Archiv für Juli 2006

Eisige Juli-Perlen als erfrischender Höhepunkt des Tages, um Gluthitze und Resignation den Tribut zu zollen

Nach eigentlich gar nicht so langen Überlegungen, was sich mit Himbeeren so Alles anstellen lässt, fiel der Gedanke an den Garten-Koch-Event Minze der auf einigen „Food-Blogs“ beworben wird und an welchem wir eigentlich schon vor Wochen erstmals teilnehmen wollten. Warum nicht mit neuartigen Kreationen einen fulminanten Auftritt zum Blog-Event Minze hinlegen und zwei-drei kochwütige Stunden bei der Zubereitung eines warmen Spitzenmahls verbringen? Die entsetzliche Hitze sprach aus lähmenden Gesichtern, als der Gedanke an was Eisiges mit den aufkommenden Temperaturen in Einklang zu bringen schien, was auf frenetische Zustimmung hoffen ließ. Gedacht, gesagt, getan wurde sich ans Werk gemacht und die vorhandenen Zutaten, die möglicherweise ins Spiel zu bringen waren, gesichtet.
Minze musste rein, klar — dann noch was Kaltes! Vielleicht Eis, Sahne oder so was? Nein, zu profan. Joghurt mit Minze — wenngleich sehr lecker — schien zu banal und außerdem schon gebloggt.

Minze Blog Event
Noch Zeit bis heute zu mitternächtlicher Stunde

Da kam die fantastische Idee! Der lobgepriesene Agaven-Dicksaft, der schon so manches Mahl bereicherte, wurde aus dem übervollen Essens-Regal entnommen, um sich wieder mal seiner vorzüglichen, leicht süßlichen, aber dennoch äußerst fein schmeckenden Fähigkeiten zu bedienen. Ein Genuss sondergleichen ist der Agavendicksaft (hier Bio von Allos) schon allein, wenn er zu drapierten Früchten mit fein gemahlenen Zimt gereicht wird; wobei darauf geachtet werden sollte, dass der Zimt nicht zu intensiv in den Vordergrund rückt wie manche zweifelhafte Sorte. Wir empfehlen so nebenbei den Fair Trade (das sollte schon sein) gehandelten Zimt aus Sri Lanka von El Puente, der sich auch zu Cappuccino hervorragend als bestreuter Zusatz eignet.

Aber Zimt passte hier nicht zu den köstlichen feinen Himbeeren, nein hier musste ganz klar Minze ran. Erste Versuche wurden gestartet und nach einigen Eskapaden war klar, was rein musste: Pfeffer-Minze, Zitronenmelisse (alternativ ein Spritzer Lemon) und Agavendicksaft — dazu in jede siebte Himbeere ein wenig frischer und fein geriebener Ingwer (Galgant wäre wohl zu scharf und war sowieso grad nicht vorhanden). Gleich wurde mit dem tollen neuen Küchenmesser von WMF die geschmiedete Natur weidlich ausgenutzt, als die Minze fein bis leicht grob zerkleinert wurde. Dann kamen in ein Rührgefäß ein paar Löffel (5) Agavendicksaft und das Ganze wurde verrührt bis sich der Agavendicksaft mit der Minze schön verbunden hatte und dann kamen noch ein bis zwei Eßlöffel davon hinzu damit es nicht zu pampig wurde. Für die Ingwerfassung wurde noch mal das Gleiche ohne Melisse bewerkstelligt und ein kleines Stück (ca. 3 Gramm) in geriebenen Zustand kam hinzu.
Für die Himbeeren war dies nämlich die leckere Füllung, die mit kleinem Aufwand, der extra unter einem Vorwand geladenen lieben Besuch überlassen worden war, hineinzufrimmeln war (mit einem dünnen Stab oder Spicker klappte es ganz gut). Sodann wurden die gefüllten Himbeeren ins Gefrierfach hineinkomplementiert und nach einem eisigen Aufenthalt, den wir uns auch herbeisehnten, wieder hervorgeholt, um im frischen Minzbett serviert unseren Gaumen als Eisige Juliperlen zu erfreuen.

