Bio-Limonaden-Potpourrie und Blubber-Bauchige-Bewertungen (Contest)

bio-limo

Der gestrige Test ging bis ins Heute hinein und förderte wieder einmal interessante Untersuchungsergebniss zu Tage, die auch den hier zu konsumierenden Zwecken Vorbeiflanierenden nicht vorenthalten werden sollen zwecks Abnahme schwerer Kaufentscheidungen bzw. Nichtkäuflicher Tätigkeitsfaulenzerei. Bekannt wie ein bunter Hund sind inzwischen die in vielfältigster Art auf dem Markt befindlichen Bionade-Limonaden (Bio), die mittlerweile den Kultstatus hinter sich lassend zu einem ordentlichen Nicht-Markt-Nischen-Produkt heraufkonsumiert worden sind (nicht zuletzt durch eine in der Mediengesellschaft nicht untückische Berichtmassenerstattung), die auch wohl nicht mehr in ihr Gegenteil verkehrt werden wird in den nächsten Jahren.
Da auf den fahrenden Zug gerne aufgeprungen wird, hat es die Biolimo von Voelkel auch in peppiger Form gewusst sich im Bioladen-Regal zu platzieren in einem bunten Kleidchen in der gleichen sogenannten Longneck-Flasche, die selbstredend furchtbar szenisch ist wie auch diverse Braueren verkünden, die das junge Publikum auch noch mit Detailinfowisssen mittels aufregender Presserklärungen, die sich zuhauf auf den öd-flott-biederen Werbewebsite finden, zu versorgen wissen. Aber schmeckt die denn gleich bei etwas teurerem Preis?!?
Dies in Erfahrung zu bringen gelang uns also in zwei Etappen, die hier mal ausnahmsweise ganz kurz in komprimierter Form dargestellt werden:

Zur näheren Auswahl haben wir auf drei mal drei Flaschen zurückgegriffen, die der Namenswahl wegen interessant erschienen. Zuerst haben wir uns den Durst durch eine frohe Probierstunde querbeet gestillt und dann minutiös Buch geführt und den Rechtsweg ausschließend eine zweite Runde mit verschlossenen Augen eingelegt.

Bionade und Zisch

1. Runde

Bionade — Ingwer-Orange (Fermentation nach dem Brauprinzip offeriert die kleine BIONADE GmbH, Zucker wird ausnahmsweise statt in Alkohol in Gluconsäure „analog zur Honigproduktion der Bienen“ umgewandelt. Glucoseoxydase, ein Enzym im Speichel der Biene, soll eine zentrale Rolle spielen).

Der Ingwergeschmack ist nicht wirklich im Vordergrund, ein feines Prickeln hebt sich aber wohltuend im Mundbereich bei der Konsumierung ab, der Orangenton bleibt allerdings auch nur ein Ton. Dennoch dies war schon mal eine gute Wahl.

Zisch Biolimo — Cranberry-Ginkgo (ohne Kristallzucker – aber natürlich mit anderen Süßungsmitteln)

Leicht prickelnd — aber nicht so angenehm harmonisch wie bei der Bionade; die Kohlensäure entstammt auch nicht aus einem Brauprozess, sondern wird aus natürlicher Quelle stammend zugesetzt. Auch nicht so schlecht, aber irgendwie bleibt ein Kunstgeschmackserlebnis in Erinnerung.

Bionade — Kräuter (mit Calzium + Magnesium)

Erinnert an eine Mischung aus Club-Mate und Almdudler (die Limo aus Österreich, die in der typischen klaren Glasflasche dort längst zum allgemeinen Ausstattungsinventar im Supermarkt gehört, sozusagen die Fassbrause Austrias); die Kräuter haben jedoch einen gewöhnungsbedürftigen Geschmackston, der ein bissl an Zitronensäure erinnert, ein ganz kleines aber nur.

Bionade — Holunder (ganz rot in Erscheinung tretend).

Unser Top-Favorit beim Umhergeziehe im nächtlichen Leben, eisgekühlt und rot schmiegt sich die Flasche locker-lässig in der Hand während cool in der Gegend herumgesuppelt wird. Holunder wird auch noch rausgeschmeckt. Das Grauen, als wir mal auf eine 0,5 Flasche im Freiluftkino zurückgriffen und feststellen mussten, dass das gar nicht mehr so gut schmeckte in Plastik. Das Auge trinkt mit.

Zisch Biolimo — Limone-Ingwer (Nicht nur frei von Aromazusätzen, sondern auch noch eifrei, erdnussfrei, glutenfrei, haselnussfrei, hefefrei, kuhmilcheiweißfrei, lactosefrei, mandelfrei, milcheiweißfrei, nussfrei, pfefferfrei, selleriefrei, senffrei, sesamfrei, sojafrei, vegan, vegetarisch, weizenfrei – dafür aber mit lecker Traubenzucker für gierige DiabetikerInnen ;-) )


uaäh – schmeckt wie gegärter Almdudler, wirklich nur was für Leute, die gegen irgendwas von den oben aufgeführten Dingen allergisch sind.

