Archiv für August 2006

Roter Mangold mit gebratenem Ingwer und Flusskrebsschwänzen in Wein-Tomaten-Frühlingszwiebel an langen Spaghetti

Es war noch eine gute Menge an rotem Mangold in unserem Kühlschrank vorrätig und wartete geduldig darauf, dass wir daraus was Phantastisches kochen würden. Allerdings hatten die rosaroten Flusskrebsschwänze ältere Vorrechte und so fanden wir es eine gute Idee doch die farblich harmonisierenden Zutaten zusammenzufügen (sozusagen eine rosarot-rote Koalition). Aber wie im realen Leben harmonisiert es nicht unbedingt: Der Rote Mangold etwa ist etwas herber als der herkömmliche Mangold und so wurde etwas gelbe Zitrone und Ingwer als passender Ausgleich in die Planung mitaufgenommen. Das Rezept ist so ähnlich wie unser wunderbares Spezialitäten-Menue Flußkrebsschwänze in Weißwein-Nordseekrabben-Ambiente mit Linguini, das schon so viele Münder in Ekstase zu bringen vermochte.
Eine Besonderheit war jedoch (neben den fehlenden Nordseekrabben) noch zu beachten. Der Ingwer, in Streifen geschnitten, und die Stiele des Mangold mussten zusammen mit den Zwiebeln in kleingeschnittenem Format scharf angebraten werden (Mangold entwickelt erst dann den richtigen Geschmack) und dann mit dem Saft von einer ganzen Zitrone abgelöscht werden; ansonsten ist das Rezept das Gleiche und auch der zum Kochen wunderbar geeignete Vivo Blanco, der Haus-Bio-Chardonnay kam wieder zum wohlverdienten Zuge. Die grün-roten Mangoldblätter kamen natürlich auch noch zwischendurch hinzu. Der Charakter des Essens wurde insgesamt kräftiger und zitroniger. Nicht schlecht – aber die Flusskrebsschwänze gingen ein wenig unter. Der Ingwer trat punktuell in Erscheinung und war vor allem in der Soße bemerkbar (wenngleich eher dezent) und hätte ganz klar weggelassen werden können (es sei denn es wäre etwas Kokosmilch hinzugefügt worden, was sicher auch ganz lecker wäre). Lange Spaghetti bildeten schließlich die Kombinationsgrundlage.
Mit Mangold werden wir jetzt saisonbedingt öfters was kochen – in der Mischung mit Spinat mundet er jedenfalls wunderbar und in Olivenöl gedünstet und mit Zitrone abgelöscht ist er sowieso unschlagbar.

Flusskrebsschwaenze mit rotem Mangold
Flusskrebsschwänze mit rotem Mangold

Spinatburek oder Spanakopita oder so

Dieses Wochenende hielt der Markt als besondere Köstlichkeit Spinat der herrlichsten Sorte für uns bereit. Diesen wussten wir in südländischer Weise zu verwursten. Leider konnten aber die anderen Zutaten nicht ganz mit der Klasse des Spinats mithalten. Wobei vor allem die Quantität der verschiedenen Beigaben ein Problem darstellte. Vom Feta war etwas zu viel und vom Blätterteig etwas zu wenig da. Deshalb wurde sogleich noch etwas roter Mangold hinzugegeben um die Grünzeugfraktion zu stärken.
Am Schluss vereinigte sich das ganze jedoch zu einem durchaus lobenswerten Ganzem. Einzige Frage an die Kochbloggemeinde bleibt, ob es nicht irgendeine Möglichkeit gibt, dass nicht nur die oberste Teigschicht knusprig und lecker wird. Das von uns erprobte Vorbacken und bestreichen mit Eigelb hatte auf die Konsistenz der Boden- und Mittelschicht keinerlei signifikante Auswirkungen.

