilder Fenchel mit zartem leicht süßlichen Aroma, Löwenzahnwegerich, Würzminze ein paar kleine Blätter Vlita

Die fehlende Backofenoption war geschickt durch Ausweichen in andere örtliche Gegebenheiten gelungen, um auf die letzte Minute unseren Beitrag zum Blogevent Wildkräuter mit unserer Köchelei zu beehren.
Eigentlich sollten ja ganz außergewöhnliche Zutaten zur allgemeinen Verfügung stehen, Blog-Event Bierdie dann aber doch nicht so zahlreich gesammelt werden konnten aufgrund reisebedingten Abwesenheitszeiten in ferneren Ländern.

Also ganz schnell in die hiesigen Gärten und nähere Umgebung gehüpft und Löwenzahnwegerich geordert und Massen von wildem Fenchel und Vlita (jene delikate Pflanze, die für vieles durchaus zupass kommt) . Kartoffeln geschnippelt in runde mitteldick in Erscheinung tretende Scheiben und mit angedünsteten Stielen von wildem Fenchel versehen samt gedünsteten Lauchzwiebelköpfen und natürlich schon mal die feinen leckeren wilden Fenchelspitzen, die nicht so einen fencheligen Geschmack wie der normale Fenchel haben, sondern eher leicht süßlich mit einem eher an Dill erinnernden geschmack samt Anisnote.

Bio-Oliven-Öl, Salz und frisch gemahlener schwarzer Pfeffer hinzu. Doppelt gelegte Alufolie drauf und für 15 Minuten in den Backofen. Während das schon langsam anfängt wunderbar zu duften, dann den Fisch — Meerbrassen und ein Barsch — , gefüllt mit Löwenzahnwegerich, frischer Minze und etwas Fenchelspitzen, ein wenig Vlita und ein, zwei Zitronenspalten hinzu (fast vergessen: der Fisch wird natürlich rundherum mit Öl versehen); dann natürlich oben drauf mit reichlich zarten Fenchelspitzen versehen und nach ca. 20-30 Minuten bei 200 Grad rausholen. Ah und Oh rufen und sich schon mal freuen.
Einfach, lecker, gut!

Meerbrassen mit wildem Fenchel
Wilder Fenchel wusste auch noch einen Barsch zu erfreuen neben den delikaten Meerbrassen (dabei waren der Unachtsamkeit geschuldete schwarzspurige Fenchelspitzen zu beobachten ;-) )

Der Fenchel war die optimale Zutat zu den Kartoffeln und passte super zu den saftig gebliebenen Meerbrassen, die im Gegensatz zu dem ebenfalls hinzugefügtem Wolfsbarsch die optimalere Wahl waren. Auch wenn in den Barsch mehr reinpasste von der leckeren Kräuterfüllung, war dieser doch zu trocken. Leider gaben die für die Füllung verwendeten Kräuter nur wenig Geschmack an den Fisch ab, was aber auch nicht so schlimm war, weil die Fenchelspitzen so den gebührenden Platz einnehmen konnten und eine delikate Überraschung beim Verspeisen wartete ;-)

Fantastiska fläderblomster i härlig pannkakssmet med kulformig yoghurt och stänk av agavensirap

plättar
Plättar

Varefter Schnuppensuppe så vackert visade färdigheter av fina fläderblomster i deg, hittades tillfälle i predestinerad ort där hundratals av dessa växter finns, att göra liknade. En klunga ekologiska blomsterknippen plockas som snabbt rensas ifrån små djur.

fläderblom
Fläder

En pannkaksmet rörs ihop (utan öl) med mjöl, ägg och mjölk. Ett fläderblomknippe doppas i smeten varefter det hamnar i en upphettad stekpanna.

pannkaka

Efter några minuter läggs det upp på ett fat med små högar av yoghurt med ekologisk framstallning (som ser ut som vaniljglass på bilden, vilket också skulle passa utmärkt) samt några droppar från den delikata agavensirapen.
En fin läcker smak – bara att rekommendera. Fantastiskt!

fläderblom pannkakssmet
Fläderblomster vet att tjusa…

In schmackhafter Weinsauce herbeigezauberte Standardzubereitung mit Flusskrebs samt Minzblattzutat und ein, zwei, drei Erbsen (lecker)

Flusskrebs mit minzblaettern
war mal wieder Zeit dafür…

Das Standardessen allerliebstes war mal wieder dran. Flusskrebsschwänze in Weinsauce und Zwiebeln, Tomaten, Paprika und einigen Erbsen. Dazu passten dann auch noch einige frische Minzblätter und als Grundlage Linguini.