Eisige Juli-Perlen im Minzbett
Eisige Juli-Perlen im Minzbett

Seeeehr kalt und seeehr gut zu diesen heißen Saunatemperaturen; eine Erfrischung, die uns schon Wochen vorher sehr glücklich hätte machen können war geboren. Das langsame Lutschen hatte den erfrischenden Charakter eines Himbeereises, aber viel besser und länger anhaltend. Nach dem süßsauren Himbeerumhüllungsbruch kam der frische Minz-Melissengeschmack, der nun — mit dem Agavenendprodukt wetteifernd — zum Tragen kam. Die Überraschung dann die Himbeeren mit Ingwerfüllung, die einen leichten scharfen Hintergrundgeschmack lieferten, der jedoch die Minze voll zum Tragen kommen ließ. Zusammen eine leckere Dessert-Idee. Für den Winter werden wir diese Spezialität noch zusätzlich karamelisieren und/oder mit cubanischen Rum flambieren! Für diesen Hochsommer war dies nicht nötig, da schon eindeutig super-perlig perfect!

Und nochmal zum Mitschreiben auf die Schnelle:

Zutatenliste
10 Gramm Pfefferminzblätter
4 Gramm Zitronenmelisse (alternativ Limonen-Spritzer)
ca. 6 Eßlöffel Bio-Agavendicksaft
ca. 3 Gramm Ingwer, feingerieben
Ganz, ganz viele frische Himbeeren
1 Gefrierfach/truhe (mind. ***)
etwas Geduld

So wirds zubereitet
feingehackte Minze- und Melisseblätter (im Verhältnis 70/30) mit dem Agavendicksaft vermischen
1/7 nur mit Minze und Ingwer vermischen
in die Himbeeren rein damit, in jede siebte die zweite Füllung
Frieren lassen, Rausholen, Dekorieren oder gleich Genießen

Ganz, ganz viele bunte kulinarische Blogs zum Anschauen

Was treiben eigentlich die Anderen…. was gibt es sonst noch so…. oder fangen wir mal anders an….
Als wir vor ein paar Wochen anfingen, erste kulinarische Spezialitäten per blog einzustellen, waren wir uns der Konsequenzen kaum bewusst, die einen gewissen Suchteffekt auslösten bezüglich auch der Kreierung neuer noch interessanterer Spezialitäten, als wir ohnehin schon fabrizieren zu unser aller Wohlgefallen.
Ganz klar: unsere Rezepte sind delikat bis ins letzte Erbschen, das nach vollendeter Völlerei verloren auf dem blankgeleckten Designer-Teller sein nunmehr letztes Erdendaseinsstündchen zu fristen gedachte.

Unsere google-hits sind übrigens unser fantastisches Gericht aus Pangasius, jenem vietnamesischen Wels, der sich in Asien und neuerdings auch in Europa zunehmenden Interesses erfreut (zu recht: zart schmeckend und dennoch fest tritt er auf und eignet sich hervorragend für Schmorgerichte oder was aus dem Wok) und natürlich der absolute Hit: getrocknete und eingelegte Tomaten in Oliven-Öl (Bio), kein Wunder, ist doch unser Rezept selbstverständlich mit Abstand das Beste ;-) was im großen, weiten internet zu finden ist; während die Hälfte der Rezepte noch mit umständlichen Zubereitungsregeln für selbst erstellte getrocknete Tomaten aufwartet (ohne die Öl-Zubereitung zu erwähnen), hat die andere Hälfte entweder voneinander abgeschrieben (oder gehört obskuren Werbeseiten an) oder verpanscht den Geschmack mit zuviel Wein (welche es mag…). Kein Wunder also, dass unser Rezept heiß begehrt und wie wir schon erfahren konnten auch nach“gekocht“ worden ist. Kommt jetzt wahrscheinlich auf die Liste suchtgefährdender Stoffe.

getrocknete und eingelegte Tomaten in Oliven-�l (Bio)
Google-Hit: Rezept für getrocknete und eingelegte Tomaten in Bio-Oliven-Öl