Spanafetakopita
Spanafetakopita

Griechisches Katerfrühstück

Wer kennt nicht das Gefühl morgens mit dem Gefühl der Salz- und Wasserunterversorgung in die Küche zu wanken? Heute wurde eine ganz exquisite Methode gewählt dieses Manko auszugleichen. Der Steinharte kretische Zwieback wurde mit Tomaten und Feta beschwert, hierüber eine ordentliche Ladung Oregano, Salz und Olivenöl geschüttet und dann flux weggemapft. Alle Zweifel, ob der kretische Zwieback auf in heimischen Gefilden noch so himlisch schmeckt, waren schon bei den ersten Bissen hinweggefressen. Ein wirkliches lohnendes Souvenir! Leider wollte die Restwg nicht an dem Genuss teilnehmen und schlabberte lieber eine schnöden Kaffee mit Milch in sich hinein. Es reichte noch nicht einmal für einen Milchkaffee, da unsere gute Espressomaschine ein Leck hat und schon unsere Stromversorgung zusammenbrechen ließ und uns zu philosophischen Diskussionen über Brandschutzversicherungen motivierte.

Kretischer Zwieback mit Gemüsepampe
Kretischer Zwieback mit Tomate-Feta-Matsche

Schmackhafter Oranger-Hokkaido-Kürbis-Auflauf mit allerlei Zutaten wie Zucchini, Erbsen, Reis, Dill, Zwiebeln und Minze mit tendierender Farbgebung ins Grüne, die auch schon als Aperitif zu munden wussten

Der Kürbis lag seit dem Marktgang vorletzten Wochenendes nun herum in der Küche und alle sangen im Einklange dazu, dass der ja wohl ganz lecker aussehe so schön orange – und das stimmte, schließlich handelte es sich um einen in die Mode gekommenen kleinen Hokkaido-Kürbis (eigentlich ein Riesenkürbis), der da das Auge erfreute. Da nun die Komplettbelegschaft wieder vorhanden war, wurde kurzerhand beschlossen das Stilleben nicht mehr als solches zu genießen, sondern zur Tat zu schreiten. Mit lauten Haiiii-Rufen wurde die kostbare Frucht mit einer nicht dem japanischem Sprachraum entstammenden schmiedeeisernen Gerätschaft entzweit, um anschließend feststellen zu müssen, dass der Inhalt zu doch etwas magerer Ausstattung hintendierte (wohl nicht genug Wasser abgekriegt).
Nachdem aber nun das eigentlich favorisierte Rezept mit Kürbis, Spinat und Ricotta an letzterem gescheitert war sollte uns dieser Umstand nicht als Trauerkinder enden lassen. Musste es halt auch mit weniger Kürbis gehen.
Während also Parboildreis aufgesetzt wurde und die Zwiebeln geschnitten und ihr Ende jämmerlich beweint worden war, kam der große Auftritt der drei Dill-Bündel, die so lecker aussahen und für unseren Geschmack zu wenig nach dem eigentlich vorgesehenen Aroma schmeckten (das ist nebenbei bemerkt ein interessantes Phänomen: egal wo wir in der letzten Zeit Dill kaufen — immer schmeckt er etwas zu nicht-dillig), die Stiele wurden kleingeschnitten und mit den zuvor erwähnten Zwiebeln in ordentlich Olivenöl angedünstet; Erbsen und Zucchinistückechen kamen auch noch hinzu und etwas Dillgrün. Mit Salz und Pfeffer abschmecken und dann noch feingeriebene Würzminze (keine Pfefferminze!) hinzu. Ein Teil davon war ein netter kleiner Appetit-Anreger. Dann den Kürbis (ohne die Schale, Kerne, Gewusel) hinzu und nach kurzem Anbraten mit heißem Wasser auffüllen, so dass immer noch etwas rausschaut. Dann wurde das Ganze eine halbe Stunde geköchelt, zwischendurch mit frisch gemahlenem Pfeffer, Salz und etwas scharfem Curry verfeinert. Dann der große Auftritt des Mix-Pürier-oder-wie-auch-immer-Stabes, mit welchem der Zerkleinerungsvorgang vorgenommen wurde bis eine sämige Struktur den Ton angab. Dann wieder das große Bejammern, Bedauren und so, dass nun auch noch der Kürbis nicht mehr so nach Kürbis schmecke, das alte Lied…
Mit dem fast gar gekochten Reis vermischt wurde eine Backform zur Hälfte damit bestückt. Da wir außerdem auch noch Platz im Kühlschrank benötigten wurden kurzerhand braune Champignons mit Pfeffer, Öl, Muskat angebraten und draufgeschichtet. Darüber dann nochmal Kürbisreis und zum Abschluß nur das pürierte Kürbisallerlei. Ab in den Backofen und so zwanzig Minuten gebacken. In den letzten 10 Minuten kam dann noch Pecorrino Negro drauf, der aber schon ziemlich harten Struktureigenschaften zuneigte und den Eindruck hinterliess, dass ein mittelalter Gouda oder ähnliches auch gut geeignet gewesen wäre. Zuvor waren auch noch ein paar Dillspitzen auf die schon fest gewordenen Oberfläche des tollen Kürbisauflaufes gestreut worden (gehackte grüne Pistazien sind auch nicht das Schlechteste). Voilà wurde noch gerufen und zu Tisch gebeten. Ein ganz ähnliches Rezept (von den Zutaten her) sind auch gebratene Kürbisfrikadellen, die eigentlich demnächst auch mal wieder gemacht werden müssten.
Gut gelingen tut der Kürbisauflauf auch wenn der Reis vorher nicht gekocht, sondern mit geriebenen Kürbis vermengt zu bereitet wird — das ist aber ein anderes Rezept.