Und nach was suchen die Leute, die zu Hauf auf unseren Blog hereinschauen mal wieder so? Rhabarberendprodukte sind zur Zeit sehr in, auch die Frage, was Linguni sind, frikadellenform ist auch gefragt, ebenso Muscheldosen, G8-Hintergründe, Sparkasse Essen, darf,grammatik linkliste und konterminierter Boden sowie ein paar reiche Männer.

Wildgemüse

Was für die einen das komische Gekrüschel am Wegesrand ist für kulinarisch Interessierte die Gelegenheit zu formvollendeter exclusiver Ausprobierereiköchelei, die unumwunden zu höchster Anerkennung und Lobhudelei zu führen weiß. Und das zu recht!

Nicht nur beim Blogevent Wildkräuter sind jetzt schon die ersten Resultate eingelaufen — nein auch das von uns auserkorene zarte Wegerichpflänzlein hat schon seinen Eingang gefunden. Hmm, jetzt suchen wir mal ein anderes nicht minder lecker schmeckendes Kraut, welches niemand zur Verfügung hat und trotzdem in rauen Massen vorhanden ist.

blattwegerich und vlita
Blattwegerich (rechts im Bild) wächst und wächst und wächst…

Wegerich passt zu allerlei Gerichten und auch in Zusammenhang zu Aufläufen ist er mit seiner leicht bitteren Note ein gern gesehener Gast. Neulich hatten wir ja schon mal eine etwas weniger bitter schmeckende Wegerichsorte im Angebot, die kurz mit frischen Kräutern gedünstet den Wohlgeschmack in Form, Vollendung und Verkostung in sich trug.

bohnen mit tomatenwuerfeln
Bohnen bedürfen der Zugabe von allerlei Gewächsen damit sie in höchster Form ihren Ausdruck finden — Wegerich zum Schluss rein und höchstes Lob ernten

Spitzwegerich, die andere Wegerichsorte ist nicht minder lecker und durfte bei Chili und Ciabatta in einem Hähnchengericht dabei sein. Genial lecker weiß die erfrischenden Temperaturen für sich ausnutzen mit einem Orangen-Minze-Shake mit Zitronenmelisse (die zählt da wohl auch dazu ;-) ); eine feiste Pfirsich-Joghurttorte mit Waldmeistergelee, die dekorativ jede Kaffeetafel zu schmücken geeignet ist, wird von RezkonvSuite geliefert und mit Waldmeister malerisch versehen. Quergedacht hat sich mal an Lavendelzucker probiert — eine interessante Idee; ebenfalls zum Lavendel greifend war Kitchenstories mit einem Lemon-lavender drizzle cake
Die geschmackliche Feinfühligkeit ist bei Ravioli mit Ricotta, wildem Thymian und Zitronenzesten, die genussmousse da kreiert haben, förmlich anhand des im Munde zusammenlaufenden Wassers zu erahnen. Das erinnert daran, doch mal wieder die eigene Nudelmaschine abzustauben und sie ihrer ureigenen Tätigkeit zuzuführen. Auf wilden Spargel konnte Bolli (auch wenn nicht so richtig kräuterig) zurückgreifen und Spaghetti con asparagi servieren — bei solchen Delikatessen können hierzulande die Foodblogs natürlich nicht mithalten ;-)

spitzwegerich
Spitzwegerich — einmal im Garten und sozusagen nie wieder wegzukriegen :-)

Und während die reisebedingten unterschiedlichen Abwesenheitszeiten in der WG in den Abgabezeitraum fallen, müsste es doch noch zu schaffen sein, was ebenso Leckeres zu präsentieren. Auf jeden Fall sind wir jetzt schon auf die weiteren zahlreichen Ideen mit Wildkräutern gespannt!

Durch erhoffte angenehm sanfte Geschmacksnuancen erfreuten die Kalamares mit den lustigen kleinen Fangarmen, die mittels Bierzutat etwas zu einem ganz neuen und gloriosen höchstwahrscheinlich noch nie dagewesenen Zubereitungsprozess beizutragen wussten und so bewundernde Blicke bei den zur Verköstigung Erschienenen hervorzurufen wussten, die nun endlich einmal der Ersatzsojasaucenherstellung beiwohnen konnten

Das müsste doch zu schaffen sein, dass wir in den letzten Stunden des ablaufenden Einreichungszeitraumes des Blog-Event Bier im Kochtopfblog noch was hinkriegen, was weder schon von anderen als Beitrag eingereicht noch sich auf gut gemeinte Ratschläge anderer, die Bier als allein zu verkonsumierende Flüssigkeit ansehen, beschränkt.