Ganz so bekannt sind wir natürlich noch nicht (dafür selbstredend ein echter Insider-Tipp als kulinarischer Blog, mal so ganz unbescheiden). Wenngleich niemand so schön blumig das Rezept zu Papier zu bringen gedenkt; apropos Rezept:
Wir kochen in der Regel viele Sachen nicht mit immer den gleichen Zutaten oder messen gar etwas ab — wir probieren immer mal wieder was Neues aus und nun sehen wir uns vor das Problem gestellt, dass ständig bemängelt wird, dass keine Rezeptangaben bzw. keine genauen dabeistehen. Das ist verdammt schwierig und Hut ab vor den anderen Blogs, die das mal so einfach (?) bewerkstelligen. Da geht eine Menge Zeit bei drauf und wenn gerade das Essen so schön gemundet hat, weiß am Ende niemand mehr so genau wieviel Gramm davon oder davon nun drin war.
Wir schütteln das halt so aus der Hand raus und wissen aber, dass es einige gibt, die nur streng nach Angaben kochen können. Wir bemühen uns, versprechen aber nix, dass es besser wird!
Aber mal ganz ehrlich: Es passiert nichts, wenn mal von der einen oder anderen Sache mal etwas mehr oder eben weniger genommen wird, das kriegen eigentlich Alle so mit der Zeit raus (obwohl auch Leute bekannt sind, die selbst mit Mitte 20 noch immer nicht wissen, wie Kartoffeln richtig gekocht werden; die werden dann halt dumm und kulinarisch unbefriedigt sterben, die Friedhöfe sind voll davon, sie werden, das als Trost, nicht alleine sein).

Frecherweise gab es schon andere, die auch schon kulinarische blogs ihr Eigen nannten. Wir müssen deshalb in nächster Zeit unsere Linkliste kulinarischer blogs erweiterten (habt Geduld). Ein Umstand, der sich bei näherem Anschauungsunterricht allerdings beileibe nicht als dem eigenen Anspruch gerecht werdend entpuppte. Die meisten (sooo viele sind es eigentlich gar nicht) produzieren ganz fleissig und tagesaktuell Rezept um Rezept und lichten das Ergebnis ihrer kulinarischen und sonstigen Tätigkeiten genauso eifrig wie wir dies tun ab, um — das ergänzen wir mal so nebenbei — ihrem Status als Neid-Blog zu fröhnen. Denn seien wir doch ehrlich, es ist wohl nicht nur der allgemeinen Menschheitsfürsorge zuzurechnen, wenn allerlei Leckeres kredenzt wird.

Die wenigsten wollen nur Rezepte anbieten. Sie wollen an niedrige Instinkte gerichtet, den Leuten das Wasser im Munde zusammenlaufen lassen, ganz fies und gemein also diese sadistischen AnbieterInnen. Wir sind genauso.
Andere hingegen steigen ruhmvoll auf und kommen sogar ins Bayerische Fernsehen wie dieser durchaus nicht uninteressante Blog chili und ciabatta, der uns nebenbei mit Familieninterna versorgt; und gänzlich unanonym (gibt es das Wort eigentlich?) mit Bild kommt auch Kochfrosch aus Erlangen daher, die Tochter des vorherigen Blogs, die z. Bsp. die pseudo-asiatische-gemüseverwertung favorisiert.
Das Offenbaren unserer näheren Identität können wir uns gar nicht leisten; seitdem wir bloggen, sind wir damit beschäftigt das ausgehungerte Gelumpe abzuwehren, welches auf der Straße herumlungernd, zufällig unserere Adresse in Erfahrung gebracht und uns kurzerhand aufzusuchen gedachte ;-)

Rustikal kommt Die Bauernküche daher und präsentiert u.a. Goldmelissen-Sirup, während FoodFreak sich an unsererem Basilikum-Anbautipp herzlichst erfreuen dürfte.

Auch die bundesdeutsche Presse weiß mehr oder minder erfolgreich eine dann wohl eher bezahlte Blog-Tätigkeit vorzuweisen: Die Wochenzeitung „Zeit“ schickt zwei Köche ins Rennen, die den Blog nachgesalzen betreiben und die Zeitschrift „freundin“ eine ihrer Redakteurinnen mit essen gut alles gut, die zu Recht bekennender Jamie Oliver-Fan ist.

Jans Küchenleben kommt mit Kochmützenbild daher und serviert auch Flüssiges wie Erdbeersauce. Richtig scharfe Chilis im Speckmantel servieren GamerX` und Yolandas Twist. Auch speziell Glutenfreies gibt es im Blog kaMehl, versehen mit dem Zusatz „Zöliakie und trotzdem gut essen“.

Blaubeerige Saisongerichte gibt es hingegen bei küchenruf; mit Kochtopf im Header wirbt 1x umrühren bitte für Kochkünste wie Focaccia al rosmarino und wird als Hamburger Blogger in der Schweizer Lokalpresse kurz erwähnt.
Hingegen ganz auf den Magen hat es wohl Unser Essen geschlagen — ob die Gebratenen Auberginen daran schuld sind können wir nur mutmaßen.
Genial lecker geht es hingegen etwa mit einer Forelle Müllerin zu.

