Kaum ist der Kühlschrankinhalt andächtigerweise auf gerade mal Minimalbestückung zusammengeschrumpft (die Kühlschranktür geht trotzdem noch nicht richtig zu, ohne dass immer rumgepackt werden muss) ergibt es sich, dass endlich mal die Idee in die Tat umgesetzt werden konnte doch einfach mal bisher in der freien Küche herumliegende Grundsubstanzen kulinarischen Genusses, die eigentlich nur bei höheren Temperaturgraden der Kühlung bedürfen, dort einzusortieren. Prima Gedanke und gleich in die Tat umgesetzt, dabei unter einer Zeitung die vermissten Pfirsiche entdeckt und zugleich die Quelle der fliegenden Miniaasgeier lokalisiert. Es wurde Zeit, die Gelegenheit zu ergreifen, diesen Umstand für einen ausgiebigen Neukauf diversen lebensnotwendigen Schnickschnacks zu nutzen.

Schnickschnack…
Frohen Mutes die im Bezirk liegenden Läden abgeklappert, um das Angebot zu begutachten und eigentlich gleich bei einem Fischhändler hängengeblieben, der Ombre im Angebot hatte (Äsche nennt sich das wohl), die sogleich mit einer Bachforelle käuflich erworben wurden. Auf dem Weg nach Hause fiel dann auch noch ein grünes Gewächs beim türkischen Gemüsehandel auf, das dort verschämt neben dem niederländischen Gewächshausgemüse gelagert war. teatime hatte neulich darüber berichtet und so war die Gelegenheit günstig einen Probiertest zu starten.
Vorher aber noch Erkundigungen beim fachunkundigem Personal eingezogen, wie die optimale Zubereitungsstrategie zu bewerkstelligen sei. Dabei tat sich ein Graben auf, der den Anspruch zwischen Sortimentsbeschaffenheit und nur dem Anschein nach hochtrabender Gemüseverkaufshandellehre endgültig als zwei auseinanderklaffende Seiten einer Medaille offenbarte:
Der erste Verkäufer hatte keine Ahnung was das überhaupt war, die zweite Verkäuferin konnte nach anfänglichen Versuchen Kreativität im Ausmalen eines möglichen Zubereitungsverfahrens walten zu lassen auch nur ihr Scheitern eingestehen und verwies an die dritte Verkäuferin (die vierte Verkäuferin verkrümmelte sich), die nach kurzem Stirnrunzeln zu dem Schluß kam, dass nur die Blätter wohl dem Genuss zugänglich seien. Trotzdem gekauft und beim Auspacken bitter bereut die Gewächsstruktur einfach so aus der Tüte genommen zu haben, da nun die vielen kleinen Blätter zusammengeklaubt werden mussten, die in alle Himmelsrichtungen auseinanderstobten. Portulak nennt sich die Pflanze und wurde bei dem Besuch zwei weiterer Lädchen inzwischen schon in diversen Schreibvarianten gesichtet.
Erst kam ja der Verdacht auf, dass es sich um eine Ausschweifung einer anderen Pflanzenart handelt, die wir hier mal abbilden und die sogar bis ins südliche Hessen gedeiht (ohne dass HobbygärtnerInnen da Hand angelegt haben). Im Gegensatz zum etwas säuerlich schmeckenden Portulak ist die aber etwas bitterer und das Witzige ist, dass etwa in (den seltenen Kräutern mehr zugewandtem) Südgriechenland dieses Gewächs als delikate Speise auf den Tellern landet — aber bereits in Nordgriechenland nur Nichtwissen hinsichtlich der kulinarischen Raffinesse zu sehen ist. Von Deutschland gar nicht zu sprechen

essbare (fast) unbekannte Pflanze
Aber das war ja auch nur ein Bestandteil der abendlichen Vergnügung, die wie oben schon beschrieben sich in fischlastiger Art den Mittelpunkt suchte. Der Fisch wurde nämlich einfach gesalzen und gesäuert (ausgenommen hat ihn dankenswerterweise die Frischfischaushilfsverkaufskraft) und dann trara in Mehl gewendet, das aber, um es um den Fisch schön gleichmäßig herum zu verteilen, in eine stinknormale handelsübliche Plastiktüte getan wird worein dann auch die Ware kommt, die ordentlich geschüttelt wird. Im Gegensatz zu manchen Fischfilets bei denen es vielleicht wirklich manchmal angebracht ist nur ein Stäubchen Mehl in direkte Konfrontation gelangen zu lassen braucht der ganze Fisch eine etwas bessere Hülle, da er schließlich auch etwas länger in der Pfanne ausharren muss.
Apropos Pfanne — die normalen Fischpfannen (Großküchensrotiment ist in diesem Fall unbezahlbar) sind ja zu nichts zu gebrauchen: ein normal großer Fisch passt da nämlich gar rein und lässt nun die spannende Frage entstehen, wie die Fischstruktur ohne Drücken, Hauen und Quetschen gewahrt werden könne. Wir haben uns für einen kleinen Trick entschieden und Fischpfanne Fischpfanne sein lassen und zu einer sogenannten Bratreine mit so einer Art Teflonbeschichtung gegriffen. Die ist zwar eigentlich für Aufläufe und dergleichen, aber der dickere Boden eignet sich auch hervorragend für Fische, die ja mit nicht ganz so hoher Temperatur gebraten werden sollten, wenn nicht der Geschmack in Richtung Braunkohle tendieren soll.

Forelle neben Ombre (Äsche), Salzkartoffeln gab es auch, der Salat war mit Limone und Meersalz verfeinert
Das klappt dann auch immer supertoll und erfreute mitsamt einem geschwungenen, leicht erdigen (weißen) trockenen Wein, der schon mal begutachtet wurde und mit seiner etwas saueren Note sehr gut zum Essen passte (zu allem anderen wollen wir mal keine Empfehlung aussprechen) und zudem vom WWF zur Rettung der wunderhübsch anzuschauenden Korkeichenwälder promotet wird. Soundsoviel Cent gehen da wohl ab. Element Terre, ein Sauvignon (Vin de Pays du Comté Tolosan), heißt das Produkt französischer Kellerei. Beim ersten Mal hatte er eigentlich ganz lecker gemundet und sollte noch mal getestet werden bevor die Empfehlung kommt; der zweite Test brachte jedoch nicht den Beweis für diese heroische Tat. Einfach mal selber probieren.
Das Pfannenproblem kenne ich. Normale Portionsforellen passen relativ problemlos in eine 32-cm Pfanne.
Liebe Grüße
Rike
Eine runde 32 cm Pfanne haben wir auch — da passen aber wirklich nur mittelgroße Forellen rein bzw. nur eine in die Mitte; wenn zwei Forellen gebraten werden wirds kompliziert. Die Äsche war schon für die WMF-Bratreine etwas zu groß, so dass das Ende ein wenig leiden musste (aber das ist ja auch nicht sooo wichtig
).