Biergevergewaltigter armer Tintenfisch

Hah! War da nicht gestern eine geschmacklich in höchsten Tönen zu lobende Kleinigkeit zubereitet worden, die ihren Nachklang noch heute auf den empfindlichen Geschmacksknospen hatte — und war da nicht noch dieser unangenehme Klang in den Ohren, der da beständig rief: „Ihr habt mir gar nichts übriggelassen!“.

Grund genug sich auf die sich tieferen Temperaturen zugeneigten Gerätschaften zu besinnen und ein Paket Mini-Kalamares zum Ausgleich hervorzuholen, sie einem Auftauprozess hinzugeben und zu beschliessen, dass das jetzt mal mit Bier verköchelt wird. Blog-Event Bier Also flugs Schwarzbier geordert und als allererstes Bierteig ausgeschlossen (da schon anderweitig untergebracht von Teilnehmerinnen) und sowieso nicht so das Richtige für neue zu entdeckende Zubereitungsschöpfungen.

Und dann ging alles auch schon ganz schnell: Zur Verteidigung des Bieres wurde eiskalter schön fruchtig auftretender Vinho Verde mit Eiswürfeln serviert. Sehr angenehm bei diesen Temperaturen übrigens.
Die Kalamares wurden nach dem Entfernen der feinen Haut in einem guten Schuss Olivenöl angebraten. Dann kam Zitronenschale in Streifen geschnitten aus kontrolliert biologischen Anbau zum Zuge, die sich schlängelnd der Grundztutat anzupassen wusste und dann kam auch gleich das glorreiche Schwarzbier aus ostdeutscher Produktion zum Zuge, welches sich dem Fischton anzuzupassen wünschte und nach kurzer einköchelnder Tätigkeit wurde auch schon ein absolut ungewohntauf der Zunge auftretender Kalamar serviert. Salz und schwarzer Peffer aus der Mühle drauf und Wunderbar! ausgerufen… Halt, Stopp, gute Güte -- war das überhaupt nicht krakenartig gut. Die Sauce schmeckte …na, ja lassen wir das.
Auch die erhoffte Rettung mit hinzugefügten Agavendicksaft war nicht das nonplusultra — aber immerhin war dadurch das Geheimnis der Soyasaucenersatzherstellung gelüftet (so schmeckte die kreierte Substanz nämlich irgendwie). Rubrik katastrophalia — schließlich müssen wir am Jahresende da auch was vorzuweisen haben. Schnell die restlichen Tintenfische vom Sud abgewaschen, um zu retten, was zu retten war und sie dann mittels Olivenöl und Zitrone doch noch geniessen zu können.

Dann das gestrige Zubereitungsverfahren ausgenutzt und zufriedene Gesichter mit den restlichen nicht verköchelten Kalamares herbeigezaubert und geschworen, künftig sich frühzeitiger Gedanken für die Blogeventgestaltungsteilnahme zu machen ;-)

Zart angebratene Kalamares wussten durch dezente Töne von Knoblauch in Olivenöl und Blattpetersilie und durch Balsamico hervorragend ergänzt zu werden (zur Erfrischung hernach dann wieder mal die wunderbaren karamellisierten Limonen)

kalamaria in olivenoel balsamico
Die mit Balsamico versehenen zarten Tuben waren mal wieder ein leckeres Speisenelement

Es sollte nach der letztens bei Bolli ins Auge springenden Tintenfischkredenzung auch mal wieder Octopus bei uns auf den Tisch, der schmeckt ja in zahlreichen Varianten immer wieder und ist ein Hochgenuss.

Nur leider verwehrt sich die einschlägige Tentakelbeschaffungszunft beständig gegen unsere Kochversuche, so dass kurzerhand auf Kalamares zurückgegriffen werden konnte, die zwar geschmacklich eine andere Richtung vorzugeben wissen — aber nicht minder delikat daherkommen. Tintenbeutel waren bei diesen frischen Exemplaren schon entsorgt worden, was einiges Unbill von uns fernzuhalten geeignet war angesichts falsch herauszuziehender Inhalte. Die Haut noch entfernen und dann ab in die Pfanne mit Olivenöl und ca. 10 Minuten braten. Blattpetersilie und kleingehackter Knoblauch noch hinzu und dann mit einem guten Schuss Balsamico ablöschen.
Feine Geschmackskomponenten von zarter Ausgewogenheit zwischen Bio-Olivenöl und einem leichtsauren Balsamicoton mit süßlicher Richtung und einem Hauch Knoblauch und ein absolut zarter gelungener Kalamar — einfach köstlich!

