Zwischenzeitliche Fortschrittsmeldungen beachtend weiß es sich die Bequemlichkeit immerhin mittels fruchtperliger Umstände den Alltag genießend zu Nutze zu machen

Mal wieder Zeit für einen kurzen Einblick in der ansonsten von weitgehend kochblogabstinenter Tätigkeit geprägten Umgebung. Die Fortschritte in der Dekoration sind unverkennbar und angesichts nur feuchter Außenluft scheint die Kraft noch ausreichend zu sein für den Fortschritt.

buntperlig durchsetzter Obstsalat

Zur Unterstützung gibt es jeden Tag Obstsalat satt und Dank zur Verfügungstellung von allerlei Zutaten (bisweilen leider auch mit Flugbereitschaft) ist der Variation keine Grenze gesetzt :-)

wuchsteilfertig

Des Abends dann nicht dokumentierte :o Erkundung einheimischer Wuchskunst im Zusammenspiel mit auswärtigen Gewürzen und zwischendurch so allerlei.

fortschritt in der dekoration

Ab Oktober geht es dann hier weiter — pünktlich zur Tomatenauszeit ;-)

Um des Restvorrates an grüner Kräuselpetersilie zu gedenken war auch an des Nudels passend dazwischenzusteckende Nordseekrabben gedacht, die es sich dankenswerterweise an Zwiebeln und Wein bequem machen konnten — außerdem Zwischenaufmunterung für die Auswüchse auf Gemüse (formschön)

Die dann doch in den letzten Tagen vorhandenen Temperaturen verlangten nach leichter und schneller Kost, Zudem sah der Berg vergessener Kräuselpetersilie schon leicht in verwelkender Natur seinen Optimalzustand, also rasch verwenden, Shrimps waren nicht da, aber famose Nordseekrabben und Wein sowieso.

alte restpetersilie geschmort auf nordseekrabben an nudel
Petersilie in gekräuselter Form ist semioptimal

Also eine der passensten Zutaten zu Nudeln überhaupt gefertigt (Rezept im Blog, vielfach) und die Meeresbewohnerinnen mit hinzu. Die Petersilie war allerdings geschmacklich jetzt nicht soo gut, aber auch nicht sooo schlecht, glatte ist aber einfach besser (weniger eigentlich auch ;-) )

design auf kartoffel
Auszeit für Auswüchse oder andersherum

Und für alle diejenigen, die noch nach einem hübschen Designobjekt für den Esstisch Ausschau halten ist dieses Stück eine kostengünstige Alternative (gesehen in allen guten Wohnaccessoiresläden).

Nachträglich jetztlich auftischbar — haltbarer Salat in reichlich Öl, die Rettung vor Frühaufstehenden und Jammerschade, wirklich

baerlauchpesto mit nuessen auf nudelteller
Haltbarer Salat — Bärlauch-Pesto :D

Kaum die Referers geöffnet ist sogleich ersichtlich, was die Ratsuchenden auf Kochblogs zu erhaschen suchen — anschauliche Bildchen zu allerlei Sprossen (sehr beliebt: Information zu Knoblauchsprossen) nach Bekanntgabe.

Also zu haltbarem Salat gegriffen — vulgo Bärlauchpesto, das war ein schon vor einiger Zeit aus Mitbringseln gefertigtes überaus bekömmliches Zeug, das gleich in vielerlei Variation gefertigt zu werden wusste. Mandeln (eher nicht so gut), Pistazie (jep!), Pinienkerne (ok), Sonnenblumenkerne (och ja) waren die zusätzlichen jeweiligen Zutaten.

unterschied baerlauch maigloeckchen staengel
Immer wieder in Erinnerung rufen — Unterschiede Bärlauchstängel (links) und den Stiel umfassendes Maiglöckchenblatt (rechts)

Und leckeres Bio-Olivenöl und Käsereste, vor allem raspelig viel Ziegenkäse und Grana Padano, Salz ist nicht nötig. Die Bärlauchblätter entstammen aus fuchsbandwurmfreien Regionen und liegen dort von der heimischen Bevölkerung unwissend heile in ihren Beständen unbeachtlich beiseite gelassen wartend auf Abpflückung duch kulinarisch etwas bewanderte Mitmenschen ;-)

maigloeckchen in bluete
Nur Tischdeko — Maiglöckchen in Blüte

Im Reisegepäck war auch ausreichend Platz gewesen, der eigentlich vorgesehene Espressobohnenvorrat erwies sich bei neuerlicher Probierung als leiderleider nicht mehr so gut, dass sich die Hortung mehrerer Tonnen gelohnt hätte. Die Mischung wird jetzt mit geänderten Röstverfahrenstechniken gefertigt, dafür schmeckt er lascher und irgendwie leider auch verbrannter — Jammerschade, wirklich! Der war echt gut.