Kürbis-Reis-Auflauf mit Dill und Käse
Leckerer Kürbis-Reis-Auflauf mit Dill, Champignons und Käse

Übrigens haben wir wunderbarerweise einen Berg von griechischen Bergtee (zwei Sorten), der die nun wieder vollständige WG beglückte, der aus dem sonnigen Süden mitgebracht wurde, den wir euch nicht vorenthalten wollen; merkwürdig ist eigentlich nur der Umstand, den zu bekritteln wir immer Zeit finden, dass der fast gar nicht hier im Handel erwerbbar ist und wenn, dann nur zu horrenden Preisen, die die griechischen BergteepflückerInnen zu wütenden Flüchen ob des entgangenen Gewinnes, verleiten würden, wenn sie denn von eben diesem Umstand überhaupt jemals Kenntnis erlangen wollen und sich nicht ihrem Schicksal fügen.
Zwei Sorten leckerer Griechischer Bergtee
Zwei Sorten leckerer griechischer Bergtee

Contest: Burschenschafter (dumm wie Brot), Frittieren (mit Öl) und goldige Versuche (derer zwei)

Es gibt wie bereits angemerkt ja diverse Foodblogs, die den reichen Markt der Genüsslichkeiten bereichern, um Freude, Spannung und Begehrlichkeiten zu unterhalten. In einem dieser Kochblogs — nämlich von Schnuppensuppe aus dem beschaulichen Neukölln (laut Spiegel und dem mit reaktionären Positionen liebäugelnden SPD-Bezirksbürgermeister das multikulturelle Grauen im Stadtviertelformat, also Bronx und so) wurde so nebenbei die interessante Fragestellung aufgeworfen, ob die gemeinhin als Kartoffel bekannte Erdfrucht für den einfachen oder zweifachen Frittiervorgang am besten geeignet erschiene.
Das eigentliche Thema war zwar der Schokoladenkauf im KdW (da legen wir aber mal den Mantel des Schweigens drüber — wir würden da selbstverständlich nie einkaufen ;-) ) dennoch war der angerissene Fachsimpeltrialog auch dazu geeignet, nicht nur Worte zu produzieren, sondern auch Taten folgen zu lassen.

Wir haben es einfach mal ausprobiert und die zwei vorgeschlagenen Produktionsverfahren unter streng wissenschaftlichem Anspruch mit ganz, ganz viel Kriterien und so getestet.