Dazu dann noch ein griechischer Salat und Baguette. Beim nächsten Mal werden wir dann noch Blattpetersilie rüberstreuen damit ein frischer grüner Farbton zu vernehmen ist (der Balsamico ist doch arg eingezogen) für den dann aber die Limone in aufgeschnittener Form auch hübsch zu sorgen wusste.

Beizutragen wussten diese Zitrusfrüchte zu mitternächtlicher Stunde auch wieder zu unserem Dessert, dass — so vollgefressen wir waren (Gruss an abwesenden WG-Inhalt ;-) ) — absolut erfrischend schmeckte und quicklebendige Ergebnisse zeitigte. Wunderbar diese feurig karamellisierten Limonen mit Agavendicksaft! Unbedingt mal nachmachen!

limonen im nachtlicht
Wunderbare karamellisierte Limonen im Nachtlicht wussten verzaubernd zu erfrischen

Ruckzuck angefertigt: Kartoffelberge umgeben von Rote-Bete-Blätter samt Anhang mit Knoblauch und delikatem ganz furchtbar leckerem Schafskäse

Die letzte Woche war ja eher von der Anstrengung zugneigten Tätigkeiten geprägt, die nun in aller Ruhe in ein den Gefälligkeiten des Lebens zuträglicheren Maße enden sollten, weshalb unter Beachtzung der doch noch wärmeren Temperaturen nach kurzer Sichtung örtlicher Bedarfseindeckungsstellen Kartoffeln, Rote Bete, Knoblauch und allerlei sonstige später zu verkonsumierende Dinge erstanden wurden.
Perfekt einfach war die Herstellung der leckeren Blätter und weil die Betenknolle so klein war, wurde die gleich mitaufgetischt wozu sie eingeschnitten wurde zwecks besserer Durchdringung der gewürzlichen Beigaben. Kartofelbrei nebenbei gefertigt (der etwas fad und deshalb nachwürzbedürftig war, was an der blöden Kartoffelsorte lag) und mit leckerem griechischen Schafskäse versehen. Lecker!

kartoffelberg mit roter bete
Marinierte Rote Bete – rundum zufriedene Gesichter hervorrufend

Der Blogevent Bier läuft morgen aus und uns ist noch nichts dazu eingefallen, wird wohl mal wieder was auf die letzte Minute werden. Aber es ist ja noch Zeit ;-) Den letzten Blogevent zum Thema Rhabarber gewannen übrigens Babaras Spielwiese mit Entenbrust auf Rhabarbergemüse und genussmousse mit einem Klassiker der Rhabarberzubereitung — einem Kuchen: Rhabarber-Topfen-Streusel. Herzlichen Glückwunsch noch! Demnächst dann auch eine Kreation zum Thema Wildkräuter, wenn die Ferienplanung nicht tendenziell andere Vorgaben macht…

Von Drahtkäfigen mal nicht für Hühner, kaum verwunderliches Fehlen kritischer Berichterstattung und Hinweisen zu einem Kochkollektiv-Interview — auch vorhanden: furchtbar gefährliche Seifenblasen, reihum vonstattengehende Wasserversorgungsbemühungen der heimischen Bevölkerung und Diffamierungsversuchen mittels Äxten und Beilen und vermummten Provokateuren im Beamtenstatus

Das Interesse an der Beschäftigung mit Themen im Zusammenhang mit dem G8-Gipfel ist auch in den ja bekanntlich in der Regel nicht so politisch involvierten Kochblogs zu bemerken gewesen. sinem´s küchenzauber hat neben kulinarischen Köstlichkeiten dabei auch den Zauber der Blockade entdeckt und thiema wusste mit der Bereicherung kulinarischer nicht ganz der Gesundheit zuträglicher Zutaten beizutragen (selbstverständlich im rein literarischen Sinne). Mit in Rostock war natürlich auch der Knoblog, der gleich eine Audio-Reportage abzuliefern wusste! Die anderen beschäftigen sich eher mit unwichtigen Fragestellungen u.a. was die jeweiligen Staatsvertreter sich so munden lassen.