Desweiteren begnügen sich andere unkulinarische Blogs mit sporadischen Beiträgen zum Thema Essen wie dem Salamibaguette Praxistest oder entdeckten Schrauben in Tomatensauce und anschließenden Kompensationsversuchen des Herstellers.

Küchenkrieg alias „onkelolfs Escapaden in der WG-Küche“ hat wohl nichts mit der schummrigen Berliner Kneipe namens Möbel-Olfe zu tun; nichtsdestotrotz versucht der Blog mit Datteln im Speckmantel zu überzeugen.

Fool for Food weckt das Interesse an Himbeeren, die wir aufgreifen werden nachdem gerade welche käuflich erworben worden sind.

Zum Schluß noch der Blog mit dem symphatischen Namen Kochen für Schlampen, der eine Tomatensuppe mit altbackenen Bio-Weißbrot zu versetzen weiß.

Schöner großer grüner Basilikum im Topfe (Anbau-Tipp)

Die Urlaubszeit und Gluthitze lässt auch Kulinaria Katastrophalia nicht ungeschoren; ein ständiges Kommen und Gehen verhindert ein wenig die Unterhaltung respektabler, kochwütiger Einträge — zumal gerade keine einzige Digitalkamera zur Hand war (ab Sonntag ist eine extra Ausgeliehene da – keine Angst), als wir bspw. letztens dieses wunderbare Bio-Hähnchen in Martini-Rose-Soße mit Tomaten-Knoblauch-Stückchen herbeigezaubert haben. Weil das soooo lecker war, gibts das — und natürlich das tolle Rezept dazu! — wieder, wenn die Wohngemeinschaft vollständig versammelt ist.
Bisweilen werden einfach ein paar noch nicht veröffentlichte Rezepte und Bilder eingestellt und den Anfang macht ein Anbautipp für Basilikum, der immer großes Staunen bei unserem Besuch hervorruft, wenn sie die Riesenpflanze in unserer Kulinaria-Küche entdecken. „Wie kriegt ihr denn den so groß“ oder so ähnlich ist dann immer die Reaktion darauf. Die Ablichtung ist zwar von vor drei Wochen — inzwischen ist das Teil aber noch ordentlich gewachsen und wird morgen für das legendäre Pistazien-Pesto abgeerntet und dann hochaktuell mit Bild (wenn alles klappt) und Rezept (endlich!) eingestellt.

schöner gro�er grüner Basilikum im Topf
Schön anzusehen: großer, grüner Basilikum im Topf

Aber nun mal zum Basilikum: Während der bei anderen regelmäßig nur als ein Schein ihrer Selbst zu bezeichnen ist, wächst und gedeiht das Gewächs bei uns ohne Unterlass. Das liegt an unserer speziellen auf unsere Küche abgestimmten Anbaumethode; erst mal kaufen wir (zum Aussähen sind wir zu faul) zwei schon große Basilikum-Töpfe auf dem Wochenmarkt oder im Bioladen oder im Supermarkt, halt da wo er am besten aussieht (grüne Blätter, viele Stängel). Sodann gießen wir, während bereits die Sonne draufrieselt, drei lange Tage den Basilikum und lassen dabei die Plastikfolie drumherum einfach dran. Da die Teile aus dem Gewächshaus stammen sind die auch mittels Dünger so schnell gewachsen, dass die Stängel ohne Folie fast Umknicken. Außerdem sind die BetreuerInnen der Obst- und Gemüseabteilung die Letzten, die an ausreichendes Wässern während ihrer Arbeitszeit denken, die Pflanze hat also Nachholbedarf! Dann geht die meistens schon ganz schön auf und wächst eifrig. Dann machen wir die Folie ab und gießen noch mal drei Tage auch schon eifrig morgens, mittags und abends und lassen gefälligst unsere Finger von der sich nun immer imposanter entwickelnden Sache, die da heranwächst (die braucht die Blätter jetzt zum Wachsen). Sodann werden die beiden Basilikumtöpfe in einen großen (!) Tontopf mit ausreichend Erde umgepflanzt (Blumenerde reicht).
Nach einer Woche ausreichenden Begießens mit Wasser (währenddessen immer noch nichts pflücken!) braucht ihr eine größere Küche. Einfach mal Ausprobieren, ihr werdet Eure helle Freude daran haben!

