Erfrischender schwedischer Rabarber-Saft — Rezept (u.a.) & Anekdote (wunderbar) & Accessoir (très chic)

Der einzige Grund, warum sich jedes Jahr Heerscharen auf in die nördlichen mückenverseuchten Gefilde begeben, liegt im sogenannten rabarber saft, jenem geheimnisumwobenen Getränk, von denen schon die nordischen Göttinnen zu sagen pflegten, dass ihnen dieses dereinst nach der Vergänglichkeit durchaus zupass kommen würde, um eben diesen Zustand zu bewältigen. Aber nicht nur allein dies ist der Grund, warum das Rezept streng gehütet und nicht ins befreundete Ausland transportiert werden darf (findet mal hier Rhabarber-Saft!) — natürlich unter Androhung der Todesstrafe, die sich übrigens noch immer in der hessischen Landesverfassung findet und von den Vätern und Müttern der Verfassung mit Weitsicht auf das derzeitige Landesoberhaupt gemünzt worden scheint, der sich aber rausredet, dass das Grundgesetz über seiner ureigenen Verfassung stehen würde… Landespatriotismus hört sich anders an — schließlich versucht dieser (ausgestattet mit dem Charme eines „Karierte Hemden“ tragenden JU-Pennälers), diesen Umstand bei der Einführung elitärer Studiengebühren dem eher schlichteren Gemüte vorzuführen als Grund, warum Hessen eben diese brauchen würde — weshalb normale Studierende nun kulinarisch darben müssen.

Aber zurück zum Erfrischungsgetränk, das sich gerade bei sengender Hitze viel besser macht, als etwa ein heißer Erkältungstee, der ja durchaus auch seinen Reiz hat, wenngleich doch beim Abwiegen der Vor- und Nachteile sich zur Zeit ein leichter Vorteil hinsichtlich des Kaltgetränkes ergibt.
Torfolk Gård heißt die bekannteste Biomarke, die vom schwedischen Anbauverband KRAV streng kontrolliert wird — so streng, dass es das fabelhafte Produkt in keinem einzigen genossenschaftlich organisierten Konsum (ja, ja im Norden gibts den noch) mehr zu erwerben gibt; nach aufwändiger Suche, die die beauftragte Person nahe an den Wahnsinn getrieben hat, wurden noch Restbestände entdeckt und eben dies ist auch die Causa fürs nachfolgende leicht nachzukochende Gericht pardon Kaltgetränk — wobei der Zeitpunkt für eine nette Anekdote gekommen scheint:

Dereinst wurde jener rabarbersaft als Geschenk in die schon viel zu schwere Tasche gesteckt und daheim dann irgendwann nachdem sich schon Staub darauf angesetzt hatte, lieben Besuch als schwedische Spezialität angeboten. Ein kräftiger Schluck der gegenübersitzenden Person beförderte die Erinnerung an die seltsame schwedische Sprache wieder zutage, die ihr Handikap in der allzu leichtfertigen Interpretation der dem deutschen Schrift- und Sprachgebrauch leicht ähnelnden Wortungetüme, hat.
Der Gesichtausdruck, der nämlich mit dem ordentlichen Genuss jenes Saftes in Form eines kräftigen (weil furchtbar durstig) Schluckes einherging war ähnlich derjenigen, die schon mal in einem Ikea-Einrichtungshaus Köttbullar (schwedisch ausgesprochen: schöttbullar) bestellt und tatsächlich genossen haben. Nach einem äußerst vorsichtigen Nippen am Glas, das beim eiligen Hinausrennen (um dem heimischen Wasserhahn etliche Liter kostbaren Nass zu entlocken) einfach stehen gelassen worden war, bestätigte den Verdacht, dass es sich mitnichten um Saft, sondern um Sirup zu handeln schien, der aber reichlich verdünnt dann doch zu munden wusste, weshalb auch eine gewisse Sucht eintrat, die regelmässig durch Zukäufe befriedigt wurde, um dann jetzt doch in selbsttätiger Aktion zu enden, um weiterhin sagen zu können, dass eine richtige Erfrischung eben doch nur….

RABARBER-SAFT mit Accessoir (très chic)
RABARBER-SAFT mit Accessoir (très chic)

Aber jetzt mal zum Geheim-Rezept für den Rhabarbersaft (rabarbar saft):
Fleißige Hände brauchen nur in Nachbars Garten so ca. 20 Stück Rhabarberstiele zu sozialisieren, um sie dann in der streng verbarrikadierten Küche (des Geheimrezeptes wegen!) in kleine Stücke zu zersäbeln, Wasser (klares Quellwasser erhält ganz klar den Vorzug) kommt auch noch hinzu, so dass die Rhabarberstücke grad noch rausschauen aus dem großen Topf, dessen Marke bei diesem Rezepte keinerlei Rolle spielt.
Nachdem nun Alles zum Kochen und anschließendem Kaltwerden und dann durch ein Sieb zum Pressen gebracht worden ist, wird ungefähr der Jahreskonsum an Zucker hinzugefügt (für weniger süß veranlagte ZeitgenossInnen genügt schon ein Kilo Zucker), der nach einem anschließenden Erhitzungsvorgang (80 Grad sollten es schon sein) einen schönen dicken Rhabarbersirup (bei weniger Zucker auch durchaus nicht — des Überraschungseffektes wegen — zu verachtenden dünnflüssigen, dem Torfolk nicht unähnlichen Saft, hervorbringt). Ab durch einen Trichter in zuvor ausgekochte kleine Fläschchen, die sich dann als Accessoir in der Küche besonders gut im extravaganten Regal (ebenfalls très chic) machen.

Skål!


