Berliner Gerüchte, Obst- und Gemüsebetitelungen und Blog-Betrüger

So, die Kamera ist aus dem Urlaub mit schönen Mitbringseln, die einzustellen wir uns demnächst belieben, hier reingeschneit und die Woche gibt es dann wieder kulinarische Herausforderungen in bebilderter Ausführung. Weniger schön waren die zahlreichen Zusammenkünfte mit den heimischen Polizeibeamten an diesem Wochenende. Von der Frühlingssonne angezogen, von charmanten Klängen in euphorischer Stimmung in den Park Getriebene wurden schon nach den ersten zaghaften Tanzbewegungen jeglicher Spaß genommen, weil ordnungsliebende Mitbürger die blöden Bullen alarmiert hatten, die dann auch gar nicht anders konnten, als in ganz unfrühlinghaften schwarzbepanzerten Monturen dem ganzen Spaß ein Ende zu bereiten. Morgen versuchen wir es wieder! :p

mmb
Das Blumenblatt zum Frühstück hatte im dekorativen Sinne das Nachsehen, als es unterging in einem Objekt, welches der Volksmund in Berlin als Nussschale zu bezeichnen pflegt

Berlin ist ja immer eine Herausforderung für mehr oder minder schreibgewandte NullAchtFünfzehn-JournalistInnen, die mal ganz groß rauskommen wollen: Immer will die sensationslüsterne LeserInnenschaft schließlich neuste Informationen aufgetischt und sättigungshalber verkonsumiert wissen. Da sitzen sie nun in ihren Redaktionsstuben und grübeln und grübeln, was das Volk von ihnen zur Erbauung wollen konnte und so kommen sie dann locker-flockig in die Welt — die Berliner Gerüchte.

Eine ganz besondere Eigenschaft wird zur Informationserheischung der heimischen Bevölkerung in die Betitelung diverser Bauten, Grundstücke und Örtlichkeiten gesteckt. Merkwürdigerweise haben die meisten immer irgendetwas mit Obst und Gemüse gemein. Dennoch, dass die Realität zwar nichts mit den augenscheinlich mühsam erdachten Begrifflichkeiten zu tun hat: was solls — am Ende berichten alle drüber, und alle schreiben es voneinander ab bis es vermutlich alle auch glauben.

Besonderes Interesse allenthalben wird natürlich dem herausragendsten Bauwerk der Stadt zuteil, der vom sogenannten Volksmund angeblich Tele-Spargel geziehen wird (RBB). Das einzige Problem wäre eigentlich die Tatsache, dass nun wirklich keine Sau Telespargel zu dem Teil sagt! Macht nix sagen die JournalistInnen — solange wir das immer wieder behaupten, stimmts schon.

Gleich in unmittelbarer Nachbarschaft befindet sich ein nun in Bebauuung entlang eines etwas gebogenen S-Bahn-Viadukts gelegenes Grundstück; das bereits im Volksmund Banane genannte Gelände (Information eines Praktikanten der FH Mittweida im sorgfältig informierten Presse- und Informationsamt des Landes Berlin). Auch wenn es der journalistische Nachwuchs kaum glauben mag – keine, die einigermaßen bei Verstand ist, würde auch nur entfernt auf den Gedanken für eine solche plumpe Einfaltslosigkeit kommen! Ab, zurück nach Mittweida (die taz darf da auch ruhig hin)!

schokolade
Manchmal stimmts: die beste Chokolade kommt aus…

Eine dieser komischen Mythen, die um die Berlin ranken ist die, dass es dort angeblich die beste Currywurst geben soll. Keine, die wirklich mal in Berlin eine dieser ekligen Buden betreten hat und sich vergewissern konnte, dass die — in vor alten Fett nur so triefenden Bratpfannen — schwimmenden „Brat“würste wirklich die Grundlage für Berlins bekannteste Spezialität sei, wird nachher noch ruhigen Gewissens solche Äußerungen von sich geben können. In jedem Provinzgrill ist Geschmack und Qualität um Längen besser. Und mit Ausnahme vielleicht der Redakteure der jungen Welt und noch wikipedia glaubt auch wirklich niemand daran, dass es die beste Currywurst bei Konnopke im Prenzlauer Berg gibt. Trotzdem findet sich das natürlich auch in jedem Touribüchlein.