Weinkeller-Probierstunde zur lauen Nacht

Des Nächtens als die Temperaturen gerade so einen Anklang an gesittete Umgangsformen der Wetterfeen erahnen liessen, wurde der Wunsch nach dem Leeren des Weinkellers laut und nach einigen Stöbern in einer der hinteren Ecken wurde ein italienischer Chardonnay zu Tage gefördert. Schnell kalt gestellt versprach dieser Wein aus kbA doch eine gelungene Erfrischung zu werden, die auch dringend notwendig war nach den letzten Stunden, die allem Anschein nach ein neues Sonneninferno zementierten.

schaler Wein mit Stich

Piave Denominazione Origine Controllata verhieß die Aufschrift und entpuppte sich alsbald als schales Etwas mit einem deutlich spürbaren Stich, der zwar noch nicht edlen Weinessig hervorgebracht, aber dennoch die Erinnerung daran wachzuhalten gedachte. Nun war der Wein zwar aus dem Jahre 2001 aber eigentlich auch nicht schlecht gelagert und natürlich kann es immer mal vorkommen, dass die eine oder andere Flasche nicht top ist – hier schien aber schon die Grundsubstanz guten Geschmackes von Anfang an nicht gegeben zu sein. Wie so oft bei Bioweinen also ein Griff daneben (demnächst wie schon angekündigt mehr zu diesem von der Bio-Industrie totgeschwiegenen und höchst heiklen Thema). Lieber die Finger von lassen heisst deshalb die Empfehlung bis eine Flasche neueren Jahrgangs verkostet und für gut befunden worden ist.

Fischfilet an Weinsoße und gedünstetem Gemüse mit Pesto und Ofenkartoffeln

Nach einem aufreibenden Wochenende muss der Mensch sich einfach mal selbst verwöhnen. Hierfür ist ein köstliches Mahl natürlich die beste Grundlage. Probleme kann es nur geben, wenn ein vorhergehender Seebesuch nicht nur die noch übrigen Kraftreserven verzehrt hat, sondern dazu noch der Appetit auf Fisch durch Schwimmen zwischen den Algentod erlittenen Fischen reichlich geschmälert wurde. Doch wird das ganze mit der nötigen Ruhe angegangen, dann kann die Motivation mit dem Kochen zurückkehren und einen zu ungeahnten kulinarischen Höhen treiben. Ein Fischfilet durch vorheriges in Mehl wenden leicht knusprig angebraten, welches nach Belieben mit einer Wein-Sahne-Soße oder auch mit selbst gemachten Pistazien-Pesto ganz ausgezeichnet mundet. Dazu passen hervorragend Kartoffelspalten, denen Olivenöl und Rosmarin einen mediterranen Touch verleihen.

Fisch

Mit Hackfleisch gefüllte Zucchini an Naturreis

Am Badesee dämmerte ich in der Hitze vor mich hin, als sich meine Begleitung für diese Temperaturen viel zu plötzlich aufrichtete und laut und deutlich einen Wunsch äußerte: „Ich brauche heute Fleisch!“ Zunächst nicht sonderlich begeistert, freundete auch ich mich nach einem weiteren Bad und einer vor der Ohnmacht rettenden Currywurst mit diesem Gedanken an. Wer sollte uns mästen, wenn wir es nicht selbst tun? Die mit einer Tomaten-Hackfleisch-Füllung und Peccorino überbackenen Zuchini waren hierzu das perfekte Mittel und erinnerten uns dazu noch ein bisschen an zuhause.

Zucchini

Die schwere Auswahl der zart-bitteren Schokocreme-Versuchung zum Brunch und die fein-herbe Pusteblumen-Vorstufen-Überraschung zum Nachmittage + Extra-Bonus: Ernte-Tipp

Nicht wegzudenken vom früh-mittäglichen Verköstigungsgenuss — kurz vor dem Konzentrateinfall von Sonnenstrahlen — ist die berühmte Schokokreme, die meist (als Gör) genossen in Form von Nutella auf dem Tisch oder dem Pausenbrot (dann recht pappig in der Plastikbox durchgesogen) zu finden war. Aber was früher nicht süß genug sein konnte (Fanta, Chokolade), erscheint mit dem immer größer werdenden Abstand zu diesen Zeiten als doch dem feineren Geschmack etwas abhold, so dass es Zeit war der Einfachheit halber was Neues auszuprobieren, um dem nur entfernt an Süße erinnernden Trend, um wieder halbwegs normal zu konsumieren, etwas entgegenzusetzen.