Zisch Biolimo — Holunder-Chilli (mit immerhin 2 % Holunderblüten-Extrakt und wohl etwas weniger H-Saft, aber auch ganz rot)

Chilli klingt spannend im Getränk und weckte Erwartungen, die leider absolut nicht erfüllt werden konnten. Ein schaler Nachgeschmack legt sich auf die Zungengeschmacksknospen und erwirkte spontan die Reaktion: „Schmeckt wie Hare Krishna“; wie die Sekte nun genau schmeckt wissen wir natürlich auch nicht — aber auf jeden Fall war da Rosenwasser-ähnliche Perversität drin. So was gibts sonst nur noch in Skandinavien und bei alten Omas in Südosteuropa. Finger davon lassen!

Biolimo im crazy test

Dann die 2.Runde

Mit verschlossenen Augen wurden die Flaschen herumgereicht und es gab die große Überraschung.
Vielleicht waren wir schon zu voll und (was ist eigentlich das Gegenteil von durstig?) durstfrei — aber wir hatten Schwierigkeiten die Unterschiede klar herauszufinden. Gerade noch die Differenzierung in Bionade und Zisch Biolimo gelang und dann wurde es mit vereinzelten Ausnahmen aber auch schon schwierig! Können wir sonst jeden Wein und die unterschiedlichsten Mineralwasser fein herausschmecken, versagte hier dieser Sinn, der ja nun mal nicht so unwichtig ist. Wir waren etwas geschockt als sogar mal Zisch Biolomo als Bionade Holunder rauskam (da hatten wir aber auch schon einen dermaßenen Blubberbauch).

Fazit:

Crazy-Limo und auch nicht zu verachten war die Selbstmischung, die wir uns anschickten selbst aus den Resten in den Flaschen (aller!) zusammenzuschütten und dann erstaunlicherweise gar nicht mal so schlecht fanden.

Es war aber auch schon spät….

Nachtrag: Zisch statt Biolimo geschrieben und jetzt rasch korrigiert mittels durchgestrichener Kennzeichnung; tenpounds wies uns liebenswerterweise darauf hin und hat natürlich Recht in dieser Hinsicht ;-)


3 Antworten auf “Bio-Limonaden-Potpourrie und Blubber-Bauchige-Bewertungen (Contest)”


  1. Gravatar Icon 1 Hedda 20. September 2006 um 8:05 Uhr

    Der Duden hat mal einen großen Wettbewerb (zusammen mit dem Getränkehersteller Lipton) ausgerufen, um das gar nicht mehr durstige Pendat zu „satt“ zu kreieren. Heraus kam: „sitt“! Nicht sehr einfallsreich und zudem zeigt sich ja in diesem Beitrag nur allzu deutlich, dass Sprache nicht am Reißbrett, respektive am Schreibtisch der Duden-Redaktion entsteht, sondern durch tägliche Übung.

  2. Gravatar Icon 2 tenpounds 20. September 2006 um 12:46 Uhr

    Was ihr da (den Fotos nach zu urteilen) getestet habt, war nicht die „Zisch“ von voelkel, sondern die „biolimo“. Das sind zwei verschiedene Produkte, wenn man der Website Glauben schenken darf. Ich selbst bin großer Fan der Cranberry- und Holunder-biolimos, da diese zwar süß, aber nicht zu süß sind und nach was schmecken, und halte die leider wesentlich etabliertere Bionade für geschmacklos bis ekelig.

    Mein Vorredner hat übrigens Recht: kochen könnt ihr, schreiben nicht. Laßt mal dieses aufgedunsen-künstliche und schreibt doch einfach Deutsch. ;)

  3. Gravatar Icon 3 kulinariakatastrophalia 20. September 2006 um 14:09 Uhr

    Ah natürlich handelt es sich um biolimo! Da hatten wir Tomaten auf den Augen. Lag einfach daran, dass wir auch Zisch eingekauft aber aufgrund der Blindvertestung nur auf die kleinen Flaschen zurückgegriffen haben.

    Und „Deutsch“ schreiben können wir gar leider gar nie mehr ;-), dies hängt mit unserer beruflichen und privaten Orientierung zusammen, die uns aufzwingt tagein tagaus Sätze zu lesen, die oben auf der Seite anfangen und eine Seite später unten aufhören. Das prägt, ist selbstredend „nicht modern“ und wie schon Andre Müller sen. schrieb, ist dies eine „unverzeihliche Todsünde“. Daran und an andere nicht minder uninteressantere Schreibstile halten wir uns deshalb gerne ;-)

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