klecksigschmieriggut
Eigentlich schmeckt das auch nur, wenn es kleckst und schmiert

Aber nicht zu sehr beschweren, schließlich ist die Salatvorsorge gesichert — nicht zuletzt, weil die leckeren Salatbestände (alte Sorten) an den Bioständen von hysterischen MarktbesucherInnen deutlich gemieden werden dürften, was für zur Mittagszeit Aufstehende ein nun nicht unwesentlicher Vorteil ist — alles noch da, bestimmt, juchhu :-)

Zu des holden Sonnenscheines durchaus gerecht sich erweisenden Backkartoffeln aus Vorabendfertigung zu zartest weggepflückter Wildsalatfrischware in Zusammenstellung war die angesagt daherkommende Auftischung überaus erfreuend angenommen

backkartoffeln mit wildsalat
Das sind tatsächlich noch Bärlauchblüten neben der Brennnesselblatt-mit-Blüten-Darbietung

Die Vorabendspeisung erwies sich als reichhaltige Erscheinungsform, die sich auch anderentags eines ungestümen Andranges kaum erwehren konnte und so durfte in kalter Anspielung an frischer mit Wasserperlen durchsetzter Wildwaldwiesenware ein überaus schickes Ensemble sich zusammenfindend den Genuss des auch zugesetzten Olivenöles mit Balsamicoessig an das Grüne ergänzend vortragen — und durchaus, den Erwartungen gerecht werdend überaus geschmacklich zudem, den Tag gut starten lassen.

Und des Fuchsbandwurmes Nachwuchs wurde ganz böse angeschaut, der hat sich auch gleich verkrümelt ;-)

8. Mai — Tag der Befreiung

Im letzten Jahr am Tag der Befreiung war die Betrachtung Griechenland und dem Kampf gegen den Faschismus gewidmet, nun wandert der Blick nach Frankreich. Zahlreiche Deutsche kämpften in der französischen Widerstandsbewegung — der Résistance . Einer von Ihnen war der bekannte Widerstandskämpfer Peter Gingold, als Jude und Kommunist doppelt verfolgt, leistete er unter dem Decknamen Georges Richard Widerstand, er entkam glücklicherweise seinen Häschern nach seiner Verhaftung in Paris.
Gingold war zuvor Anfang 1943 in Dijon verhaftet worden, der SD versucht durch Folter aus ihm Informationen herauszuholen, nach Paris verbracht ersinnt er eine List, er könne sich an ein Haus am Boulevard St. Martin erinnern, aber nicht an die genaue Hausnummer, dort von der Gestapo hingeführt, schlägt er den Nazischergen die schwere Haustür vor der Nase zu und rennt um sein Leben durch einen zweiten Ausgang in die Freiheit.

peter und etty gingold ausweise
Im Widerstand — Etty und Peter Gingold

Zum Kriegsende am 8. Mai war Peter Gingold bei italienischen Widerstandsgruppen aktiv (Zit. nach Internationales Hearing [pdf] zum 8. Mai – 50. Jahrestag der Befreiung vom deutschen Faschismus 1995 in Berlin:
„Unsere Einheit schnappte Mussolini, ich war nicht dabei gewesen, auf dem Fluchtweg. Er wollte in die Schweiz gerade, mit allen seinen Mätressen, mit Gold, mit Diamanten. Am Abend wurde Gericht gehalten, am anderen Morgen wurde er erschossen. Und das war sehr scheußlich, dass sie den Leichnam nach Mailand brachten und mit den Füßen nach oben aufgehängt haben, das war nicht mein Geschmack. So groß war die Wut, das Rachegefühl der Bevölkerung auf diesen Faschismus – das, was wir in Deutschland nie erlebt haben“.