Als da wären dreierlei Cremes aus Schokolade oder genauer Schokoladenpulver etwas herberer Natur — spezieller: Zartbitter heisst der neue Trend im Schokoladenbusiness. Natürlich aus ökologischer Landwirtschaft, um des besseren Naturverhältnisses wegen und natürlich, weil Öko in der Regel auch besser schmeckt (die unrühmlichen Öko-Weine, die hingegen zu 80 % reiner Ausschuss sind mal ausgenommen; aber dazu demnächst mehr) und mit dem Keywort Bio die Google-Treffer in die Höhe schnellen (aber dazu in gar nicht so ferner Zeit auch Näheres zur Information für die wissbegierige von Neugier geplagte aber hoffentlich nicht minder aufgeschlossene Kulinaria-Katastrophalia-Gemeinde).

Zart-Bitter-Trend-Schokoladen-Creme-Modenschau
Zart-Bitter-Trend-Schokoladen-Creme-Modenschau

Als Auswahl Nr. 1 war eine Rapunzelcreme am Start, die zugleich auch die hellste unter den Sorten war. Negativ war zu bemerken, dass nicht die Plantage (wir sagen nur Plantagen-Schoki!) benannt worden war. Der Vermerk „vegan“ entpuppte sich als Irreführung par exellence weil im Kleingedruckten der Hinweis zu lesen war, dass Spuren von Milch (Hallo?) vorhanden sein könnten. Wer so sträflich mit den Endkunden umgeht muss halt in den sauren Apfel beissen und ausscheiden aus dem Contest (ausserdem war sie einfach zu süß und zu teuer).

Nummero 2 (Choco Chocoreale Bio) hingegen frischte die Erinnerung an herben Geschmack etwas auf — wenngleich doch auch hier noch die aufdringliche Grundsüße zu finden war. Aber schon deutlich besser. Auf der Suche nach dem Anbaugebiet der Kakaobohnen stießen wir bei dem Hersteller wieder auf internationale Gewandheit, die wir so sehr schätzen. Pâte à tortiner au chocolat stand doch da – uns tränten die Augen; Rapunzel wusste mit Créme de chocolat noir zu bezaubern. Immerhin ist Natudis, der zweite Anbieter aus den Niederlanden — während Rapunzel nur aus bedingt deutschsprachigen Raume entstammt.

Wir hatten erst schon einen aufkeimenden Verdacht, als wir auf auf das gleiche Logo (Nein, nicht das dürftige Bio-Siegel) dieser niederländischen Firma, das schon die Rapunzelcreme geziert hatte, stiessen: Sollte hier eine gewiefte Firma ihr Zartbitter-Schokoladen-Creme-Monopol zu vertuschen versucht haben (außer uns studiert doch kein Mensch die Verpackung nach der Herkunftsplantage — außer für edlen Caffee vielleicht, aber um Kaffeebohnen ging es hier ja auch gar nicht, apropos Kaffebohne: Da steht schon wieder eine Ankündigung an: Welche Espresso-Sorte, die es allgemein im Einzelhandel zu erwerben gibt, die Beste ist, wird unser bald veröffentlicher Test-Bericht offenbaren (Stiftung Warentest und Ökotest drücken sich bisher um das heikle Thema herum und überlassen es uns, das Terrain zu beackern; da müssen wir ob mancher Qualität im wahrsten Sinne des Wortes zuschlagen). Schließlich war nur der Deckel genormt und passte auf beide Glasbehälter; wieder eine Verschwörungstheorie weniger — Mist!

Nun aber rasch, rasch zurück zur letzten Kandidatin Nummera Tria, die von so reiner Konsistenz zu sein schien, dass sie dem Herben den Vorzug geben wollte — wenn da nicht auf den letzten Zungengeschmacksnervenknospen doch noch ein leicht überschwängliches Gefühl von nicht ganz passend komponierter Süße hervortrat. Hmmm — also zwar Testsieger, die Alnatura-Creme, aber trotzdem nicht ganz ganz hervorragender Platz auf dem Podest. Aber die Konkurrenz schläft ja nicht und wird nun eifrig auf unseren Blogeintrag hin die an Kreativität knapp gesäten ErfinderInnengehirne in ihren teuren Forschungslabors anschmeißen und uns ein zufriedenstellendes Resultat präsentieren.

