Grünes Pistazien-Pesto mit Hindernislauf über selbstgemachte Tomaten-Nudeln (Roter Nudelteig mit Tomaten), Eier-Kauf und Überwindung von Entzugserscheinungen (Rezept)

Nun war es des gestrigen Tages soweit, dass das Abernten des Basilikum-Gewächses anstand, wobei darauf geachtet wurde die ganz kleinen Blätter am Zweig zu lassen, um auch noch einen dritten und vierten Erntegang bewerkstelligen zu können. Ein paar Spitzen wurden auch abgeschnitten damit die heranwachsenden Miniblätter, die gerade so herauslugten, auch noch schön zur Seite neue Triebe entwickeln können (warum die Information? Heute hat jemand nach „Basilikum richtig pflücken“ gegoogelt; da wollen wir nun tatkräftig helfen Nutzinformationen bereitzustellen.

Nachdem nun ein ganzer großer Berg von Blättern vor uns lag kam noch grob geriebener Pecorino Negro hinzu (so ca. 200 Gramm — jeder andere trockene und harte Käse wie insbesondere Ziegenkäse und natürlich der berühmte italienische Parmesan sind auch geeignet ), die Pistazien (so 180 Gr. mit Schale; was die ohne Schalen wiegen? Keine Ahnung — haben wir nicht gewogen) zu entkleiden oblag herbeizitierter Person mit mangelnder Motivation im Kochen, die aber alsbald und nur durch gelegentliche — dem eigentlich Abstinenz hinsichtlich Nikotin-haltiger Genussmittel (Drogen!) unterstellt worden war — Ausfälle unterbrochen wurde. Das war aber auch gar nicht so schlimm, weil auch die Ursprungskochbelegschaft hinsichtlich der Verknappung von kostbaren Tiefschlafstunden aufgrund mangelnder Zeit- und Alkoholeinteilungsfähigkeiten, ein zwischenzeitliches Päuschen einzulegen wünschte.
Am besten wären für das Pesto übrigens ungesalzene grüne Pistazien gewesen, die aber grad nicht aufzutreiben waren ohne ein riesiges Loch in unser Kosten- und Zeit-Budget zu reißen. Mit Pinienkernen oder Mandeln wurde das Pesto übrigens auch schon aufgetischt, auch ganz famos. Nun waren aber Pistazien da und das ist ja auch mal was anderes.

Und wie wird es nun genau gemacht?

Genau können wir auch nicht — nur so ungefähr, hängt ja immer davon ab, ob die Zutaten die geschmacklichen Eigenheiten, die sie eigentlich besitzen müssten auch wirklich als Auszeichung mit sich herumtragen. Zwischendurch Abschmecken ist sowieso Pflicht.
Genommen haben wir diesmal z.Bsp. nur zwei Knoblauchzehen (die waren wirklich scharf), sonst sind mindestens vier drin. Dann kam ein ordentlicher Schuß unseres tollen Bio-Olivenöls hinzu (aber eines von denen, welches nicht ein zu intensives Olivenaroma hat, was ansonsten den Geschmack von frischem Basilikum leicht hätte untergehen lassen können). Ein paar Pistazien, Käse(stücke) und Basilikumblätter noch rein und dann mittels eines Pürierstabs (wie heisst das Teil eigentlich genau?) alles kurz anmixen. So nach und nach kommt dann auch noch der Rest von allem hinzu, zwischendurch immer noch Olivenöl nachgießen. Wer es etwas feiner mag mixt halt länger, welche es Basilikum-intensiv knackig bevorzugt, wie wir, die lässt es etwas gröber (auch ruhig die Nüsse oder den Käse im Pesto). Das dauert nur ein paar Minuten und wird dann am besten in Gläser abgefüllt und mit Öl aufgefüllt damit es nicht schlecht wird. Im Sommer können so ganze Riesengläser von Pesto fabriziert und für den Winter und lauschige Herbstabende kühl gebunkert werden. Frisch schmeckt es aber besonders gut.