Nach dem Krieg war Peter Gingold der vor fast 5 Jahren im Alter von 90 Jahren am 29. Oktober starb, ein unermütlicher Aufklärer über die Gefahren des Nationalsozialismus, für die VVN-BdA, die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes, ging er in die Schulen, informierte mit seiner lustigen Art anschaulich und wusste charmant für die Thematik zu begeistern, gab zahlreiche Interviews und engagierte sich gegen die alte und neue Propaganda der Kriegshetze.

8 mai 2011 wer nicht feiert hat verloren
Wer nicht feiert hat verloren — Veranstaltung am 9. Mai

Die Dokumentation von Frank Gutermuth und Wolfgang Schoen „Frankreichs fremde Patrioten — Deutsche in der Résistance“ zeigt den Kampf auf, den die demokratischen Deutschen leisteten. In der BRD wurden die WiderstandskämpferInnen deswegen verfemt, verfolgt und drangsaliert.

Die den Gingolds von den Nazis der BRD aberkannte deutsche Staatsbürgerschaft wurde erst Jahrzehnte später im Mai 1974 nach internationalen Protesten wieder zugebilligt. Den von den Nazis zu „Volksschädlingen“ erkorenen, der jüdischen Familie Gingold, sollte auch im Nachfolgestaat die „Ehre“ nicht zuteil werden „Deutsche“ zu sein; die Tochter von Peter und Ettie Gingold erhielt später sogar Berufsverbot während die verantwortlichen Würdenträger lieber mit ehemaligen NS-Kriegsverbrechern die faschistische Wehrmacht hochleben ließen.
Ganz anders als in Frankreich wo der Kampf der Deutschen gegen den Faschismus auch gegen die versuchte Einflussnahme seitens der Bundesregierung in höchsten Ehren gehalten wurde:

Die Erinnerungen Peter Gingolds, die er in seinen letzten Lebensjahren zu Papier brachte (hg. von Ulrich Schneider) sind ein spannendes Zeugnis über den Widerstand gegen den Faschismus.

gingold_paris

Peter Gingold/Ulrich Schneider Paris – Boulevard St. Martin No. 11: Ein jüdischer Antifaschist und Kommunist in der Résistance und der Bundesrepublik

Verlag: PapyRossa, 2. Auflage 2009
ISBN 3894384077
14,90 €

schlicht einfach aufgetischt

salzumsorgtes schinkenstueck
Ohne Salzkruste wär es nicht echt

Einfach Zwiebeln in Olivenöl angeschmurgelt, noch versehen mit Frühlingszwiebeln, die sich ganz hinten im Kühlschrank versteckt hatten mitsamt dem sich salzkrustig eigentlich ganz hübsch machenden Schinkenstück, das anteilig kleingeschnippelt mit hinzu durfte. Und Pilze waren natürlich auch noch dabei ;-)

pilz schinken nudel und zwiebel
Pilze gab es schon lange nicht mehr

Und dann in aufopferungsvoller Tätigkeit einige Mitbringsel verarbeitet, um es sich auch infolge von Essensnotstand so richtig gut gehen zu lassen, Ablichtung folgt.

Des Anfalls anderweitiger Reste ward umsorgt in ausreichendem Maß durch zahlreich in Erscheinung tretende reisnudlige Versorgung (Tipps zum Tage des Comics)

Wo viel Kaninchenleber anfällt — verbleibt auch der Rest, also Vor-Oster-Kaninchenschlegel in Olivenöl mit allerlei Zwiebelsorten, Lorbeer, Pfeffer, Piment, Rigani, Salbei, Salz und alles was an Restweinen aufzutreiben war in der Schmorpfanne weichgeschmurgelt; zwischendurch noch ganz viele Tomaten rein und mit weiteren Weinnachschub aus Tischbeständen ergänzt.

kaninchengleuck mit reisnudeliger versorgung
Die lustigen Nudeln wissen sich gut anzupassen

Sodann kochendes Wasser und die lustigen kleinen nach Reis aussehenden Nudeln reingerührt, die gab es schon länger nicht mehr, paar mal umrühren und zwischendurch mit Flüssigkeit nach Wahl ergänzen und dann ist es eigentlich auch schon fertig.