Übrigens sollte das Frittieren nicht so bewerkstelligt werden wie bei jenem aufgeweckten Burschenschafter im politisch-geographischen Mittelpunkt der Republik, dem nicht weniger beschaulichen Göttingen — jener liebreizenden Unversitätsstadt, die leider ebenso wie Marburg ein überproportional hohes Aufkommen an diesen widerlichen Männerbünden aufweist, die allesamt wie etwa in Marburg beim sogenannten Marktfrühschoppen zu sehen ist und über eine erstaunliche Hingabe an Intelligenz verfügen wie auch folgendes anschauliche Bild zeigt, das die Göttinger Stadtpolizei per Presseerklärung zu verbreiten wusste:

10.000 Euro Schaden im Burschenschafterhaus durch Inbrandsetzen der Küche verursachte einer dieser Herren, indem er versuchte eine Göttinger Wurst einem Frittiervorgang zu unterwerfen und dabei die Grundregel missachtete, dass weder der Topf randvoll zu machen noch mit dem brennenden Öl die Küche zu verzieren ist. Auch der Versuch, den brennenden Öl-Topf zwecks Beseitigung des Brandherds nun aus dem Fenster zu schmeißen scheiterte grandios mit verbrannten Armen (Schmiss kommt halt nicht von Schmeißen). Lässt nur einen Kommentar zu: Dumm wie Brot!

Wir haben übrigens die Pfannenmethode bevorzugt und aus frischen Kartoffeln hergestellte Patates in richtig heißes Öl (kein billiges Frittierfett, sondern eine Mischung aus Bio-Bratöl der Firma Naturata und einfachem Aldi-Olivenöl) gepackt und dabei die Pfanne nicht bis an den Rand gefüllt (rechts unten im Bild); daneben dann der Versuch mit Pommes in nicht zu heißem Öl, die dann nach Abkühlung erneut in dann richtig heißes Frittieröl getaucht worden sind.

Pommes frites in der Herstellung (zweimal)
Pommes frites in der Herstellung (zweimal)

Keine Riesenpommes sind übrigens die Teile links oben (das ist Fisch), die hatten dann zusammen mit den goldgelben Pommes Frites den Anklang an englische fish and ships.

goldgelbes Kulinaria-Ergebnis: die Patates (Pommes frites)
goldgelbes Kulinaria-Ergebnis: die Patates (Pommes frites)

Aber zum Ergebnis des Contest: Vorweg vielleicht noch die Bemerkung, dass unsere favorisierte Methode natürlich gewann. Die zweimal frittierten Pommes waren nicht das Nonplusultra des guten Geschmacks, vollgesogen mit Öl, wenngleich sie außen auch knusprig waren, lagen sie doch deutlich schwer im Magen (wir haben den Rest weggeschmissen). Glorreiche Siegerin war die einmal frittierte Kartoffelstange, die dann auch mit Rigani, Meer-Salz und Zitrone beglückt werden konnte. Dazu dann Eisbergsalat und ein gar nicht so schlechter Weißwein von Aldi (Auxerrois Premier Cru 2004). Und da wir zu viel des Guten einem Schälvorgang unterworfen hatten, gibts heute wahrscheinlich das Gleiche nochmal oder vielleicht Kartoffelpüree mit Schafskäse und Frühlingszwiebeln. Mmmh.

Des Nächtens nach der Suche musikalischen Glücks unter Missachtung allgemein zugänglicher Zubereitungsregeln (kein Rezept)