Sensationell was ein heißer Tag so vermag. Da brutzelt das Gehirn schon zum Brunch so dahin, um dann nach einer Matschkonstitutionsphase kombiniert mit Aufenthalt in viel zu warm-kalt durchmischten Bade-“Seen“ zum Abend hin lauter Wichtiges an Nutzinfo von sich zu geben. Das lag ganz klar am aufputschenden Gericht zum Tage:

Leicht locker flockig wurde nämlich Löwenzahn geerntet (Ja – Pusteblume nennt sich das auch) und erfrischendermaßen mit einer Bio-Rapsöl--Bio-Olivenöl Mischung im Verhältnis 80/20 angemacht, wobei ein bissl Himalaya-Salz (nicht lachen, gibts wirklich) und ein Lemonenspritzer hinzukam. Voilá fertig war der an feinen nicht ganz so scharfen Rucula erinnernde Salat, der hier dekorativ mit Zucchiniblüten zur Schau gestellt ist. Sehr gut, leicht herb und lustig!

Exclusiver Löwenzahn -- ordinäres Pusteblumen-Vorprodukt -- in Limonespritzer an Raps-Olivenöl (80/20) gewürzt mit Himalajasalz
Exclusiver Löwenzahn — ordinäres Pusteblumen-Vorprodukt — in Limonespritzer an Raps-Olivenöl (80/20) gewürzt mit Himalaja-Salz

Und damit wären wir beim Anbautipp bzw. Erntetipp. Das Zeug steht bekanntlich überall am Wegrand rum und dient unseren Vier- oder manchmal auch weniger-beinigen Freunden als willkommene Abwechslung zu diversen Hauswänden. Davon also die Finger lassend wird fernab des Weges oder im eigenen Gartensegment geschaut wo er sich prächtig entwickelt hat. Abschneiden und — STOP HALT VORSICHT — nicht essen, sondern an das saublöde Kaninchen von der Nachbarin verfüttern. DANN nämlich können die eigentlich den Genuss ausmachenden jungen Blätter schnell nachwachsen; die können und sollten dann auch geerntet werden. Das Ganze funktioniert übrigens auch im Topf daheim. Wer übrigens spießige Kleingärtner und Raseneckkantenschneider etwas ärgern will, pustet einfach mal ein paar Pusteblumen auf das Objekt der Begierde und genießt die Flüche, die alsbald aus dem Boden schießen. Nicht minder lustig ist übrigens auch die Variante Borretsch-Samen in frisch gesäte Flächen zu entsenden. Der Dank wird Euch sicher sein!

Erfrischender schwedischer Rabarber-Saft — Rezept (u.a.) & Anekdote (wunderbar) & Accessoir (très chic)

Der einzige Grund, warum sich jedes Jahr Heerscharen auf in die nördlichen mückenverseuchten Gefilde begeben, liegt im sogenannten rabarber saft, jenem geheimnisumwobenen Getränk, von denen schon die nordischen Göttinnen zu sagen pflegten, dass ihnen dieses dereinst nach der Vergänglichkeit durchaus zupass kommen würde, um eben diesen Zustand zu bewältigen. Aber nicht nur allein dies ist der Grund, warum das Rezept streng gehütet und nicht ins befreundete Ausland transportiert werden darf (findet mal hier Rhabarber-Saft!) — natürlich unter Androhung der Todesstrafe, die sich übrigens noch immer in der hessischen Landesverfassung findet und von den Vätern und Müttern der Verfassung mit Weitsicht auf das derzeitige Landesoberhaupt gemünzt worden scheint, der sich aber rausredet, dass das Grundgesetz über seiner ureigenen Verfassung stehen würde… Landespatriotismus hört sich anders an — schließlich versucht dieser (ausgestattet mit dem Charme eines „Karierte Hemden“ tragenden JU-Pennälers), diesen Umstand bei der Einführung elitärer Studiengebühren dem eher schlichteren Gemüte vorzuführen als Grund, warum Hessen eben diese brauchen würde — weshalb normale Studierende nun kulinarisch darben müssen.

