Stifado, die Verleugnung und die späte Köstlichkeitsverzehrzeremonie genau 3 Minuten nach mitternächtlicher Stunde

Nicht nur das leckere Essen ließ zusammenkommende kulinarisch Begeisterte (mit entdeckter Präferenz zu heimlichen Hauptstädten in Nicht-Weinbau-Gegenden) wieder den Vorwand für den Konsum alkoholischer Getränke ausnutzend suchen – nein, auch die harte Probe der Wartezeit während Auftischung von kleinen nicht weiter erwähnenswerten Vorspeisen (frittierte Peperoni, Schafskäse, Baguette) muss ja einmal im Jahr ausgekostet werden, um den anschließenden Genuss als das zu zelebrieren, was er einmal, als in aller Munde geführt, an Bekanntheit für sich verbuchen konnte.
Zwar sollte vorgekochte Spezialität bereits am Nachmittage zubereitet werden – schlaflose und arbeitsame Nächte und Frondienste verhinderten diesen Plan jedoch auf Eifrigste.
Gelegenheit, die Fertigkeiten von zu spät antanzenden ExpertInnen im Kartoffelwettschälen zu testen. Extrembedingungen wie „nur ein Kartoffelschäler?„,“was — kein Bier im Haus?“ und verständnisloses „das Essen ist noch nicht fertig?“ waren zu bewältigen. Dafür konnten neugierige Blicke den Zubereitungsakt von der Wiege bis fast zum Ende nachverfolgen – und das ist ja auch mal was.

Kartoffelnschälen
Kartoffelwettschälen zur Überbrückung der Wartezeit

Für den Kochakt war diesmal das bekannte griechische Eintopfgericht Stifado zu bewältigten, was mittels einer halben Bio-Kuh, einer Riesenflasche Wein, die auch noch durch Alternativware ersetzt werden musste (Mavrodaphne war nicht zu erwerben) auch bald lecker vor sich hinbrutzelte. Leider passten nur drei Kilo Zwiebeln in den Topf, so dass für JedeN nur 6 Zwiebeln zur Verfügung standen, die zumal auch noch nicht den eigentlich erhofften teilweisen roten Ton aufwiesen, da rote Zwiebeln wohl zur Zeit aus einem unerfindlichen Grunde Mangelware zu sein scheinen (zumindest in der erwünschten Größe). Auch die vorher zu kochende und beizufügende Fleischbrühe fiel aus gegebenen Anlass weg, was aber niemanden weiter aufzufallen schien.

Stifado
Rindfleisch (Bio) und Zwiebeln an Hauch von Zimt, Wacholderbeeren und Lorbeer nach mehrstündiger Zubereitung in Weinsoße.

Geschickt wurde die lange Kochzeit und der fortgeschrittene Abend dafür genutzt, den schon vom ungewohnten Weine umgarnten Teil-Publikum, das von Hunger geschwächt und vom Essensduft demoralisiert war, eine Abschwörung von ideologischem Ballast vornehmen zu lassen. Und schlussendlich war das Stifado dann auch fast fertig gen Mitternacht und bevor alle sich anschickten hungrig zu gehen wurde beschlossen aufzutischen. Unflätige Kommentare, dass die Zwiebeln noch nicht richtig durch waren, waren zwar wissenschaftlich richtig analysiert-- wurden aber einfach wegdiskutiert.

Erfrischendes Dessert gabs auch noch.


3 Antworten auf “Stifado, die Verleugnung und die späte Köstlichkeitsverzehrzeremonie genau 3 Minuten nach mitternächtlicher Stunde”


  1. Gravatar Icon 1 fitzcarraldo 26. Oktober 2006 um 14:31 Uhr

    wie macht man das denn mit den zwiebeln? einfach im topf mit dem aas mitschmoren? und wiel lange?

  2. Gravatar Icon 2 kulinariakatastrophalia 26. Oktober 2006 um 17:58 Uhr

    Fleisch mit kleingehackten Zwiebeln anbraten und so lange vor sich hinschmoren lassen bis eine schon als etwas durch zu bezeichenende Konsistenz sicht- und fühlbar wird. Fleischbrühe hinzu. Wein später und weiter köcheln lassen. Irgendwann Tomatenmark oder pürierte Tomaten wenns sämig werden soll hinzu und dann die zuvor angebratenen ganzen Zwiebeln (vorsichtig vorgehen beim Schälen damit sie nicht auseinander fallen!) mit rein; ev. mit Wein aufgießen und mindestens 1 Stunde mitkochen lassen. Für verschiedene Härtegrade können die Zwiebeln aber auch nach Lust und Laune zwischendurch hinzugegeben werden.

  1. 1 Der Tag der Zwiebel beliebt zu rufen - deshalb dreierlei Zwiebelsorten auf Yufka-Pilz-Paprika-Schmand (Rezept) | kulinaria katastrophalia Pingback am 28. November 2006 um 0:33 Uhr
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