Contest: Burschenschafter (dumm wie Brot), Frittieren (mit Öl) und goldige Versuche (derer zwei)

Es gibt wie bereits angemerkt ja diverse Foodblogs, die den reichen Markt der Genüsslichkeiten bereichern, um Freude, Spannung und Begehrlichkeiten zu unterhalten. In einem dieser Kochblogs — nämlich von Schnuppensuppe aus dem beschaulichen Neukölln (laut Spiegel und dem mit reaktionären Positionen liebäugelnden SPD-Bezirksbürgermeister das multikulturelle Grauen im Stadtviertelformat, also Bronx und so) wurde so nebenbei die interessante Fragestellung aufgeworfen, ob die gemeinhin als Kartoffel bekannte Erdfrucht für den einfachen oder zweifachen Frittiervorgang am besten geeignet erschiene.
Das eigentliche Thema war zwar der Schokoladenkauf im KdW (da legen wir aber mal den Mantel des Schweigens drüber — wir würden da selbstverständlich nie einkaufen ;-) ) dennoch war der angerissene Fachsimpeltrialog auch dazu geeignet, nicht nur Worte zu produzieren, sondern auch Taten folgen zu lassen.

Wir haben es einfach mal ausprobiert und die zwei vorgeschlagenen Produktionsverfahren unter streng wissenschaftlichem Anspruch mit ganz, ganz viel Kriterien und so getestet.

Übrigens sollte das Frittieren nicht so bewerkstelligt werden wie bei jenem aufgeweckten Burschenschafter im politisch-geographischen Mittelpunkt der Republik, dem nicht weniger beschaulichen Göttingen — jener liebreizenden Unversitätsstadt, die leider ebenso wie Marburg ein überproportional hohes Aufkommen an diesen widerlichen Männerbünden aufweist, die allesamt wie etwa in Marburg beim sogenannten Marktfrühschoppen zu sehen ist und über eine erstaunliche Hingabe an Intelligenz verfügen wie auch folgendes anschauliche Bild zeigt, das die Göttinger Stadtpolizei per Presseerklärung zu verbreiten wusste:

10.000 Euro Schaden im Burschenschafterhaus durch Inbrandsetzen der Küche verursachte einer dieser Herren, indem er versuchte eine Göttinger Wurst einem Frittiervorgang zu unterwerfen und dabei die Grundregel missachtete, dass weder der Topf randvoll zu machen noch mit dem brennenden Öl die Küche zu verzieren ist. Auch der Versuch, den brennenden Öl-Topf zwecks Beseitigung des Brandherds nun aus dem Fenster zu schmeißen scheiterte grandios mit verbrannten Armen (Schmiss kommt halt nicht von Schmeißen). Lässt nur einen Kommentar zu: Dumm wie Brot!

Wir haben übrigens die Pfannenmethode bevorzugt und aus frischen Kartoffeln hergestellte Patates in richtig heißes Öl (kein billiges Frittierfett, sondern eine Mischung aus Bio-Bratöl der Firma Naturata und einfachem Aldi-Olivenöl) gepackt und dabei die Pfanne nicht bis an den Rand gefüllt (rechts unten im Bild); daneben dann der Versuch mit Pommes in nicht zu heißem Öl, die dann nach Abkühlung erneut in dann richtig heißes Frittieröl getaucht worden sind.

Pommes frites in der Herstellung (zweimal)
Pommes frites in der Herstellung (zweimal)

Keine Riesenpommes sind übrigens die Teile links oben (das ist Fisch), die hatten dann zusammen mit den goldgelben Pommes Frites den Anklang an englische fish and ships.

goldgelbes Kulinaria-Ergebnis: die Patates (Pommes frites)
goldgelbes Kulinaria-Ergebnis: die Patates (Pommes frites)