Grünes leckeresPistazien-Pesto
Grünes leckeres Pistazien-Pesto

Aber was wären die ganzen Mühen ohne die dazugehörige — unverzichtbare!! — Mehlspeise:
Wir haben deshalb die zwischengelagerte Nudelmaschine in Betrieb genommen und schnell einen Teig hergestellt. Dazu benötigt werden Mehl, Eier (die extra noch eingekauft werden mussten von sichtlich geschwächten WG-Inhalt), Olivenöl, unsere delikat eingelegten Tomaten und eine ordentliche Prise Kristallsalz. Kräftige Oberarme sind auch nicht schlecht bei der Herstellung der tomatigen Bandnudeln, die wir nun anschickten zu nudeln. Auf 100 Gr. Mehl kommt ein Ei (geht auch ohne, wird aber nicht so geschmeidig), Salz hinzu und alles gut vermischen. Tröpfchenweise kommt Wasser oder Olivenöl hinzu (aber Obacht! Wird es zu glitschig, gelingt es nicht so gut). Dann haben wir auf vierhundert Gramm Mehl noch sechs feinpürierte Tomaten mit etwas Öl hinzugefügt und dann wurde geknetet was das Zeug hält (das Klischee von der großen italienischen Mama mit der Großfamilie muss daher kommen). Aber mittels aufmunternder Zwischenrufe und etwas Hinzufügung von Mehlstaub war die Motivation ungebrochen und der Teig schließlich fertig, um sich dann eine Stunde im Kühlschrank auszuruhen.

Nudelmaschine in Betrieb
Mehrmals übereinandergelegt und plattgewalzt (mit Holz solls angeblich am besten gehen) in der stählernen Nudelmaschine gelangten die roten Nudeln dann in reichlich gesalzenes kochendes Wasser und nach 5 Minuten (dünne Nudeln nur ca. drei Minuten) auf die bereitgestellten Teller, die (so kurz nach Mittrenacht) alsbald ratzeputz leergefegt waren. Dazu passend ein leichter Salat aus mehreren Salatsorten von einem Öko-Wald und Wiesen-Hof wie Rauke, Eisbergsalat und Mizuna, der dem Frisée nicht unähnlich ist aber besser schmeckt, mit weißem Balsamico, Salz und Öl und frischem feingemahlenem schwarzen Pfeffer. Sekt und Chianti wurden auch gereicht. Als Dessert gefüllte Himbeeren.

Tomaten-Nudeln mit Pistazien-Pesto

Ach ja — fast vergessen — am Freitag gab es auch noch Perciatellini (so lange dünne Maccaroni) von De Cecco mit zwei verschiedenen Garnelen-Arten in Wein-Tomatensauce, Rucola, Schafskäse und Zitronensaft , war gar nicht schlecht, aber erreichte auch keine Höchstnoten; das konnten wir schon mal besser. Das Rezept, als dies so war, posten wir die Woche mal so zwischendurch in den Blog rein. Inzwischen gibt es ja leckeres Nachzukochen.

Apropos Essen: In der taz vom Wochende war neben der Beschreibung des Bio-Boom oder Niedergangs, je nachdem, eine interessante Letzte Frage der Beantwortung feilgeboten worden:

Warum schmeckt Erdbeereis nie richtig nach Erdbeere?. Wir werden das originell beantworten! Vorhandenes Nichtwissen darf auch uns vorab mitgeteilt werden. Aber jetzt nicht Zeugs wie dass da Baumrinde als natürliches Erdbeeraroma reinkommt, das wissen wir auch und ist sowieso nicht gefragt — nur mal so als Nebenbeiinformation. Und nun hurtig, hurtig…


12 Antworten auf “Grünes Pistazien-Pesto mit Hindernislauf über selbstgemachte Tomaten-Nudeln (Roter Nudelteig mit Tomaten), Eier-Kauf und Überwindung von Entzugserscheinungen (Rezept)”


  1. Gravatar Icon 1 ich weiß es 08. August 2006 um 20:19 Uhr

    Verflixt schwierige Frage! Aber nicht umsonst gibt es alchimistische Notizen von zwielichtigen Magierinnen und Hexern, die dieses schwierige Problem schon zu Papier gebracht haben. Der Obstalmanach der Oberpriesterin des Guten Keks zum Beispiel hat herausgefunden, daß nur in Vollmondnächten Erdbeeren gepflückt werden dürfen, während sie hingegen nur am Dienstag verarbeitet werden dürften (deshalb auch roter Dienstag im Gegensatz zum Heidelbeerblauen Montag). Die Diskrepanz ergibt sich jetzt, daß die beiden zu beachtenden Daten oftmals nicht zusammenfallen. Mist!
    Mit Knurren und Maulen wird dann entweder auf das Zusammentreffen beider Termine gewartet oder trotzdem schon gepflückt. Dann werden die Beeren aber schon schlecht. Das stellt dann aber auch schon den Grund da, warum die rote Frucht dann auch schon gar nicht mehr so richtig schmecken will. Also ab ins Eis damit, fällt so niemanden weiter auf (eigentlich).