Kaum war die Packung mit den Hähnchenkeulchen aus biologisch wertvollen Fertigungsbetrieben im Einklang mit dem MHD schnell zu einem Gericht angekocht mit Zwiebeln, Olivenöl, leicht runzeligen Tomaten, Gewürzen wie Thymian und Wacholderbeeren und süßlichen Rotwein kam der dringende Wunsch — nach Entgegennahme einer telefonischen Aufforderung zum Konzert — doch dasselbige sein zu lassen, welchem auch mittels Unterbrechung des Kochvorganges nachgekommen wurde. Allerdings war nach durchtanzter Nacht der Wunsch doch noch eine Kleinigkeit zu sich zu nehmen sehr ausgeprägt. Das Kochen wurde fortgesetzt und in den Schmortopf kamen noch diese lustigen kleinen Reisnudeln; und weil Kochen so ohne akustische Begleitung nur die halbe Wahrheit der Rezepterei ist und ohnehin schon wieder Entzugserscheinungen drohten, wurde rasch noch nach der gewünschten französischen CD gesucht, die dann nach allerdings etwas längerer Zeit endlich in den Händen haltend, quasi triumphierend, angehört werden konnte. Der Genuss war nur von kurzer Dauer, da bald die Gewissheit mittels Geruchsqualitätsoptimierungsmitteln offenbar wurde, dass diese verflixten Nudeln sich in der Soße zu rasch für die lange Suchdauer vollgesogen und es sich am Boden bequem gemacht hatten, was nun zu dem Effekt führte, der allgemein als Vorstufe ernsthafter Misslichkeiten zu betrachten ist: es brannte etwas an – war nicht viel aber reichte für einen unangenehmen Beigeschmack, der nun mit Rotwein bekämpft wurde. Gegessen wurde trotzdem. Rubrik Katastrophalia. Sollte sich halt nicht ablenken lassen. Morgen gibts was Besseres….
huhn mit tomatigen reisnudeln
Die Beilage aus Zucchini. Weintrauben und Eisbergsalat an Balsamicospritzer war gar nicht so schlecht zu Huhn mit tomatigen Reisnudeln

Zauberhafter Buntbarsch an Rosmarin-Kartoffel-Traum mit schwarzen Oliven (Rezept)

Schwarze Oliven und Kartoffeln aus dem Backofen?!? „Schmeckt das denn?“ „Es hat!“ Feinschmelzige Aromen haben zudem einen verträumten Effekt auf unsere Gesichter gelegt — darf hinzugefügt werden und war nun schon des Öfteren zu bestaunen gewesen auf dem Tische. Das geht ganz einfach und es bedarf wenig Fingerspitzengefühls, um das Gelingen als erfolgreichen Punkt für die eigene Koch-Skala zu verbuchen. Vom laufaufwändigen Geschehen gestrigen Tages war nämlich ein unbändiger Grummelton zu vernehmen gewesen, der sich nur durch blitzschnelle Besänftigung als bezwingbar erwies, die der Einfachheit halber mit vorhandenen Zutaten und schnell erkauftem Buntbarschfilet vorgenommen wurde.

Rosmarin und Oliven machen dieses Rezept so wunderbar - Fisch und Olivenoel tun ihr Uebriges
Rosmarin und Oliven machen dieses Rezept so wunderbar – Fisch und Olivenöl tun ihr Übriges

So wirds gemacht:

Kartoffeln schälen und in Scheiben schneiden während der Backofen sich munter auf ca. 200 Grad zu erhitzen beliebt. Kartoffelteile mit etlichen Litern ;-) Olivenöl, schwarzem Pfeffer, entkernten schwarze Oliven (ruhig ordentlich rein damit!), Meersalz und frischem + getrocknetem Rosmarin (der muss aber wirklich sehr gut (duftend) sein!) vermengen und dann mit guter Backalufolie bedeckt so an die 20 Minuten backen. Im italienischen Originalrezept „von“ Jamie Oliver wird nur eine Lage Kartoffeln bevorzugt — das reicht natürlich niemals für hungrige Mäuler, derer viele! Also ruhig ganz viel übereinander gestapelte Zutaten begutachten und als würdig betrachten. Durch die Eigenflüssigkeit der Kartoffeln und das gute Bio-Olivenöl sind die dann schon fast durch und es riecht bereits verführerisch. Runter mit der Alufolie, bissl rumrühren und nochmal zum Bräunen für ca. 10 Minuten in den Ofen (hängt auch von der Kartoffelsorte ab).
Dann die Buntbarsch-Filets, die zuvor gesalzen, gepfeffert und geölt worden sind, drauf und wieder ab in den Ofen, um sie noch so 15-20 Minuten zu erhitzen damit sie auch schön munden (der Saft vom Fisch zieht dann sehr schön in die Kartoffeln ein). Verzierungen aller Art, die sich auch geschmacklich gut auswirken können, dürfen beliebig neben die Kartoffeln (einige halbierte Kirschtomaten passen sehr gut) oder auf den Fisch getan werden. Je nach Zutat sollte das zusammen mit dem Fisch (Frühlingszwiebeln, Paprika z. B.) oder nach 8 Minuten (Schinkenwürfel) oder sogar erst zwei Minuten vor dem Ende (Nordseekrabben) bewerkstelligt werden.
Eigentlich kann jeder Fisch (auch ganze Fische wie im Originalrezept die Seezunge) verwendet werden, der nicht allzu trocken ist. Buntbarsch schmeckt warm im Anschluss an die Zubereitung besonders gut, Kabeljau etwa harmoniert mit den Nordseekrabben auch am nächsten Tage noch besonders gut. Probiert es einfach mal aus! Aus allgemeiner feierlicher Essfreude kam dann noch mit Zitrone gesäuerter Rucola dazu, der das gewisse Etwas brachte – ein spritziger kleiner Pluspunkt, der die absolute Vollendung dieses phantastischen Essens herbeizauberte. Sehr, sehr lecker das Alles zusammen!