Pünktlich zum 1. Mai (angeblich auch eine Berliner Spezialität) erscheinen querbeet durch sämtliche Berliner Medien auch mal wieder die üblichen gut recherchierten jounalistischen Erkenntnisse bezüglich in Horden herumziehender Chaoten und so, deren einziges Ziel es mal wieder ist Berlin in Grund und Boden zu stampfen. Das einzige was sich nicht findet sind die Inhalte, um die es am 1. Mai geht — könnte ja irgendwie störend sein darüber zu berichten. Und weil das zwanzigjährige „Jubiläum“ der gewaltsamen Auflösung eines friedlichen linken Straßenfestes im Bezirk Kreuzberg durch die ziellos auf alle einprügelnden Polizeihorden eines reaktionären Senates ansteht, müssen ja diesmal nun wirklich Unruhen hereinbrechen. Und so schreiben sich seit Wochen die gleichen RedakteurInnen die Finger wund, die sich sonst die lustigen Namen für Berliner Örtlichkeiten ausdenken.

Gleich bei Konnopke um die Ecke befindet sich der Berliner Mauerpark, da treffen sich immer Leute, machen Musik und ab und an ein kleines Lagerfeuer und schon droht der Untergang der Demokratie. Was früher egal war und noch nicht mal die nahegelegene Polizeiwache in Angst und Schrecken zu versetzen mochte, ist seit einigen Jahren auf Anweisung von Bürokraten in der Verwaltung immer wieder Anlass für die Polizei harmlose Vergnügungen mit Gewalt auseinanderzujagen. Einfach mal tolerieren statt Ärger zu provozieren ist halt nicht die Stärke, die Berlin praktizieren will.

Und da denken sich findige Leute in der Redaktion der Berliner Zeitung halt mal was Schönes aus, garnieren das noch mit einem alten Foto und zitieren einen angeblichen internen Polzeibericht, in welchem die Rede ist von „erlebnisorientierten Jugendlichen“, die „zum Teil der Antifa-Szene zuzurechnen sind“ und in Vorbereitung des 1. Mai ihr schändliches Tun in die Tat umzusetzen beliebten. Wirklich komisch an der Sache ist eigentlich nur, dass die Berliner Polizei in Sachen Antifakompetenz nun wirklich die allerletzten sind, die auch nur annähernd Erkenntnisse zutage treten lassen könnten.

verschwommene substanz
verschwommene substanz

Und weil es gerade so schön mit der heilen Welt der Begrifflichkeiten ist, erinnern wir uns noch an den „Blog“ Küchenruf; den hatten wir neulich aus unserer Blogroll rauskomplimentiert, weil der alte Kochgeschichten als neue ausgab. Herr Küchenruf kam auch gleich vorbei, gab sich bestürzt ob des falschen Eindruckes und versprach die Leser zu fragen, ob er nicht etwas anders machen sollte. Natürlich hat das der selbsternannte Medienexperte, der in anderen Medien die LeserInnenschaft aufklärt, was es mit dem web 2.0 so auf sich hat, was ein Blog ist etc. bis heute nicht getan — schließlich hat er anderes im Sinne — steckt er doch in seine Blogs turi2 und Küchenruf täglich über 4 Stunden Zeit rein, wie er treuherzig bekundet. Die wird wohl eher darauf verschwendet sein, sich munter auf andere Blogger einzuschiessen, vermutlich, weil die wirklich was aktuelles in ihren Blog schreiben. Wie der reißerische Titel schon vermuten lässt hat Turi, der auch gerne medienerfahren halbnackte Frauen in seinem Blog präsentiert, damit schon einen neuen Begriff, den er seinen LeserInnen erklären kann: Was ist ein Blogbetrüger…


6 Antworten auf “Berliner Gerüchte, Obst- und Gemüsebetitelungen und Blog-Betrüger”


  1. Gravatar Icon 1 Peter Turi 16. April 2007 um 10:11 Uhr

    Öiiih! Gut gegeben. Und doch knapp daneben.