Wie vorausgesehen hatte das Bundesverfassungsgericht es sich unter Bezugnahme auf die gewalttätigen Übergriffe der Polizei in Rostock nicht nehmen lassen das von der Regierung erwünschte Demonstrationsverbot umzusetzen und war sich des Umstandes wohl bewusst, dass diese von der eigenen Rechtsprechung abweichende Tätigkeit nur obrigkeitsstaatlichen Charakter hatte, als es schambewusst zu formulieren wusste, dass „zwar Zweifel an der Tragfähigkeit der Argumentation der Behörde und des Oberverwaltungsgerichts [bestehen]“ – was das Gericht nicht abhielt trotzdem ein Verbot auszusprechen. Die Argumentation stützte sich dabei auf Lageberichte der Polizei (doch dazu unten im Text noch Genaueres).

festnahme020607 ausschnitt
2 Juli: Eine Person wird mit einem Schlag zu Boden gebracht, mehrfach wird der Kopf auf den Boden gestossen, schließlich wird ein T-Shirt über den Kopf gezogen und damit gewürgt. Währenddessen versuchen Polizisten sich so davorzustellen, dass niemand zuzuschauen kann. Dennoch gelingt es den Vorgang zu dokumentieren. Weitere Zeugen werden noch gesucht.

Das tat der guten Stimmung natürlich keinen Abbruch — wo wären wir, würden wir uns nicht die Rechte nehmen, die uns zustehen ;-). Mittels 5-Finger-Taktik vor Heiligendamm gelang es so immerhin in den Medien Präsenz zu zeigen. Die recherchierten kaum nach und übernahmen größtenteils 1 zu 1 die Desinformationskampagnen der Polizei. Beim Aktionstag Flucht und Migration wurden die einem Verbot gleichkommenden Auflagen u.a. nicht in der Innenstadt zu demonstrieren ausgesprochen und mit massiven Polizeikräften und einem Aufgebot mehrerer Wasserwerfer demonstrativ unterstrichen.
Profaner Grund unter vielen vorgebrachten: es seien zu viele TeilnehmerInnen auf der Demonstration, außerdem seien alle „Äxte und Beile“ zu entfernen (kein Scherz!), die natürlich auch bei intensiver Suche nicht aufzufinden waren.
Macht nix – Hauptsache diffamieren. Und während die angeblich so große TeilnehmerInnenzahl von 10 000 (in Wahrheit waren es nur 5000) das Demonstrationsrecht aushebelte (weil die Polizei damit nicht zurechtkäme), gab die Polizei der Presse, fernab jeglicher Realität kund, dass sich in den Demonstrationszug ganze 2000 Vermummte geschmuggelt hätten, was die Medien begierig weiterzutragen wussten. Nur der Einsatzleiter vor Ort wusste nichts davon. So wird Stimmung gemacht.
Die direkt neben der Demo aus dem Fenster schauenden AnwohnerInnen waren baff erstaunt, dass nicht wie verkündet ein gewaltätiger Mob vor ihrer Haustür stand, der sie der letzten Butterbrote berauben wollte und wussten durstige Leute reihum mit Wasser zu versorgen.

Nicht von den AnwohnerInnen versorgen lassen wollten sich zumindest die drei Richter des 1. Senates, die sich alleine aus den Lageberichten der Polizei ihre Argumentation zurechtschusterten:

„Auch an den Tagen danach hat in Rostock eine sehr angespannte Situation bestanden, die nur aufgrund massiven Eingreifens der Ordnungskräfte und unter Mithilfe eines Teils der friedlichen Demonstranten bewältigt werden konnte. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass ein Teil der gegenwärtig von der Behörde auf über 2.000 geschätzten im Raum Rostock anwesenden gewaltbereiten Personen sich an den von anderen als friedlich geplanten Versammlungen beteiligen “.

Halt! Stopp! Doch nicht etwa die angeblich gesichteten 2000 Vermummten auf der Demonstration? Doch! So einfach kann also die Demonstrationsfreiheit ausgehebelt werden, wenn das Ansehen Deutschlands durch unerwünschte Meinungskundgabe gefährdet ist (kritisiert wird das merkwürdigerweise immer nur wenn dies jenseits der deutschen Grenzen passiert).

Aber wie es so ist — wenn schon das BVerfG es sich so einfach macht, möchte die Presseagentur dpa auch nicht im Vorfeld dieser Entscheidung zurückstecken und hatte u.a. eine Falschmeldung in die Welt gesetzt, dass auf der Großdemonstration von einem Redner zu einem Krieg, der in die Demonstration getragen werden müsse aufgerufen worden wäre und entblödete sich nicht — nachdem schon der letzte kleine Blog anhand der Videoaufnahmen das Gegenteil bewies — bei ihrer Version zu bleiben und nahm die Meldung dann (nach einer erneuten zwischenzeitlich erfolgten nun bewusst falschen Meldung) erst nach ganzen drei Tagen zurück. Ganz im Gegenteil übrigens zu zahlreichen anderen Medien.

broechtchenspeisung vor festnahmeeinheit
Noch nicht mal die Brötchenspeisung war ungestört zu vollziehen — Festnahmeeinheit stört Versammlung in Rostock