Aber zurück zum Erfrischungsgetränk, das sich gerade bei sengender Hitze viel besser macht, als etwa ein heißer Erkältungstee, der ja durchaus auch seinen Reiz hat, wenngleich doch beim Abwiegen der Vor- und Nachteile sich zur Zeit ein leichter Vorteil hinsichtlich des Kaltgetränkes ergibt.
Torfolk Gård heißt die bekannteste Biomarke, die vom schwedischen Anbauverband KRAV streng kontrolliert wird — so streng, dass es das fabelhafte Produkt in keinem einzigen genossenschaftlich organisierten Konsum (ja, ja im Norden gibts den noch) mehr zu erwerben gibt; nach aufwändiger Suche, die die beauftragte Person nahe an den Wahnsinn getrieben hat, wurden noch Restbestände entdeckt und eben dies ist auch die Causa fürs nachfolgende leicht nachzukochende Gericht pardon Kaltgetränk — wobei der Zeitpunkt für eine nette Anekdote gekommen scheint:

Dereinst wurde jener rabarbersaft als Geschenk in die schon viel zu schwere Tasche gesteckt und daheim dann irgendwann nachdem sich schon Staub darauf angesetzt hatte, lieben Besuch als schwedische Spezialität angeboten. Ein kräftiger Schluck der gegenübersitzenden Person beförderte die Erinnerung an die seltsame schwedische Sprache wieder zutage, die ihr Handikap in der allzu leichtfertigen Interpretation der dem deutschen Schrift- und Sprachgebrauch leicht ähnelnden Wortungetüme, hat.
Der Gesichtausdruck, der nämlich mit dem ordentlichen Genuss jenes Saftes in Form eines kräftigen (weil furchtbar durstig) Schluckes einherging war ähnlich derjenigen, die schon mal in einem Ikea-Einrichtungshaus Köttbullar (schwedisch ausgesprochen: schöttbullar) bestellt und tatsächlich genossen haben. Nach einem äußerst vorsichtigen Nippen am Glas, das beim eiligen Hinausrennen (um dem heimischen Wasserhahn etliche Liter kostbaren Nass zu entlocken) einfach stehen gelassen worden war, bestätigte den Verdacht, dass es sich mitnichten um Saft, sondern um Sirup zu handeln schien, der aber reichlich verdünnt dann doch zu munden wusste, weshalb auch eine gewisse Sucht eintrat, die regelmässig durch Zukäufe befriedigt wurde, um dann jetzt doch in selbsttätiger Aktion zu enden, um weiterhin sagen zu können, dass eine richtige Erfrischung eben doch nur….

RABARBER-SAFT mit Accessoir (très chic)
RABARBER-SAFT mit Accessoir (très chic)

Aber jetzt mal zum Geheim-Rezept für den Rhabarbersaft (rabarbar saft):
Fleißige Hände brauchen nur in Nachbars Garten so ca. 20 Stück Rhabarberstiele zu sozialisieren, um sie dann in der streng verbarrikadierten Küche (des Geheimrezeptes wegen!) in kleine Stücke zu zersäbeln, Wasser (klares Quellwasser erhält ganz klar den Vorzug) kommt auch noch hinzu, so dass die Rhabarberstücke grad noch rausschauen aus dem großen Topf, dessen Marke bei diesem Rezepte keinerlei Rolle spielt.
Nachdem nun Alles zum Kochen und anschließendem Kaltwerden und dann durch ein Sieb zum Pressen gebracht worden ist, wird ungefähr der Jahreskonsum an Zucker hinzugefügt (für weniger süß veranlagte ZeitgenossInnen genügt schon ein Kilo Zucker), der nach einem anschließenden Erhitzungsvorgang (80 Grad sollten es schon sein) einen schönen dicken Rhabarbersirup (bei weniger Zucker auch durchaus nicht — des Überraschungseffektes wegen — zu verachtenden dünnflüssigen, dem Torfolk nicht unähnlichen Saft, hervorbringt). Ab durch einen Trichter in zuvor ausgekochte kleine Fläschchen, die sich dann als Accessoir in der Küche besonders gut im extravaganten Regal (ebenfalls très chic) machen.

Skål!

Exquisite Schweinetoasts

Was tun, wenn alleine kochen einfach so gar keinen Spaß bringt und auch der Gang zum Imbiss keine Erfüllung verspricht? Die erfahrene Küchenschlampe empfiehlt bei Heißhunger jeder Art die exquisiten Schweinetoast. Man nehme hierfür Sardellenfillets oder falls man die perverse Vorliebe für diese nicht teilt auch ein bisschen Schinken, ein bisschen Käse und Olivenöl und ab in den Ofen. Mit einem Salatchen dazu ein ganz hervorragender Magenfüller. Auch wenn er wohl eher für die Gourmands als die Gourmees unter uns bestimmt scheint.

Sardellentoast