Aber zum Ergebnis des Contest: Vorweg vielleicht noch die Bemerkung, dass unsere favorisierte Methode natürlich gewann. Die zweimal frittierten Pommes waren nicht das Nonplusultra des guten Geschmacks, vollgesogen mit Öl, wenngleich sie außen auch knusprig waren, lagen sie doch deutlich schwer im Magen (wir haben den Rest weggeschmissen). Glorreiche Siegerin war die einmal frittierte Kartoffelstange, die dann auch mit Rigani, Meer-Salz und Zitrone beglückt werden konnte. Dazu dann Eisbergsalat und ein gar nicht so schlechter Weißwein von Aldi (Auxerrois Premier Cru 2004). Und da wir zu viel des Guten einem Schälvorgang unterworfen hatten, gibts heute wahrscheinlich das Gleiche nochmal oder vielleicht Kartoffelpüree mit Schafskäse und Frühlingszwiebeln. Mmmh.


6 Antworten auf “Contest: Burschenschafter (dumm wie Brot), Frittieren (mit Öl) und goldige Versuche (derer zwei)”


  1. Gravatar Icon 1 rosa 27. August 2006 um 10:53 Uhr

    Liebes kk, ich bin ja noch ein bisschen sauer, wollte ich doch die explizite Nennung des Kaufhauses aus Schamgründen vermeiden. Nun ist es öffentlich, also gut. Man soll ja auch zu seinen Charakterschwächen stehen!

    Auf jeden Fall vielen Dank für den Frittiertest! Und die Kartoffeln sind wirklich durch und nicht verbrannt? Gut, ich hör schon auf zu zweifeln. Wieviel Minuten haben die denn so im heißen Fett verbracht?
    Bei nächster Gelegenheit werd ich das mal nachmachen. Nachfrittieren, mein ich.

  2. Gravatar Icon 2 kulinariakatastrophalia 27. August 2006 um 16:25 Uhr

    Selbschtverschtänlisch sind die Kartoffeln ganz durch – zwischenzeitliches Umdrehen, Rühren wie auch immer ist auch nicht unschädlich damit es schön gleichmässig durch wird und eine schöne Farbe annehmen kann. Und öhm, jaa das mit dem ominösen Laden wollten wir gar nicht so outen, dachten nur, dass das sowieso alle wissen. Zur Strafe haben wir heute 10x Yok Quetschenpaua Q-Damm´s Börnin angehört ;-) Und wie lange die gebraucht haben wissen wir leider auch nicht mehr so genau – vielleicht so zehn Minuten; wenn sie außen leicht braun werden, dann sind sie eigentlich durch, abolute Gewissheit vermag natürlich nur ein wagemutiger Selbsttest zu bringen.

  3. Gravatar Icon 3 zorra 27. August 2006 um 16:29 Uhr

    Aber hallo, das sind ja auch keine Pommes frites! Pommes frites müssen viel kleiner/feiner geschnitten sein. ;-)

  4. Gravatar Icon 4 kulinariakatastrophalia 27. August 2006 um 23:31 Uhr

    Die sind jetzt zwar nicht so akkurat geschnippelt wie Fabrikware — aber das sind doch ganz klar Pommes. Die ganz kleinen Stippen, die du wahrscheinlich meinst sind hingegen gar keine Pommes, sondern mehr ein Schein ihrer selbst. Wir haben natürlich Pommes gemacht, die den Namen auch verdienen!

  5. Gravatar Icon 5 zorra 28. August 2006 um 11:18 Uhr

    Für mich sehen die eher nach Bratkartoffeln aus. ;-) Aber das Wichtigste ist ja, dass es schmeckt, und lecker sieht’s aus.

  6. Gravatar Icon 6 Flitzpiepe 28. August 2006 um 18:27 Uhr

    sehr nett, sehr nett. in meiner einfältigkeit wäre ich nie auf die idee gekommen, pommes durch 2maliges fritieren herzustellen… ist eben manchmal hilfreich `n bissl träge im kopp zu sein – solange man nicht versucht, brennendes öl durch die gegend zu schmeissen.

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