Nicht zurückhalten konnte sich die Polizei mit ihrer Taktik der Anstachelung zu Gewaltaten. Es ist bekannt, dass Polizei und Geheimdienste zahlreiche ihrer Mitarbeiter ausschicken, um das zu begehen, was gemeinhin als Straftat bezeichnet und verfolgt wird. Dumm ist es immer, wenn das in der Öffentlichkeit anhand von Berichten, Zeugenaussagen und Bildern anschaulich wird. Die Polizei gibt sich in diesen Fällen wie immer ahnungslos. Erst nachdem fast sämtliche bürgerliche Medien berichten, wird eingestanden, dass es sich um Polizeibeamte gehandelt habe, was vorher selbstredend kategorisch ausgeschlossen wurde: „Mit solchen Gerüchten solle das Image der Polizei geschädigt werden“.

Was war da mal wieder passiert?
Mehrere Vermummte sammeln Steine auf, werfen sie in Richtung des Sicherheitszaunes und fordern Umstehende auf es ihnen gleichzutun. Die BlockiererInnen sind jedoch nicht so dumm bei ihren Aktionen auf diese Anstachelei hereinzufallen, zu offensichtlich ist die Provokation. Als einem die Maske heruntergerissen wird, erkennen einige einen bekannten Bremer Polizisten; die anderen Vermummten flüchten schnell hinter die Polizeikräfte, die sie nicht etwa in Gewahrsam nehmen, sondern wohl per Passwort gnädig gestimmt, willkommen heißen. Einer kann geschnappt werden und der Polizei übergeben werden, die nun zwangsläufig eingestehen muss, dass es sich um einen der ihrigen handelt.

Unter der Fotoüberschrift „Aufgebrachte Schläger versuchen, einem Zivilpolizisten die Kapuze vom Kopf zu reißen“ hetzt die Bild-Zeitung anderntags mit einem Foto, das eine Anwältin des Legal Teams/Anwaltlicher Notdienst zeigt, die den Provokateur zur Polizei begleitet.

Das ZDF weiß am Abend in der Nachrichtensendung „heute“ zur besten Sendezeit immerhin „brandaktuell“ zu berichten,dass Autonome sich mit Molotowcocktails bewaffnet hätten, um gewaltsam vorzugehen. Dumm eigentlich nur, dass außer dem ZDF niemand dieses Märchen bestätigen kann, offensichtlich wurde die Meldung zu früh durch die Polizeipressestelle bekanntgegeben. Eine peinliche Panne.

Aber warum mit der Diffamierung aufhören, wenn es so schön ist, die Medien werden es schließlich bringen. Seifenblasen der massenhaft auftretenden lustigen Clowns mutieren da mal eben zu giftigen chemischen Flüssigkeiten, die angeblich in Folge mehrere Polizisten ins Krankenhaus bringen.
Apropos – seitdem sich sich SanitäterInnen jahrelang geweigert hatten „verletzte“ Polizisten, die mit einem kleinen Kratzer am Finger ankamen als verletzt zu deklarieren, führt die Polizei eigene Sanitätseinheiten mit gesundem Sachverstand mit sich — schließlich müssen ordentlich Verletztenzahlen publiziert werden, die sich einer Kontrolle entziehen.

kaefige im gefangenlager quelle junge welt
Käfighaltung für Gefangene (Quelle: junge Welt)

Eingesetzt wurde außerdem die Bundeswehr, die polizeiliche Aufgaben übernommen hatte, ein klarer Verstoß gegen verfassungsrechtliche Grundsätze, aber das fällt bei der langen Latte an Beschneidungen demokratischer Rechte schon gar nicht mehr ins Gewicht. Ein bekannter Arzt und Kandidat zur letzten Abgeordnetenhauswahl in Berlin wird im Einsatz von der Polizei gleich mal wie andere auch in sogenannten Unterbindungsgewahrsam genommen — als Begründung fungiert die Erklärung, dass er schließlich der Polizei bekannt sei. Schutzhaft nannte sich sowas früher.
Hunderte werden willkürlich eingesperrt, aus Bussen gezerrt und teilweise unter menschenunwürdigen Bedingungen in Gitterkäfigen zusammengepfercht, das Licht brennt dort die ganze Nacht, Wasser gibt es nur auf Zuruf und alle werden permanent gefilmt, AnwältInnen werden nicht vorgelassen. Die Polizei fühlt sich im Recht – schließlich sei dies „normal“ bei Polizeieinsätzen in Deutschland…