  2. Gravatar Icon 2 kulinariakatastrophalia 13. August 2006 um 18:19 Uhr

    Hmm – wars das wirklich mit der Kreativität hinsichtlich der Beantwortung dieser Frage?!? Da die taz wohl erst nächstes Wochenende im Magazin die Antworten auf diese und eine andere Frage veröffentlicht, werden wir unsere KK-Antwort einfach mal so lange zurückhalten – in der Zwischenzeit hat ja vielleicht die ein oder andere Ideeninspirationseinheit einen Einfall ;-)

  3. Gravatar Icon 3 zeank 15. August 2006 um 11:36 Uhr

    Notgedrungen musste ich mangels Pinienkerne auch dieses Pistazienpesto ausprobieren und kann es nur dringend weiterempfehlen! *mjam* :D

  4. Gravatar Icon 4 kulinariakatastrophalia 16. August 2006 um 17:35 Uhr

    Bekanntlich ist aus der Not schon so manches entsprungen ;-) — mit Rucola geht es übrigens auch – falls mal Not am Basilikum ist (ist dann aber eher was für die herbere Geschmacksnatur).

  5. Gravatar Icon 5 zeank 16. August 2006 um 18:53 Uhr

    pürierter salat? na ich weiß nicht … ;)

    um auch mal mit schönen bildern mit essen zu protzen: http://www.flickr.com/photos/zeank/216892003/

    bon appetit!

  6. Gravatar Icon 6 kulinariakatastrophalia 16. August 2006 um 20:23 Uhr

    Käse…. da fällt ein, dass noch ein interessant aussehendes spanisches Mitbringsel gut gekühlt auf seine Aufwartung bei uns im Kühlschrank wartet. Gute Idee für eine Präsentation! Das da links im Bild – ist das Frischkäse? Und da ganz hinten ist sogar eine rote Tomate zu entdecken :-D
    Ist die Katze eigentlich mit kandierten Früchten gefüllt oder wird die für später mit Schokolade gemästet?

  7. Gravatar Icon 7 zeank 17. August 2006 um 9:34 Uhr

    Das links im Bild ist Ricotta mit Olivenöl und die Tomate dahinten hat gut geschmeckt ;) [das bild ist schon älter…].

    Die Katze kriegt nur Kastanien zu essen ;)

  8. Gravatar Icon 8 kulinariakatastrophalia 14. September 2006 um 0:22 Uhr

    Warum schmeckt Erdbeereis nie richtig nach Erdbeere?“.

    Richtiges Erdbeereis ist Bückware – schon immer so gewesen, ob in Ost oder West. Die gemeine imperialistische Erdbeereismafia hat das weidlich auszunutzen gewusst und billiges Imitat auf den heiß begehrten Markt geworfen; derart ausgemergelt und nie eine der kostbarsten Varianten, die es tatsächlich zu konsumieren gibt, genießend hat das nie EineR so richtig begriffen. Dabei ist es doch ganz einfach: Erst werden die KäuferInnenschlangen weiter mit Baumrindearomen, die nach den lustigen kleinen Walderdbeeren schmecken, abgeschmackt – und dann werden Hänsel und Gretel zum Erdbeerpflücken in Nachbars Kleingarten geschickt, um die roten Gewächse zu sozialisieren, die alsbald mittels Geheimrezeptur zu einer schönen Eiscreme fabriziert werden. Ehe die ausgehungerte Meute merkt, dass es sich in Wahrheit um famoses Himbeereis handelt ist es schon zu spät…

  1. 1 kulinaria praktikablia // kulinaria katastrophalia Pingback am 11. August 2006 um 22:14 Uhr
  2. 2 Mal so zwischendurch: Rezept für zitronenschalige Garnelen an Rucola & Spaghetti // kulinaria katastrophalia Pingback am 13. August 2006 um 16:26 Uhr
  3. 3 Äußerst delikate Teigtaschen mit Pilz-Schinken-Pecorino-Thymian-Füllung an frischer Salbei-Butter und das Bedauern umliegender Wohngemeinschaften in unserer Nachbarschaft ihr Dasein zu fristen (Rezept) // kulinaria katastrophalia Pingback am 01. September 2006 um 23:53 Uhr
  4. 4 Wir wollen gar nicht so genau wissen, was das ist….. // kulinaria katastrophalia Pingback am 14. September 2006 um 18:31 Uhr
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