    Neben der Wahrheit, meine ich. Ich habe nämlich inzwischen meine Leser befragt, und zwar alle beide. Ergebnis: sie wollen täglich einen Rezeptvorschlag lesen – auch wenn’s nicht jeden Tag ein neuer ist.

    Andere Frage: Weißt Du eigentlich, wie das Ding heißt, das einem auf den Tisch flattert, wenn frau justiziable Beleidigungen in die Welt setzt – und dabei an den Falschen gerät:

    http://lexikon2.blog.de/2007/01/16/lexikon2_abmahnung~1561756

    Aber keine Sorge: bei mir bist Du nicht beim Falschen gelandet. Ich sag’s mit Franz-Josef Strauß: „Ich bin kein Prozesshansel, ich war kein Prozesshansel, ich werde nie ein Prozesshansel sein. Und wer etwas anderes behauptet, den verklag ich!“

    Cook on!

  2. Gravatar Icon 2 kulinariakatastrophalia 16. April 2007 um 14:45 Uhr

    Natürlich wurden die Leser befragt — dabei haben wir dann wohl Tomaten auf den Augen gehabt, als wir dieses Unterfangen nicht feststellen konnten im Blog — was wohl daran liegen könnte, dass sich die Umfrage auf den Sitznachbarn beschränkt hat (halt auch ein Leser). Justizable Beleidigung trägt ja eine Voraussetzung schon in sich: die Norm, die anzuwenden, das Gericht sich tunlichst anschicken muss, um sich in hohen Ehren zu halten. Da dürfte schon das erste Problem aufgetaucht sein, da bisher weder eine Legaldefinition von bspw. Blogbetrüger existiert noch Mimöschen ausreichend Schutz erfahren haben, wenn sie den Zusammenhang außer acht lassend agieren.
    Aber wie es mit F.J. Strauß so war, der hat auch Prozesse gegen Bernt Engelmann gewonnen, weil der Beweise in einem seiner Bücher lieferte, dass dieser SS-Ausbilder war – nur schreiben dürfte er es später nicht mehr, weil in Wahrheit war er ja ein ganz heftiger Antifaschist und nur durch die Verhältnisse gezwungen. Das nennt sich dann Zensur. Schon mal gehört?

  3. Gravatar Icon 3 strandi 17. April 2007 um 9:51 Uhr

    Frau Katastrophalia, ich bin ja ganz entzückt (ob diesem Kommentar)! Sie wissen ja nicht nur wortgewaltig Rezepte in Szene zu setzten, sondern können auch in juristischen Fragen mit Ausdrücken äusserst professionel jonglieren! Falls Sie Jura studieren, möchte ich Sie im Falle eines Falles als Rechtsberaterin (und was kochen dürfen Sie auch gleich noch für mich ;)

  4. Gravatar Icon 4 kulinariakatastrophalia 18. April 2007 um 0:19 Uhr

    Mit Studieren sind wir fertig und schreiben jetzt bei der Staatsanwaltschaft Anklagen wegen Blogmissbrauch ;-)

  1. 1 Touristisch ansprechend kredenzte Berliner Spezialität erfreut, auch in Anbetracht schon weitaus fragwürdigerer Objekte, die ungehemmten Zuspruch erfahrend sich doch aus recht simpler Konsistenz zusammensetzen, sich weiterhin des Interesses, sodass Pingback am 09. März 2008 um 18:20 Uhr
  2. 2 Überaus formidabel — längliche Radicchio-Offerten suggerierend wurde mittels Wildaprikose und wieder einmal vorzüglichen Agavendicksaft schnellstens vorspeislich zu Kredenzendes geschmurgelt und weil das durchaus sich dem Genusse nicht vers Pingback am 20. März 2008 um 13:20 Uhr
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