Normal ist es offensichtlich auch, dass AnwältInnen bewusst schikaniert und gewaltsam gegen sie vorgegangen wird; ein Anwalt, der von einer von Polizisten bedrängten Person den Namen wissen will wird 75 Meter über ein Feld geprügelt, später auf dem Weg zum Gefangensammellager werden Anwälte von Einsatzkräften der berüchtigten 23. Berliner Einsatzhundertschaft auf einer Straße gestoppt. Mit den Worten “Das sind die Anwälte!” werden die Wageninsassen gewaltsam auf die Straße gezogen und durchsucht. Später wird es noch eine Demonstration von AnwältInnen geben, die sich gegen grundlegende Beschneidung demokratischer Rechte wenden, wie die tätlichen Attacken gegen sie, das Vorenthalten von anwaltlichen Beistand und Misshandlungen in der Ingewahrsamnahme. Strafanzeigen sind inzwischen erstattet worden.

Ein Beispiel nur:
Eine Anfang Zwanzigjährige wird so schwer misshandelt mit Hämatomen im Gesicht und auf dem ganzen Körper überstreut dem Haftrichter vorgeführt, der sich ausnahmsweise mal dazu durchringt nachzufragen, wie dies geschehen könne. Vereinzelt wagen es Richter sogar die unrechtmäßig Eingesperrten freizulassen. Sicherlich kaum Karrierefördernd aber angesichts der Vorgaben der Polizeiführung für die RichterInnen mutig genug.
Die Verwaltungsgerichte heben hingegen inzwischen haufenweise Platzverweise auf, die die Polizei rechtswidrig erteilt hatte.

seelachs war das wohl
Seelachs in Weinsauce mit klitzekleinen Tomaten und Zucchinischnippel gab es zwischendurch in der Woche zur Stärkung

Auch das Komitee für Grundrechte und Demokratie, eine liberale Bürgerrechtsorganisation, verliert angesichts dieser gravierenden Verletzung von Menschenrechten ihre Zurückhaltung und die einst für eine einigermaßen kritische Berichterstattung bekannte Frankfurter Rundschau wandelt derweil nach ihrer Umstellung auf das sogenannte Tabloidformat endgültig auf den Spuren des Boulevardjournalismus und titelt fernab sonstiger kritischer Berichte: „G8-Gegner: T´schuldigung“. Nun wissen wir nicht, ob die RedakteurInnen inzwischen ihre Zeit damit herumbringen müssen vor einem neu installierten Neven-DuMont-Schrein ihre dauernde Ehrerbietung zu beweisen, aber wissen müsste es die Redaktion eigentlich besser, wie Journalismus funktioniert, der diesen Namen auch verdient. Soviel zur Kontrollfähigkeit der Medien.

gemeingefährliche seifenblase
polizeilich verboten: gemeingefährliche Seifenblase

Die Kochtruppe Rampenplan schließlich fand auch noch ihren Weg in die Berichterstattung der taz, die nebenbei bemerkt teilweise nur ein-zwei Peinlichkeitstufen trotz gepflegter Berichterstattung unter der FR agierte.

Nicht unerwähnt sollte bleiben, dass der eigentliche kulinarische Skandal dieser Tage nicht die Schokoladengeschenkaktion an Staatsvertreter war, sondern dass die Polizei ernsthaft dachte, nachdem schon Wasserwerfer und Tränengas nichts genützt hatten, sie könnte die netten BlockiererInnen mit der Aushunger-Taktik überwältigen. Aber da kreative Kochkünste auch mit Improvisationskunst einhergehen, waren selbst kilometerweite Wege übers Feld um Polizeizusammenrottungen herum nicht unumgänglich ;-)

Und da das Essen in den VoKüs nicht allein von Himmel fällt wäre es unglaublich nett, wenn einige etwas zu den angelaufenen Kosten beisteuern könnten. Und da sich in solchen Fällen die Angabe einer Kontonummer gut macht ist sie auch gleich via Food4Action hier:

Spendenkonto I. Schnieder
Kontonr.: 44 00 47 78
BLZ 258 50 110 (Sparkasse Uelzen Lüchow-Dannenberg)
IBAN: DE 9825850110 0044004778
Swift-Code: NOLA DE 21 UEL

So, Zeit mal wieder die Gedanken von Forderungen rechter Claqueure abzuwenden, die die Polizei mit noch erweiterten Befugnissen und Gummigeschossen ausstatten wollen, um morgen endlich wieder mal den Kochlöffel in unserer Küche zu schwingen!

In die Wurst hineinstechen — bis sie platzt… (kulinarische G8-Hintergründe)

Gewusst haben wir es schon immer — jetzt hat der Norddeutsche Rundfunk (NDR) aber den schlagenden Beweis gebracht, worum es beim G8-Gipfel zu gehen scheint. Ein nettes kleines Filmchen mit ernstem Hintergrund.