Feinfein und so schnell neben der Trinkerei zu Tische gefertigt. Es leben die Frühling-Sommer-Schmorgerichte :-)

gratis comic tag 2011

Und dann noch die Erinnerung an den Gratis Comic Tag 2011 am 14. Mai — nachdem im letzten Jahr die Erzeugnisse in den Comic- und Buchläden zum ersten Mal bereit zum frohen Draufstürzen lagen, findet sich jetzt wieder das ein oder andere Schmankerl.
Kleiner Tipp, Westernfans können sich auf Herrn Hase stürzen und gehobene-Langeweile-im-Großstadtleben-Fans auf Monsieur Jean, die Biographie von Frida Kahlo klingt zumindest vom Titel her interessant, mal schauen, ob es gefällig ist. Der Rest findet sicher auch noch was ;-)

Der Rest durchaus ergänzend nach formidable aufgetischter Völlerei durch ausnahmsweise Staudenselleriebeifügung mit Wildlachs, Pfeffer, Rigani später dann versehen (und das perfekte Fischsiegel)

Sellerie — ein altes Thema, muss nicht unbedingt sein, eventuell ein kleines bissl in der Suppe oder dezent irgendwie versteckt, ok. Der lachend in der Küche deponierte Staudensellerie dann die Herausforderung, schmeckt nicht so penetrant, aber ist trotzdem Sellerei, nicht so schön zart schmeckend wie der überaus entzückende Wassersellerie, der nur gute Geschmacksnoten vorzuweisen hat, aber nur im klaren Quellwasser auf Pflückung wartet.

kartoffel staudensellerie tomaten minze zucchini auflauf
Gut versteckt ist die richtige Wahl für schnöden Staudensellerie

Also was finden, um ein den Geschmack ordentlich zu verstecken unterzubringen, leicht angekokelter Kartoffel-Zucchini-Auflauf, genau richtig dafür, also ran und die neue Riesenbackform emporgestemmt, wiegt mindestens 6 Kilo, mindestens!

Staudensellerie dann in ganz kleine Stückchen schneiden, Frühlingszwiebeln dürfen auch hinzu, Kartoffeln in Scheiben schneiden, die Zucchini etwas dünner, Tomaten in anstrengender aufmerksamkeitsbedürftiger Art in kleine Würfelchen verwandeln, Schale bleibt dran, es soll ja schnell gehen ;-)

griechisches gemuese-allerlei
Reste reichlich am anderen Tag

Frische Minze gehackt und trockene Würzminze, Peffer, frisch vermahlen und schwarze Sorte, ganz wenig Rigani und ordentlich Salz und Olivenöl, schön durchmischen und ab in den vorgeheizten Backofen mit Deckel (oder doppelt gelegter Alufolie), das backt jetzt erstmal fröhlich vor sich hin, vielleicht eine Stunde, kommt auf die Kartoffelsorte an, festkochende in verschiedener Benennung waren hier drin, dann Bedeckung lüften und oben noch schön knusprig bräunen, wenns kokelt, ist es fertig!

Und siehe da — der Sellerie weiß sich köstlichst in der Sommerspeisung zu benehmen ;-)

wildlachs gebraten mit rigani und peffer
Wildlachs mit MSC-Siegel versehen mit Rigani

Nachanderentags um drei Uhr früh die Reste dann mit Wildlachs verspeist, einfach so gebraten in Olivenöl und dazu schlicht Rigani, Salz, Pfeffer, Zitrone, Wein war als Begleitung auch gar nicht mehr nötig.

Zur Zeit ist fischküche ja eifrig dabei die im Blog überaus zahlreich lecker dargebotenen Fischauftischungen noch mit wichtigen Informationen über den Fischfang zu ergänzen (Kommentieren im Kochblog geht leider nur mit Anmeldung).

Was hat es mit den Fischsiegeln wie MSC (etcetera?) auf sich, stimmen die Informationen zur Art der Fangtechnik und gibt es eventuell falsche Deklarierungen? fischküche war erst mal platt über den WWF, hat dann mehrere Firmen und Organisationen wie Greenpeace, WWF und foodwatch angeschrieben und so langsam trudeln die Informationen ein.