11 Antworten auf “Erfrischender schwedischer Rabarber-Saft — Rezept (u.a.) & Anekdote (wunderbar) & Accessoir (très chic)”


  1. Gravatar Icon 1 sammelsurium 15. Juli 2006 um 10:02 Uhr

    Am besten gleich mal für den nächsten Skandinavien-Urlaub merken:

    saft = Sirup
    juice, oder
    jus = Saft

    Und der „saft“ im Supermarkt schmeckt eigentlich nur scheiße, wenn ihr dagegen an irgendeinen selbstgekochten von irgendeiner Oma kommt, zugreifen, mjam.

  2. Gravatar Icon 2 kulinariakatastrophalia 15. Juli 2006 um 18:24 Uhr

    Ja, stimmt schon — der käufliche Saft kann grundsätzlich dem selbsthergestellten Zubereitungsgetränk nicht das Wasser reichen; allerdings ist Torfol Gård um Längen besser als der Rest und war deshalb immer eine gute Wahl. Insbesondere als erste eigene Zubereitungserfahrungen kläglich scheiterten, die die sogenannte Einziehmethode favorisierten: Dabei wird das Wasser mit dem Rabarbar und Zucker nur kurz gekocht und das Ganze zieht dann ein paar Tage durch und wird dann noch mal kurz gekocht und dann ist er fertig — zumindest war so die Planung. Resultat war (auch mangels ausreichender Kühlung) ein Gärgetränk, welches kaum normalen kulinarischen Anforderungen entsprach. Die neue Methode war auch gleich vielversprechender. Hinter der Flasche auf dem Bild findet sich übrigens der selbgemachte Saft, der aber kein so schönes Etiket besaß und deshalb etwas in den Hintergrund gedrängt wurde.

    Und außerdem: Mit diesem Etiket können sooo schöne Umtrunkerfahrungen gemacht werden…

  3. Gravatar Icon 3 Manfred 30. Juli 2007 um 15:05 Uhr

    Wir waren letztens in Bayern und haben im Landgasthof „zum Sepperl“ in 82229 Meiling / Seefeld, eine köstlich erfrischende Rhabarbasaft-
    schorle getrunken.Wieder zu Hause in NRW, versuchen wir verzweifelt Rhabarbasaft zu finden. Wir dachten den bekommt man im jeden Supermarkt
    (da haben wir wohl falsch gedacht) Bei eBay kennt man ihn auch nicht!!
    Kann man Rhabarbarsaft nicht im Entsäfter herstellen?

  4. Gravatar Icon 4 Dr. Klaus Weberpals 08. August 2007 um 19:17 Uhr

    Hallo,
    meine Frau und ich haben bei einer Radtour in der Nähe von Regensburg ebenfalls die köstliche Rhabarbasaftschorle getrunken. Wieder im Frankenland fand ich diese leider auch nicht. Falls ich etwas herausfinde, sage ich Ihnen Bescheid; bitte ebenso

    Email: KDWeberpals@gmx.de
    Gruß K.D.Weberpals

  5. Gravatar Icon 5 kulinariakatastrophalia 09. August 2007 um 20:48 Uhr

    Also — Rhabarbersaft (nicht Sirup ;-)) gibt es im Biofachhandel und in Reformhäusern. Genauso wie der Rabarbersaft kann der mittels Wasser zur erfrischenden Schorlenzubereitung benutzt werden. Ob der Entsäfter der richtige Weg ist, müsste auszuprobieren sein.

  6. Gravatar Icon 6 Marion 26. Oktober 2009 um 17:15 Uhr

    :)Voll geil, bin auch ein absoluter Fan von diesem sauer/süßem Gesöff,dem Rhabarbersaft. Und wo bitte bekomme ich den her, Internetbestellung ?

    Hier bei uns im Norden gibt es nur den ziemlich teuren 0,7 l Flasche für 2,99 €.

    MFG
    Marion

  7. Gravatar Icon 7 Marion 26. Oktober 2009 um 17:17 Uhr

    Übrigens koche ich regelmässig zur Saison Kompott aus diesem Gemüse, zählt nämlich zum Gemüse und nicht zur Frucht !!

  8. Gravatar Icon 8 kulinariakatastrophalia 27. Oktober 2009 um 15:28 Uhr

    @Marion
    Wenn Du im Norden wohnst, einfach noch weiter rauf fahren und dann irgendwann scharf rechts, da kann das erworben werden ;-) Gibt es leider nur in Schweden soweit bekannt, allerdings dürfte sich der Bio-Sirup auch in diesem Preissegmnet bewegen.

  9. Gravatar Icon 9 Anna 16. September 2010 um 1:19 Uhr

    Während der heißesten Tage in diesem Jahr versuchte ich mich an der geheimen Herstellung des köstlichen Zauberzeugs. Mein Experiment hat nur bei den Kindern Anklang gefunden. Leider war nach einem Mischungsverhältnis von 1zu1 Frucht-Zucker der Sirup viel zu süß und trotz geringer Wasserzugabe viel zu wenig rhabarberlich. Im nächsten Sommer also noch mal von vorn mit weniger Zucker und ein ultrageheimer Tipp;) man füge ein wenig Vanille aus der Schote hinzu. Ich war noch nie in Schweden, aber so könnte es schmecken!

  10. Gravatar Icon 10 imke 05. Mai 2011 um 18:49 Uhr

    ICh kaufe Rhabarbersaft im Bioladen, die haben jede Menge. Der im Tetrapack aus dem Supermarkt ist mir zu süß.

  11. Gravatar Icon 11 kulinariakatastrophalia 07. Mai 2011 um 1:48 Uhr

    @imke
    Das ist Sirup und der ist süß.

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