Seit Wochen wird durch staatliche Stellen und Medien ein Bild inszeniert, das die Kritik am G8-Gipfel als terroristisch, gewalttätig, schlichtweg verabscheuungswürdig darstellen soll. Die Methoden sind dabei so simpel wie durchschaubar: Einschüchterung, Diffamierung, und Kriminalisierung von Protest.

Willkürliche massenhafte Durchsuchungen von Wohnungen, Büros und Kampagnen durch die Bundesanwaltschaft, die dabei eifrig Geruchsproben von missliebigen KritikerInnen sammelt, sind dabei nur anschaulicher Wahn staatlicher Repression; die Beschlagnahme von Kinder-Fahrrädern mit den KritikerInnen herumradeln einfach nur lächerlich und gewollte Salamitaktik der andauernden Schikanierung.
Um das großflächige kilometerweite Verbot um einen 110 Millionen Euro teuren G8-Gipfel zu rechtfertigen, werden nun auch gezielt Demonstrationen attackiert, um die erwünschten Bilder zu produzieren.

schneemann
Ganz furchtbar schlimmer Gewalttäter: Schneemann in Rostock

Passend zum historischen Datum der Erschiessung Benno Ohnsorgs (vor genau vierzig Jahren) durch die Polizei, hatte die Polizei des SPD/CDU-Küstenstaates dabei die historische Verantwortung wahrgenommen und sich der Taktik des damaligen Berliner Polizeipräsidenten bedient: Nehmen wir die Demonstranten als Leberwurst, nicht wahr, dann müssen wir in die Mitte hineinstechen, damit sie an den Enden auseinanderplatzt.

Die Drangsalierung einer von einem breiten Spektrum getragenen Großdemonstration in Rostock am Samstag ist dabei ein sehr eingeübtes Vorgehen. Erst wird ein Sturmtrupp gepanzerter Polizisten (meist unter einem inszeniertem Vorwand) knüppelschwingend in die Demonstration geschickt, um dann mit den erwarteten Auseinandersetzungen das übliche Zerrbild zu produzieren, in welchem nicht mehr über die Kritik am G8-Gipfel berichtet wird; und passenderweise liefert die Polizei mit ihrem Vorgehen auch noch die Begleitmusik zu ihren Verboten — damit das Bundesverfassungsgericht nicht etwa auf die Idee kommen könnte die Demonstrationsfreiheit gut zu heißen.

Um die Stimmung zusätzlich anzuheizen und die Abschlusskundgebung zu behindern schwebt währenddessen ein Polizeihubschrauber in niedriger Höhe direkt über der Bühne, es wird Tränengas eingesetzt und Wasserwerfer führen den Kampf auf dem Kundgebungsplatz weiter.

SanitäterInnen werden mit Gewalt von der Polizei gehindert Verletzte zu versorgen, einer Anwältin wird gedroht ihr „die Fresse“ einzuschlagen, während eine andere Kollegin zu Boden geschubst wird. Auch in Folge wird Anwältinnen der Zugang zu Festgenommenen nicht gewährt. Schon auf den Weg zu den Gefangenenlagern werden diese gefesselt und geknebelt damit sie keinen Kontakt zu Außenstehenden aufnehmen können.

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Die Presse freut sich wieder über schlagzeilenträchtige Bilder und Berichte, die mit gewohnt dummen Halbwahrheiten, suggerieren, dass eine ganze Stadt in Schutt und Asche liegen würde. Im Bildzeitungsstil erprobt weiß Spiegel-Online zu „berichten“, dass es angeblich eine „Orgie der Gewalt, die über Stunden die Ostseestadt lahmlegte“ gab. Nun war es zwar so, dass in der Stadt nicht sehr viele Leute waren und kaum Autos herumfuhren – Grund waren aber vielmehr die weiträumigen Polizeiabsperrungen. Vom begrenzten Schauplatz des Geschehens entfernt war es absolut ruhig samt vereinzelter SpaziergängerInnen.

Ein Gegengipfel mit einem großem Programm findet übrigens auch statt; Hintergründe zur Kritik finden sich natürlich auch beim BUKO. Morgen dann der Aktionstag Flucht & Migration.

Unabhängige und aktuelle Berichte über die vielfältigen Proteste, Aktionen und Protestcamps, die Blockadeaktionen und und und… sind zur Zeit ständig auf indymedia zu lesen bzw. im G8-TV zu sehen.

Und auch für die kulinarische Grundversorgung ist selbstredend gesorgt ;-)