Der WWF ist allerdings spätestens seit dem Engagement für eine nachhaltige Gentechnologie eine etwas fragwürdige Organisation dennoch im Fischbereich sehr engagiert — trotzdem bleibt beim WWF die Frage wie Nachhaltigkeit mittels Gentechnologie aussehen sollte. Während in der Landwirtschaft gentechnisch veränderte Pflanzen angebaut werden – dürfen andernorts dann als Ausgleich mehr nicht gentechnisch veränderte Flächen ausgewiesen werden? Sollte der WWF jetzt als käuflich betrachtet werden im „Fischbereich“? Auf jeden Fall eine lobenswerte Arbeit die Recherche im Siegelsegment und wir sind schon gespannt auf die weiteren Antworten :-)

Grandios zu verspeisende mittels geschmeidig sich anschließendem Olivenöle versehene Salzmakrelen (frische junge Wildkräuter wären ja eigentlich überaus passend)

Mit dem aus Griechenland mitgebrachten Olivenöl waren auch Salzmakrelen im Gepäck, also in Salzlake eingelegte Exemplare, die mitnichten geräuchert oder mit Zucker versehen waren wie es im hohen Norden des Öfteren üblich ist.

Umschlossen von leichter Flüssigkeit erweist eine Lagerung im Kühleren sich als optimal, durch das Salz verdirbt es eh nicht so schnell. Zubereitung dann ganz einfach, über Nacht wässern und dann ist es eigentlich auch schon schnittfertig, nicht zu fest und mit Esswerkzeug gut zerteilbar, dazu einen kleinen Schwubs bestes Olivenöl und Röstbrot und eine köstliche kleine Mahlzeit gerne auch mit Alkoholica ;-) breitet ihre Geschmacksaromen aus.

eingelegte makrele in verpackung
Verpackungstechnisch noch ausbaubar — eingelegte Salzmakrele

Zitrone wäre hier fehl am Platze, aber so ein bisschen kleines erstes zartes Wildkräutergrün mit feinem Essig würde sich auch ganz hübsch machen als Minisalatbeilage, so rein optisch schon, aber fiese frühaufstehende Mitmenschen haben das vereitelt ;-)

Das hier verwendete Olivenöl wird langsam immer besser im Geschmack, die Schärfe geht zurück und mit dem salzigen Einschlag des Fisches ist es überaus passend harmonischer Natur während es sich um die zarten Markrelenstückchen schmiegt :-)

Aus Interesse neulich das Magazin Slow Food, des gleichnahmigen Klübchens erstanden, weil es da um Öle gehen sollte, auf immerhin 28 Seiten wird zum Thema neben dem allgemeinen Blabla von den zugeschrieben Urkräften, Bedeutung für religiöse Zwecke und ähnliches einiges geboten:

Sollte allerdings fundierte und ausgewogene Berichterstattung erwartet werden, darf nicht zuviel des Guten erhofft werden. Vorzugsweise kommen mit dem Klub involvierte Personen und Firmen zum Zuge — es ist zumindest nicht schädlich FörderIn der Organisation zu sein, um Erwähnung zu finden.

ΣΚΟΥΜΠΡΙ
ΣΚΟΥΜΠΡΙ

Angetragene Tipps eines Olivenölhändlers: „bei leicht geöffneten Lippen atmen wir zunächst langsam und dann stärker ein“ oder „der Mund ist geschlossen und wir achten darauf, dass sich das Öl gut im Mundraum verteilt hat, dabei können wir immer wieder leicht durch die Nase ein- und ausatmen“, um den Geschmack des Öles bei einer Verkostung wahrzunehmen ist ehrlich gesagt nichts als esoterischer Verkaufsschnickschnack.

Das kommt zwar dem Gestus der gehobenen WeinprobentrinkerInnen entgegen, aber eigentlich mitnichten der aromatischen Gefälligkeit des Olivenöles — das wird doch nicht pur verkonsumiert, sondern mit Lebensmitteln genossen und in jeder anderen Zusammenstellung (Gemüse, Brot etc.) wirkt es doch anders auf die sicherlich geschmacksempfindlichen Nerven ;-) ein.

bestes olivenoel gehoert zu fisch
Bestes Olivenöl erweist dem Fische die besondere Gefälligkeit ;-)

Gerne wird auch Wert auf Titel und Renommée gelegt: Das Interview mit Professor Claudio Peri, einem Lebensmitteltechniker, beispielsweise spricht einige interessante Aspekte an, allerdings ist Peri nicht wie suggeriert Lehrstuhlinhaber an der Universität von Mailand, die ebenfalls angegebene Universität von Pollenzo ist nichts weiter als eine Ausbildungsstätte für den gehobenen Gastronomiesektor, zudem verwoben mit Slow Food. Sehr suspekt ist seine Aussage, dass Olivenöl von neuen BäuerInnen zu bevorzugen sei, angeblich weil da mehr Wert auf Genauigkeit gelegt würde.