Der genossene Wein war gut und wird demnächst mal vorgestellt werden, wenn eine zweite Flasche zur Kontrolle geleert worden ist – dies allein auch nur, damit keine Falschinformationen für die verehrte LeserInnenschaft zustandekommen.

fürderhin: Schlechte Weine in den Abguss – Gute Weine ab ins Vakuum

Schlechte WeineGute Weine, Weine allenthalben haben ein Problem:
Sie munden mehr oder minder vorzüglich und dann wird noch eine wohlfeile Flasche nach der anderen kredenzt. Irgendwas bleibt dann als letzter Tropfen trotz weinseeliger Aufopferungsbereitschaft doch noch ein Rest übrig; was ist nun zu tun? Warten bis zum nächsten Morgen, um dann verzweifelt einen Platz im sowieso schon viel zu ausgelasteten Kühlgelegenheitenverschlussbehältnis zu suchen? Oder aber wie ist zu verfahren, wenn wieder einmal vierzehn Weinflaschen auf einmal bei einem dieser Gelage zu öffnen waren und sich dann doch alle an den zwei-drei bevorzugten edlen Weinen ergötzten oder den versteckten Kasten Bier entdeckten, es wagten das Getränkeregal zu plündern und sich daran labten.
Was also mit diesen geöffneten Flaschen bewerkstelligen, ohne in die Massen-Weinessig-Produktion einzusteigen oder sich bei Fruchtfliegen-Populationen beliebt zu machen, die sicherlich nicht schlechte Gewinne (im Falle der fliegenden Miniaasgeier finanzielle Lücken im Budget für durch den Ärger hervorgerufene Sehnsucht nach beruhigenden Mitteln zwecks Bekämfung aufkommenden Unmutes schlimmeren Ausmaßes) abwerfen würde bei diesen Margen.
Die Antwort wird manche Konsumentinnen anderer Genüsslichkeiten verwundern, stellt sich aber bisweilen doch – prekär die Situation in unserer wohnlichen Küche, die ja gerade bevölkert werden will und nicht in der Unterstützung fluchtartigen Verlassens kochpotenzieller MeisterköchINNeN ihren Lebenszweck sieht.

Simpel als Alternative für fade Erlebnisse mit sauer-perligen Bakterien
Simpel als Alternative zu faden Erlebnissen mit sauer-perligen Bakterien

Die Rettung ist denkbar einfacherer Natur und ungeheuer praktisch: Gummi-Stöpsel mit Schlitz in der Mitte (oben und hindurch) auf den Flaschenhals drauf und mittels einer Pumpe (sieht aus wie eine kleine Fahrrad-Not-Luftpumpe) ein Vakuum entstehen lassen, das den Wein- oder auch Sekt-Alterungsprozeß zumindest für ein paar Tage unterbindet. Ultra-praktikabel — das vermag kein Silberlöffel, der als alterner Geheimwaffen-Tipp so manche entäuschten Gesichtsverzerrungen als gemeine Folge beim alsbaldigen Konsum des nunmehr eher faden Getränkes hervorzubringen in der Lage war. Ammenmärchen sozusagen. Helfen tut so was allenfalls der Silberlöffelindustrie, die das zugegebenermaßen zwar wirklich dringend notwendig hätte ob ihres nicht mehr dem Zeitgeist entsprechenden Luxusambienteanscheins vergangener Jahrzehnte (die Designplastikphase der 60er, 70er mal ausgenommen, die aber auch wirklich einige Schmankerl hervorgebracht hat, wie die mit Plastik umgarnte elektrische Kaffeemühle, die wir (leider ohne dazugehörigen Deckel) unser eigen nennen. Aber das ist ein anderes Thema.