Das allerdings ist mehr als zweifelhaft, warum sollten alte Anbaubetriebe, die zudem über mehr Erfahrung verfügen, schlechtere Qualität liefern? Zudem können sie auf einen alten Bestand an Olivenbäumen zurückgreifen (und Olivenbäume brauchen lange bis sie ausreichende Erträge liefern können).

Es sind diese merkwürdigen Qualitätskriterien, die aufhorchen lassen, die in dem schon bei uns verlinkten Artikel angesprochenen Aussagen eines hofierten „Experten“ zum Thema Olivenöl, dem Chemiedirektor Dr. Christian Gertz, dessen „Hobby“ angeblich Olivenöl sei, ist gleich eine vollkommen misslungene Desavouierung von Bio-Olivenöl gelungen.

slowfoodmagazin zum thema oel
Slow Food 2/2011 — Magazin des Slow Food Deutschland e.V. zum Thema Öl

Laut dem Artikel im Magazin (S. 36) soll er die Aussage getroffen haben, dass „Pestizide oder chemische Dünger (.) im konventionellen Olivenanbau nicht zum Einsatz“ kämen, „sodass es kaum einen Unterschied gäbe“ zum Bioöl; „Einen höheren Preis für Bio-Olivenöl auszugeben, hält Gertz für `rausgeschmissenes Geld´, so die unwidersprochen und unrecherchiert wiedergegebene Aussage.

Der Mann, der laut Magazin als Experte „an fünf Untersuchungen von Stiftung Warentest teilgenommen hat“, weist allerdings so eine dermaßene Unkenntnis auf, wenn denn die Wiedergabe der Äußerungen stimmt, dass wirklich ernsthaft in Frage zu stellen wäre, ob der Mann jemals einen Olivenbaum überhaupt von nahem gesehen hat (wie auch Bolli bei genussbereit schon gefragt hatte).

Olivenbäume werden im konventionellen Anbau oftmals sehr wohl gespritzt, einmal zur Olivenblüte und dann bei Reife, um die Beschädigung durch die Olivenfliege zu verhindern. Dazu kommen die benachbarten Felder, die ebenfalls eine Belastung herbeiführen. Von den sonstigen Belastungen des Bodens ganz zu schweigen.

JedeR, die/der von Olivenanbau auch nur ein wenig Ahnung hat weiß von diesen Umständen. Wie viel Wert sind also Analysen von Personen, die durch Unkenntnis glänzen, die auch noch die Chuzpe haben derart Propaganda gegen den Bioanbau zu betreiben und die von Slow Food auch noch kritiklos unterstützt werden?

Wo bleibt der kritische Geist des die konventionellen Anbaumethoden als überholt darstellenden Vereins? Nichts ist zu ersehen, ein reines KonsumentInnenblatt fernab von ökologischer Verantwortung, elitär auf Titel und Publikum setzend, nicht relevant sogar im nutzbaren Sinne.

salzmakrele mit griechischem bioolivenoel zu roestbrot
Geröstetes Brot erweist optimal die Aufwartung — frische Kräuter waren unauffällig abwesend

Versuche auf der Seite der Organisation einen Link zur Satzung zu finden scheitern — stattdessen haufenweise FörderInnenseiten. Per google-Suche immerhin ein Treffer zu einer Satzung (ob nun aktuell ist nicht ersichtlich) mit vorgeblich ökologischem Anspruch:

Der Satzungszweck wird erreicht insbesondere durch Aufklärung und in Form von Veranstaltungen, Seminaren usw., wobei folgendes Gedankengut verbreitet wird: Erhaltung und Entwicklung geschmacklich hochwertiger Erzeugnisse, die mit ökologisch sinnvollen Methoden hergestellt werden (§2 Nr. 2)

Allerdings scheinen die Probleme auch altbekannt zu sein, die Aberkennung der Gemeinnützigkeit des Vereins wurde übrigens bei schneckentisch diskutiert.



Referer der letzten 24 Stunden:
  1. google.com (36)