Gefüllte Nudelecken an Sahne-Pfifferling-Wein-Soße mit roten Beeren als Ersatz für grüne Pfefferkörner und gepfefferter Salatbeilagendekoration

Der kritische Blick bei der dringend notwenig gewordenen Versorgungsengpassbeseitigungsmaßnahme fiel diesmal ins Kühlregal des extra angepriesen Biosortiments, welches inzwischen selbst in herkömmlichen Supermärkten ein doch erstaunliches Ausmaß gefunden hat, und blieb bei gefüllten Spezialitäten hängen, als da wären die dann in den Korb gewanderten Schinkenwürfel (die nicht gefüllt) und dreieckigen Ravioli, die mit einer Füllung aus Spinat und Käse (Parmesan, Frischkäse und Emmentaler) versehen waren und… . Meistens ist ja doch Vorsicht angebracht bei den inzwischen doch zahlreichen frischen Nudelsorten, die oftmals mit ihren Inlett nicht unbedingt das sind was höchsten Genuss verspricht. Die Firma Zimmermann, die mit Bioland-Signet versehen, versucht aus dieser Masse herauszustechen ist das gar nicht so schlecht gelungen — dennoch: die Spitzengruppe verortet sich anderswo.
Dies allein war natürlich nicht genug, die verdammte Kaufsucht zeigt sich mal wieder, es musste auch noch die Packung mit Bio-Minutensteaks sein. Derart versorgt gab es dann die Idee doch mal wieder eine Sahnesoße mit grünem Pfeffer herbeizuzaubern. Gut Gedacht — schlecht geplant; auch nach intensiver Suche fand sich in unserer großen Gewürzschüssel zwar alles mögliche, aber leider keine grünen Kügelchen, so dass mal wieder auf die Roten Beeren zurückgegriffen werden konnte.

Während die Zwiebeln mit eben diesem Roten Pfeffer angebraten (und mit etwas Weißwein abgelöscht wurden) fiel auf, weil diese ja eigentlich gar kein Pfeffer sind, sondern einem wenig pfeffrigen Strauch aus Südamerka entsprungen sind, dass was fehlte und so wurde noch ordentlich schwarzer Pfeffer hinzugefügt. Weil dann auch noch Pfifferlinge zur Verfügung standen füllten diese die Lücke des anderen Gewürzes durch feinaromatische Pilzwürze geschickt auf. Minuten-Steaks rein und nach drei Minuten ein Schlag Bio-Sahne für den guten Geschmack. Schnell noch geriebener Pecorino und Salz rein und kurz die Flamme hochgestellt war das Essen (nebst mit frischem Pfeffer versehener Gewächsarten) fertig. Dazu — wozu schon die Zubereitung anregte — ein Glas Wein (Chardonnay, kbA).

An dieser Stelle vielleicht noch ein Hinweis hinsichtlich einiger sich besonders schlau vorkommender „Berufs“köche, die sich nicht nur in Fernsehsendungen bezüglich der richtigen Weinwahl immer derart einfaltslos verausgaben, so dass sie entweder nur den Wein, den sie zum Kochen verwenden auch als verpflichtend zu verkonsumieren ausgeben oder gleich wissen, dass ja nur diese eine Weinsorte die richtige sein könne, was natürlich vollendendete Beleidigung jedes feinfühligen Genussmenschen ist, von denen es ja doch einige gibt ;-).
gefuellte Nudelecken an Sahne-Pfifferling-Wein-So�e mit roten Beeren und gepfefferter Salatbeilagendekoration